Aktualisiert 13.11.2007 16:41

AllgemeinJohn Fahey neuer WADA-Chef

Nach acht Jahren als Präsident der WADA, der Welt-Anti- Doping-Agentur, die er seit der Gründung 1999 führte, gibt Richard W. Pound am Samstag das Steuer an den weithin unbekannten Australier John Fahey (62) ab. Eine Ära geht zu Ende.

Der 65-jährige Kanadier Pound verlässt zum Abschluss der Welt- Antidoping-Konferenz von Madrid (15. bis 17. November) als einer der profiliertesten Sportführer die Bühne. Doch trotz aller Verdienste werden ihm nur wenige nachweinen. «Wer Dick Pound kennt, weiss, dass er nie einen Preis für Diplomatie erringen wollte», sagt der deutsche IOC-Vizepräsident Thomas Bach.

An Pound schieden sich stets die Geister. Der frühere Olympiaschwimmer hat im Kampf für einen sauberen Sport nie faule Kompromisse gesucht. Welt-Verbandspräsidenten wie Sepp Blatter (Fussball) oder einst Primo Nebiolo (Leichtathletik) und Hein Verbruggen (Radsport) wissen ebenso ein Lied davon zu singen wie die US-Profiligen. Selbst seinem ehemaligen Mentor, dem früheren IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch, warf Pound noch kürzlich vor, das Thema Doping am liebsten ignoriert zu haben.

Immerhin war es der Spanier gewesen, der ihm 1998 die Leitung der IOC-Reformkommission und 1999 die der WADA übertrug. In beiden Positionen wurde Pound seinem Ruf als Hardliner schnell gerecht und verdarb sich so auch alle Chancen auf die Samaranch-Nachfolge als IOC-Präsident.

Die Niederlage gegen den Belgier Jacques Rogge 2001 traf ihn tief, denn Pound war immer davon überzeugt, der Beste zu sein. Viele halten ihn für arrogant, und er hat diesen Ruf auch gern gepflegt: «Mir ist es egal, was Leute von mir halten, wenn es um die Sache geht.»

An seiner Kompetenz gab es nie Zweifel. «Er hat den Aufbau der WADA glänzend gemeistert und sich dafür allgemein Respekt erworben», sagte Bach, der als Vorsitzender der Juristischen Kommission des IOC nicht selten zwischen den Fronten vermitteln musste.

Innerhalb kurzer Zeit gelang es Pound, den Kampf gegen Doping von den Randspalten auf die Titelseiten zu holen. Er nahm als WADA-Chef auch die Regierungen in die Pflicht, von denen viele nicht pünktlich ihren finanziellen Beitrag leisten wollten. Dass er sie inzwischen voll ins Boot geholt hat, zählt neben der Verabschiedung des ersten WADA-Codes 2003 zu seinen grössten Verdiensten. Kurz darauf schlugen ihn die Staatsvertreter selbst für eine zweite Amtszeit vor, obwohl die Statuten eine Rotation vorsehen.

Nun tritt Pound ab, er hinterlässt eine schlagkräftige Organisation, aber wenig Freunde. Im IOC, dem er seit 1978 angehörte und in dem er in der Samaranch-Ära als Chef der Marketing-Kommission einer der mächtigsten Männer war, wird er keine führende Rolle mehr spielen.

Seine neue Plattform könnte das Präsidentenamt des in Lausanne ansässigen internationalen Sport-Schiedsgerichtshofes CAS werden, Rogge soll ihn dabei unterstützen. Wenn es dazu kommt, wird so mancher zu früh den Abschied vom «Cowboy aus Ontario» gefeiert haben, auf dessen Colt stets das Motto «Viel Feind, viel Ehr» eingraviert zu sein schien.

Als Pounds Nachfolger im WADA-Präsidentenamt bewirbt sich nach dem Rückzug des französischen Ex-Sportministers Jean-François Lamour nur noch John Fahey, ein früherer australischer Finanzminister. Er dürfte am Samstag problemlos gewählt werden. (si)

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