Trail Running: Joggen für Hartgesottene
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Trail RunningJoggen für Hartgesottene

Einen Pass hinauf rennen? Für die meisten ein Horror. Und doch kann es (fast) zum Plausch werden. Trail-Running-Expertin Fränzi Gissler verrät, wie man es locker den Berg hoch schafft.

von
Olaf Kunz

«Der erste knallharte Aufstieg zum Jochpass folgt nach einem Kilometer, mit den Berner Alpen im Blickfeld führt der Weg nun über die Tannalp zum Balmeregghorn und von dort ins Berner Oberland zur Planplatten.» Was sich wie ein Auszug aus einem Wanderprospekt für die Berner Alpen liest, ist in Wirklichkeit der Streckenbeschrieb des längsten Laufs durch die Bergwelt der Zentralschweiz, dem Mountainman: 80,3 Kilometer Länge und 5000 Höhenmeter. Allein diese Zahl treibt Otto-Normalläufern den Schweiss aus allen Poren - vom Couch Potatos ganz zu schweigen. Und dennoch: Jedes Jahr werden in der Schweiz bis zu einem halben Dutzend solcher Laufveranstaltungen mit – im wahrsten Sinne des Wortes - atemberaubenden Strecken ins Leben gerufen.

Keinesfalls beteiligen sich dabei nur «einige angefressene Berghüpfer». So waren beim Swiss Alpine Marathon in Davos im Jahr 2010 2827 Bergaufrennfans am Start. Beim ersten Mountainman 2010 waren es über 500 Teilnehmer. Der Gigathlon - ein Fünfkampf in der Schweiz - lockt Jahr für Jahr gar tausende von Freizeitsportlern an - für die meisten von ihnen hat das Laufen abseits von Asphalt und das Erkunden neuer Trainingsstrecken im freien Gelände einen hohen Spassfaktor.

Von wegen «Wander»-Weg

Doch nicht nur bei derlei Sportveranstaltungen und Extrem-Wettkämpfen sind Läufer immer öfter fernab asphaltierter oder geebneter Wege anzutreffen. Trail Running ist längst keine kleine Nische mehr innerhalb des Laufsports. «Ich stelle fest, dass in den letzten Jahren immer mehr Personen auf den Singletrails in den Alpen rumrennen. Früher waren nur die Wanderer und auch mal ein paar Verrückte und Orientierungsläufer auf den Trails und Querfeldein unterwegs», berichtet Corsin Caluor, Projektleiter Gigathlon bei Swiss Olympic.

Auslöser der neuen Laufbewegung war ein gewiefter Marketingtrick, weiss der Veranstaltungsexperte: «Vor einigen Jahren hat ein Hersteller das Trail Running als eigene Disziplin gepusht und dafür eine spezielle Schuhlinie herausgegeben. Damit hat er sich einen eigenen Markt geschaffen.» Es brauchte allerdings eine ganze Weile, bis eine grössere Anzahl an Sportlern mitzogen. «Mittlerweile aber sind viele Hersteller auf den Trend aufgesprungen.»

Das bestätigt auch Steve Schennach von Ochsner Sport gegenüber 20 Minuten Online: «Trail Running ist seit zwei, drei Jahren ein wichtiger Teil unseres Laufsportsortiments. Wir spüren, dass die Nachfrage nach Trailrunning-Produkten stetig wächst - in der Romandie noch stärker als in der Deutschschweiz.»

«Es ist sehr usprüngliches Laufen»

Fränzi Gissler von der Laufschule Scuol/Outdoor Engadin erlebt Tag für Tag, wie die Trailrunning-Gemeinde wächst und wächst: «Mittlerweile dürften es wohl schon ein Drittel aller Läufer sein, die regelmässig Trail Running betreiben.» Aus ihren Kursen weiss sie, dass der Kick dabei vor allem im Naturerlebnis liegt. «Es hat ja auch etwas sehr Ursprüngliches. Früher waren die Menschen immer in der Natur unterwegs. Erst später kam das Strassenlaufen dazu», erklärt sie die Begeisterung an dem Sport. Was Gissler ebenfalls beobachtet: «Den Läufern gefällt das Spielerische am Trail Running - Zeit und Distanz sind maximal zweitrangig. Es ist ein perfekter Ausgleich zum Alltag, in dem meist alles genau geplant ist.»

Fränzi Gissler

Die gebürtige Baslerin und ehemalige Profi-Triathletin führt die alpine Laufschule Scuol/Outdoor Engadin (Spezialist für Trail Running und Berglaufen). Ausserdem ist sie Mitglied des Salomon Trail Running-Team Schweiz und steht auch beim Gigathlon Trainings-Camp steht sie Läufern mit Tipps zur Seite.

20 Minuten Online beim Gigathlon

20 Minuten Online stellt beim Gigathlon ein Fünfer-Team. Der Autor des Textes ist ebenfalls mit dabei. Mein Part dabei: das Laufen. An zwei Tagen sind am Wettkampf-Wochenende 3200 Höhenmeter zu überwinden. Seitdem unsere Teilnahme fest steht, versuche ich mich - mehr oder minder tapfer - am Berg. Tatsächlich geht es mittlerweile schon etwas besser. Zumindest kollabiere ich nicht direkt nach den ersten 100 Höhenmetern, was schon mal ein Fortschritt ist. Wenn ich allerdings die anderen den Berg hochfedern sehe - wie jüngst beim Gigathlon-Trainingscamp im Wallis - wird offensichtlich, dass ich noch weit entfernt bin, ein guter Trail Runner zu sein. Aber immerhin, es geht im wahrsten Sinne des Wortes bergauf. Ich werde weiter berichten.

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