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KubaJoghurt gibts nur noch für Touristen

In Fabriken steht die Produktion still, die Klimaanlagen sind aus. Kuba schwitzt in diesem Sommer unter drastischen Stromsparmassnahmen. Die Regierung beriet diese Woche darüber, was noch alles gekürzt werden könnte, um Defizite und eingebrochene Exporterlöse aufzufangen.

Die weltweite Rezession hat die sozialistische Staatswirtschaft, die noch unter den Milliardenschäden dreier Wirbelstürme im vorigen Jahr leidet, schwer erwischt. Präsident Raúl Castro ermahnte die Kubaner kürzlich in einer Ansprache, härter zu arbeiten, weil sie letztlich selbst für ihre Lage verantwortlich seien.

«Ich weiss nur, dass wir in der Tinte sitzen», meint der 27-jährige Raúl, der schwarz mit Zement und sonstigem Baumaterial handelt. «Ich gehe keinem Beruf nach, ich suche nur nach Möglichkeiten zu überleben.»

Die jetzigen Sparmassnahmen sind ein Klacks gegen die «Sonderperiode» nach dem Ende der Sowjetunion 1991. Sie sind auch nicht vergleichbar mit den Stromsperren von 2004, als grosse Teile der Insel wegen technischer Probleme in den Kraftwerken stundenweise ohne Elektrizität blieben. Trotzdem tut jede Einschränkung weh.

Ölgeschäfte unter der Hand?

Der Preis des Hauptexportguts Nickel ist nach Angaben der Sherritt International Corporation gegenüber dem vorigen Jahr um die Hälfte gefallen. Das kanadische Unternehmen förderte auf Kuba im vorigen Quartal 19 Prozent weniger Öl als im Vorjahreszeitraum - hauptsächlich, weil die Bohrungen unterbrochen wurden, als Kuba mit seinen Zahlungen in Rückstand geriet. Das Problem wurde mit einem Abzahlungsplan bereinigt - doch es könnte zu den Sparverordnungen beigetragen haben.

Oder Kuba versucht, Öl zu bunkern und seine Reserven aufzufüllen, solange der Preis noch relativ niedrig ist, wie Dan Erikson von der Organisation Inter-Amerikanischer Dialog in Washington mutmasst. Die Sparmassnahmen passen aber auch zu Gerüchten, dass Kuba das zu Sonderkonditionen aus Venezuela bezogene Öl klammheimlich weiterverkauft, wie es das früher mit Lieferungen aus der Sowjetunion getan hat. «Es heisst, dass sie venezolanisches Öl unter der Hand verkaufen. Sie streiten das ab. Aber wenn sie das tun wollten, dann wäre das jetzt der richtige Zeitpunkt», sagt Erikson. «Kuba steckt in einer echten Geldklemme.»

Die Energieeinsparungen seit 1. Juni sind Teil eines Massnahmenbündels mit dem Ziel, den Haushalt um sechs Prozent zu kürzen. Die Wachstumsprognose wurde von sechs auf 2,5 Prozent heruntergeschraubt und könnte noch weiter fallen. Vom Stromsparen sind bislang nur Betriebe betroffen, doch fürchten viele Kubaner, dass bald auch Privathaushalte dran sind.

Produktionspause zu Spitzenzeiten

In der Reifenfabrik in San José de las Lajas südlich von Havanna wird Arbeitern zufolge in Zeiten hoher Stromnachfrage die Produktion heruntergefahren, und die Lichter gehen aus. Als Folge sind an Tankstellen und in Werkstätten Reifen knapp. Die Produktion zurückfahren musste der Parteijugend-Zeitung «Juventud Rebelde» zufolge auch die Grossmolkerei in Cienfuegos, die weite Teile des Landes mit Milchprodukten versorgt. Joghurt ist in Havanna nur noch in Touristenläden zu bekommen, die für den Normalbürger unerschwinglich sind.

Behördenmitarbeiter arbeiten weniger Stunden oder nur noch zwei Tage die Woche, subventioniertes Kantinenessen wurde gestrichen. Andere Ämter und Behörden, Banken und Geschäfte haben die Klimaanlagen abgestellt - was den Dienst am Kunden nicht gerade befördert: Die Angestellten sind zu beschäftigt damit, sich in drückender Sommerhitze Luft zuzufächeln. (dapd)

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