12.10.2016 17:49

Hoffnung für MS-PatientenJoggen kann kranke Nerven und Gehirne heilen

Joggen ist gesund. Das ist klar. Aber nun zeigt sich, dass regelmässiges Laufen helfen kann, schon vorhandene Schäden an Gehirn und Nerven zu beheben.

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Es ist schon viel Positives über Jogging geschrieben worden. Nun kommt ein weiterer Pluspunkt hinzu: Laufen ist in der Lage, Schäden im Gehirn zu beheben - zumindest bei Mäusen.

Es ist schon viel Positives über Jogging geschrieben worden. Nun kommt ein weiterer Pluspunkt hinzu: Laufen ist in der Lage, Schäden im Gehirn zu beheben - zumindest bei Mäusen.

Keystone/Ennio Leanza
In einer Studie von kanadischen Forschern zeigte sich, dass die tierischen Probanden dank regelmässigen Joggens deutlich länger lebten. Die Erklärung für diese Verbesserung lieferte ...

In einer Studie von kanadischen Forschern zeigte sich, dass die tierischen Probanden dank regelmässigen Joggens deutlich länger lebten. Die Erklärung für diese Verbesserung lieferte ...

Salk Institute
... ein Blick in ihr Gehirn: Die zuvor geschädigten Schutzhüllen der Hirnzellen im Kleinhirn hatten sich bei den laufenden Mäusen teilweise regeneriert. Verantwortlich dafür ist der Wachstumsfaktor VGF, der beim Laufen ausgeschüttet wird. (Im Bild: Scan eines menschlichen Gehirns)

... ein Blick in ihr Gehirn: Die zuvor geschädigten Schutzhüllen der Hirnzellen im Kleinhirn hatten sich bei den laufenden Mäusen teilweise regeneriert. Verantwortlich dafür ist der Wachstumsfaktor VGF, der beim Laufen ausgeschüttet wird. (Im Bild: Scan eines menschlichen Gehirns)

Colourbox.com/Denysov Dmytro

Immer mehr scheint Bewegung ein Allheilmittel zu sein. So werden durch regelmässige Trainingseinheiten nicht nur Muskeln und Kondition gestärkt.

Ausdauersportarten wie Jogging beeinflussen auch den Stoffwechsel positiv. Dadurch wird das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Krebs reduziert. Selbst Depressionen können so gelindert werden, genauso wie Schmerzen.

Lebensverlängerndes Laufen

Kanadische Forscher ergänzen diese Liste nun um einen weiteren positiven Effekt: Joggen kann offenbar helfen, schon vorhandene Schäden an Gehirn und Nerven zu beheben. Das wies das Team um David J. Picketts von der University of Ottawa in Experimenten mit Mäusen nach, deren Gehirn aufgrund eines Gendefekts geschädigt war.

In der in den «Cell Reports» vorgestellten Studie zeigte sich, dass die tierischen Probanden dank regelmässigen Joggens deutlich länger lebten. Während ihre lauffaulen Artgenossen meist schon nach einem Monat sterben, brachten sie es auf mehr als zwölf Monate und erreichten damit fast das Alter gesunder Tiere.

Ausdauer wird belohnt

Die Erklärung für diese Verbesserung lieferte ein Blick in ihr Gehirn: Die zuvor stark geschädigten Schutzhüllen der Hirnzellen im Kleinhirn hatten sich bei den laufenden Mäusen teilweise regeneriert. «Die zuvor geschädigten Schaltkreise im Gehirn wurden durch die Bewegung gestärkt und bekamen ihre Funktionsfähigkeit zurück», so Picketts in der Mitteilung seiner Hochschule.

Einziges Manko: Der positive Effekt des Laufens hielt nur so lange an, wie die Mäuse in Bewegung blieben. Pausierten sie jedoch eine Weile, kamen die durch die Hirnschädigung ausgelösten Symptome rasch zurück.

Verbesserung dank Wachstumsfaktor

Um zu verstehen, warum das Laufen solche Auswirkungen auf das Gehirn hat, analysierten Picketts und seine Kollegen die Genaktivität von joggenden und bequemen Mäusen.

Dabei stellten sie fest, dass im Gehirn der Läufer besonders viel vom Wachstumsfaktor VGF vorhanden war. Dieser wird beim Laufen ausgeschüttet und wirkt sich unter anderem auf die Stimmung und den Hirnstoffwechsel aus.

Als die Forscher dieses Peptid den faulen Mäusen verabreichten, zeigten sich auch bei ihnen die gleichen Besserungen wie bei ihren trainierenden Artgenossen.

Neue MS-Therapien?

«Das ist eine aufregende Entdeckung», so die Forscher. Denn möglicherweise könnte sich das VGF auch als heilsam für die Nervenschäden bei Multipler Sklerose (MS) und anderen neurodegenerativen Erkrankungen erweisen.

Ähnlich wie bei den Mäusen ist auch bei ihnen die Schutzhülle der Nervenzellen geschädigt. Sollte das Peptid beim Menschen wie bei Mäusen wirken, könnte das zu neuen Therapien führen, so die Hoffnung von Picketts und seinem Team.

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