US-Wahlen: John McCain hält sich Bush vom Leib
Aktualisiert

US-WahlenJohn McCain hält sich Bush vom Leib

George W. Bush wurde am Parteitag der Republikaner mit einer Kurzansprache abgefertigt. Kandidat John McCain bemüht sich nach Kräften, sich vom unpopulären Präsidenten zu distanzieren.

von
Peter Blunschi

Er trat nicht live auf, sondern sprach via Satellit aus Washington zu den Delegierten. Die Rede dauerte nur wenige Minuten, und sie fand statt, bevor die grossen TV-Sender mit ihrer Live-Übertragung vom Parteitag in St. Paul begannen. Besser hätte die republikanische Partei nicht demonstrieren können, welche Rolle sie für ihren Präsidenten George W. Bush vorgesehen hat: die des grossen Unsichtbaren.

Hurrikan «Gustav» lieferte den willkommenen Vorwand, um Bushs für Montag geplanten Auftritt in Minnesota zu annullieren, schrieb das Magazin «Time». Weil der Sturm jedoch weniger Schäden verursachte als befürchtet, habe die Partei «Bush nicht vollständig ausblenden können». Deshalb habe man sich auf das Nächstbeste geeinigt: eine Kurzansprache aus der Ferne. Der Präsident machte gute Miene zum wenig erbaulichen Spiel: «Der Präsident ist sehr dankbar für diese Möglichkeit», sagte Dana Perino, die Sprecherin des Weissen Hauses.

«Ein seltsamer Auftritt»

«Es war ein seltsamer und ziemlich unbeteiligter letzter Auftritt für einen Präsidenten, der immerhin zwei Amtszeiten absolviert hat», kommentierte die britische BBC. Viele Parteistrategen seien darüber erleichtert gewesen. An der Basis geniesse George W. Bush nach wie vor hohes Ansehen, doch draussen im Land verharrt seine Popularität bei Werten um 30 Prozent und damit auf dem Niveau von Richard Nixon zu Watergate-Zeiten.

Für den Kandidaten John McCain bestehe deshalb geradezu die Notwendigkeit, «sich im Wahlkampf von der Bush-Regierung zu distanzieren», so die «Washington Post». Auf praktisch allen Ebenen hinterlasse der Präsident die Partei in einem schlechteren Zustand als bei seiner Wahl vor acht Jahren. Das Ziel von Bush und seinem Chefstrategen Karl Rove, den Republikanern eine dauerhafte Mehrheit zu sichern, sei gescheitert. «Wir befinden uns im schlimmsten politischen Umfeld für Republikaner seit Nixon», räumte McCains Wahlkampf-Manager Rick Davis ein.

Demokraten verlinken McCain mit Bush

Die Demokraten bemühen sich nach Kräften, dies auszunützen. Am Parteitag in Denver letzte Woche liessen sie keine Gelegenheit aus, McCain mit Bush zu verlinken und zu suggerieren, eine Wahl des Republikaners bedeute faktisch eine dritte Bush-Amtszeit. Der Präsident sei deshalb «die letzte Person, die McCain als Gesicht der Partei im Wahlkampf vorzeigen wolle», so «Time». Die gemeinsamen Auftritte beschränkten sich bislang auf einen im Frühjahr im Weissen Haus. Hinzu kam ein weiterer bei einer Spendengala in Phoenix – unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Hilfreich für John McCain ist sein schwieriges Verhältnis zu George W. Bush. Dies geht zurück auf die republikanischen Vorwahlen 2000, als McCain von Bushs Wahlkampfteam mit einer teilweise schmutzigen Kampagne bekämpft worden war. Die «New York Times» erinnerte daran, dass McCain am Parteitag vor acht Jahren in Philadelphia nur sprechen durfte, nachdem Bushs Leute seinen Auftritt genehmigt hatten. Der Senator aus Arizona bemüht sich denn auch nach Kräften, seine Unabhängigkeit und seinen Ruf als Querdenker hervorzuheben.

Republikaner gehen auf Distanz

Zumindest in dieser Hinsicht liess ihn Bush in seiner Rede nicht hängen, rühmte er McCain doch als unabhängigen Menschen, «der eigenständig denkt». Dennoch wurde in St. Paul spürbar, dass die meisten Republikaner bereit sind, die Ära Bush abzuhaken. «Er ist unser Präsident, und wir respektieren ihn dafür. Aber wir schauen nach vorne», sagte Lynne Cottrell, eine Delegierte aus Colorado, der «New York Times». Indiz dafür war auch, dass nicht Bush am Dienstag am meisten Applaus erhielt, sondern der ehemalige Demokrat Joseph Lieberman für seine Attacken auf Barack Obama.

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