Aktualisiert 14.05.2020 13:07

Virales Video

Joko und Klaas zeigen eine Ausstellung über sexuelle Belästigung

Das Fernsehduo Joko und Klaas hat von Prosieben 15 Minuten Sendezeit in der Primetime bekommen. Diese nutzten sie, um auf sexuelle Belästigung von Frauen aufmerksam zu machen.

von
Lucia Krones
  • Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben «Joko und Klaas gegen Prosieben» gewonnen.
  • Dafür bekamen sie 15 Minuten freie Sendezeit in der Primetime.
  • Diese nutzten sie, um auf sexuelle Belästigung von Frauen aufmerksam zu machen.
  • Im Video führt Sophie Passmann durch die «Männerwelten»-Ausstellung.
  • Prominente Frauen erzählen von ihren Erlebnissen mit sexueller Belästigung.

Der deutsche Fernsehsender Prosieben hat seinem Aushänge-Duo Joko Winterscheidt (41) und Klaas Heufer-Umlauf (36) 15 Minuten ihrer Sendezeit frei zur Verfügung gestellt – nachdem die beiden die jüngste Ausgabe «Joko und Klaas gegen Prosieben» für sich entscheiden konnten.

Die Live-Sendezeit in der Primetime am Tag nach der Ausstrahlung nutzten Joko und Klaas für ein ernstes Thema: Mit ihrem Beitrag machen sie auf sexuelle Belästigung gegen Frauen aufmerksam. Auf ungeschönte, aufwühlende Art.

«Die grusligste, aber nötigste Ausstellung der Welt»

Im Video führt Autorin und Radiomoderatorin Sophie Passmann (26) durch die Ausstellung «Männerwelten». «Diese Ausstellung ist nichts für Kinder und nichts für schwache Nerven», erklärt sie zu Beginn. Der Inhalt: «Fast die Hälfte aller Frauen in Deutschland wurde schon einmal sexuell belästigt», heisst es im Beschrieb zum Video.

Gerade in den aktuellen Krisenzeiten dürften neben Corona andere wichtige Themen nicht untergehen, erklärt Passmann. «Vielleicht ist es die grusligste, aber auch nötigste Ausstellung der Welt. Und das, was Sie gleich sehen, gehört eben zum Leben dazu», sagt Passmann. «Zumindest von manchen Leuten», setzt sie nach. Passmann macht klar: «Alles, was sie hier sehen, ist echt.»

Dann tritt die Moderatorin Palina Rojinski (35) ins Bild und steuert das erste Bild zur Ausstellung bei. Sie enthüllt ein Instagrambild, das sie zugeschickt bekommen hat. «Ein Dickpic», sagt Palina. Und dieses hätte sie ungefragt geschickt bekommen.

«Das grenzt an virtuellen Missbrauch»

Danach laufen die beiden an einer Wand mit vielen weiteren solcher Bilder, alle mit Zensurbalken überklebt, entlang. Es komme nicht darauf an, ob eine Person in der Öffentlichkeit stehe oder nicht. «Ich kann ein Bild von meinen Turnschuhen posten und diese Bilder kommen reingeprasselt. Das grenzt an virtuellen Missbrauch», sagt Palina. Passmann erklärt, dass das Verschicken von Genital-Bildern in Deutschland strafbar ist und verschwindet in den nächsten Teil der Ausstellung.

Jeannine Michaelsen (38) ist als Nächste an der Reihe und liest Kommentare vor, die über sie nach einem Auftritt in der Show «Das Duell um die Welt» auf Social Media gepostet wurden. Etwa: «Wenn ich ihr eine Aufgabe stellen könnte, dann wäre es blasen.»

Dann stellen sich auch Schauspielerin und Moderatorin Visa Vie (32) und Stefanie Giesinger (23), Model und Influencerin, vor die Kamera und tun es Michaelsen gleich. «Ein weiteres Mädchen, das nur gefickt werden will», ist einer der Kommentare, die Giesinger vorliest.

Das Video geht viral

In 15 Minuten macht die Sendung ganz konkret deutlich, wie sexuelle Belästigung den Alltag vieler Frauen mitbestimmt. Dabei werden auch die schwersten Auswirkungen nicht ausgelassen: Am Ende der Sendung geht es um Vergewaltigungen.

«Bis heute werden nur zehn Prozent aller Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht», heisst es im Abspann. Unter dem Video werden Hilfestellen und Frauenrechtsorganisationen aufgelistet.

Das Video von Joko und Klaas trendet am Tag nach der Ausstrahlung auf Youtube und hat bereits nach wenigen Stunden über eine Million Klicks, auf Instagram sind es am Donnerstagmittag über sechs Millionen.

Das sind die Reaktionen

Für ihre Aktion ernten Joko und Klaas und die Protagonistinnen der Sendung viel Anerkennung. «Ich hätte alles von diesem 15-Minuten-Beitrag erwartet, aber nicht diese Ernsthaftigkeit von Joko und Klaas. Bemerkenswert, was sie da zur Aufklärung beigetragen haben», kommentiert jemand.

Aus den Kommentaren lässt sich schliessen, dass viele Frauen ähnliche Situationen erlebt haben, wie sie die Prominenten vor der Kamera schildern. «Hätte man mich gefragt, ob ich schon mal sexuelle Belästigung erfahren habe, hätte ich nein gesagt. Aber ich konnte mich in erschreckend vielen Situationen selbst wiedererkennen», so ein anderer Kommentar.

Das Video ist für die Zuschauerinnen und Zuschauer auch harte Kost: «Allein dieses Video zu schauen, ist schon schwer zu ertragen. Ich denke, dass weitaus mehr als 50 Prozent der Frauen sexuelle Belästigung erleben», lautet ein weiterer Kommentar. «Mir war tatsächlich nie bewusst, wie viele Frauen mit so was schon mal Erfahrung machen mussten», schreibt ein männlicher User.

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