Aktualisiert 02.01.2009 19:46

LiteraturJohannes Mario Simmel ist tot

Der Schriftsteller Johannes Mario Simmel ist tot. Der aus Österreich stammende Autor starb am Neujahrstag im Alter von 84 Jahren. Simmel lebte zuletzt in der Schweiz, in einer Altersresidenz in Zug.

Die Beisetzung finde im engsten Familienkreis statt, teilte sein Anwalt am Freitag mit. Zu den berühmtesten Romanen des Autors zählen «Es muss nicht immer Kaviar sein» und «Der Stoff, aus dem die Träume sind». Allein von seinem Roman «Es muss nicht immer Kaviar sein» wurden 30 Millionen Stück verkauft.

Johannes Mario Simmel wurde am 7. April 1924 als Sohn eines jüdischen deutschen Vaters und Enkel eines SPD-Mitbegründers in Wien geboren. Während dem 2. Weltkrieg verlor er die halbe Verwandtschaft im KZ.

Er selber wurde als Chemieingenieur dienstverpflichtet. Zusammen mit seinem Team baute er kleine Fehler in neuentwickelte Batterien für V-1- und V-2-Raketen ein.

Nachdem das Labor zerbombt worden war, beschloss Simmel - mit seinen Kollegen auf den Trümmern hockend und notgeschlachtete Laborhühner essend - «diesen verfluchten Nazi-Krieg» als Schriftsteller zu verarbeiten.

Aufklären und Katastrophen verhindern

Seit seinem 17. Lebensjahr hatte er Novellen verfasst. «Schön schreiben wie Rilke oder Rimbaud» war damals sein Ehrgeiz. Das änderte sich aber: «Es ist nicht die Zeit, wie Thomas Mann zu schreiben», sagte er sich. Aufklären und Katastrophen verhindern wurden zu seinem Credo.

Während er als Dolmetscher für das US-Militär wirkte, schrieb er seinen ersten Roman «Mich wundert, dass ich so fröhlich bin». Er brachte ihm eine Einladung der «Gruppe 47».

Drehbücher und «Quick»

Ausserdem wurde die Medien- und Filmwelt auf ihn aufmerksam. 1948 wurde er jüngster österreichischer Kulturredaktor. Daneben begann er Drehbücher zu verfassen, insgesamt 36. 1950 übersiedelte er nach Deutschland, um für die Illustrierte «Quick» zu arbeiten.

Bald galt er als der bestbezahlte Illustriertenjournalist. Kein Wunder: Unter sieben Pseudonymen verfasste er bis zu einem Drittel der Ausgabe, darunter auch einen Sex-Briefkasten.

Der Durchbruch als Romanautor gelang ihm 1960 mit einem Doppelerfolg: «Es muss nicht immer Kaviar sein» erschien, und sein Erfolgsstück «Der Schulfreund» wurde uraufgeführt. Fortan konnte er von der Literatur leben.

Zeitkritik

Es folgten unter anderen 1971 «Der Stoff aus dem die Träume sind» über die Verlogenheit von Illustrierten, 1987 «Doch mit den Clowns kamen die Tränen» über Genmanipulation, 1990 der Öko-Roman «Im Frühling singt zum letzten Mal die Lerche» und 1993 der Antirassismus-Roman «Auch wenn ich lache, muss ich weinen».

Dass er etwas von den Themen verstand, die er in seinen Geschichten verwendete, ist in seinen Büchern nachzulesen, beispielsweise in «Und Jimmy ging zum Regenbogen», in dem er sich 1970 mit dem Handel mit biologischen Waffen befasste.

Der Ruf des Schundautors hing ihm trotzdem - wohl auch wegen eines gewissen Hangs zum Schlüpfrigen - an. Simmel-Kenner aber schätzten von jeher die gut recherchierten Informationen. Seit den 80er Jahren anerkannte ihn auch die Literaturkritik als demokratisch-engagierten Chronisten.

(sda)

Zitate von Johannes Mario Simmel

«Wir haben uns die Erde nicht unterworfen. Wir haben ihr nur tiefe Wunden geschlagen.»

«Wenn jeder Mensch auf der Welt nur einen einzigen anderen Menschen glücklich machte, wäre die ganze Welt glücklich.»

«Die Welt kann man als Schriftsteller nicht verändern. Aber gewisse Sauereien kann man abstellen.»

«Es gibt im Leben nur eine Sünde, und die ist: den Mut zu verlieren.»

«Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.»

«Der Sinn des Lebens ist, dass jeder seine Pflicht tut.»

«Es ist immer noch besser, das eigene Nest zu beschmutzen als fremde.»

«Der Nationalsozialismus ist mein Lebenstrauma.»

«Der Nationalsozialismus ist eine Pest, die Generationen überspringt.»

«In diesem Land war man immer auf dem rechten Auge blind.»

«Das Schreiben fasziniert mich so sehr, dass, wenn es mir verboten würde, ich langsam daran sterben würde.»

«Je leichter ein Buch zu lesen ist, desto schwerer wurde es geschrieben.»

«Schreiben war immer Therapie. Sonst hätte ich mir nach dem Grauen des Zweiten Weltkriegs doch gleich das Leben nehmen können.»

«In Deutschland bedeutet Erfolg das Abonnement auf schlechte Kritiken.»

«Das Studieren lehrt uns die Regel - das Leben die Ausnahmen.»

«Ich habe viele getroffen, die klüger waren als Männer - und fast alle sind mutiger.» (über Frauen)

«Ich habe gelegentlich schreckliche Angst davor, dass es nachdem Tod weitergehen könnte. Wenn ich gestorben bin, dann soll verflucht noch mal Schluss sein.»

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