1.26-Marke geknackt: Jordan heizt Euro-Franken-Kurs an
Aktualisiert

1.26-Marke geknacktJordan heizt Euro-Franken-Kurs an

Die SNB schliesst eine Änderung des Mindestkurses nicht aus. Eine Anpassung gehöre genauso wie negative Zinsen zu den Möglichkeiten, so SNB-Chef Jordan. Danach durchbrach der Euro die Marke von 1,26 Franken.

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sda/sas
Erstamals seit über zwei Jahren ist der Euro-Franken-Kurs über die Marke von 1.26 geklettert.

Erstamals seit über zwei Jahren ist der Euro-Franken-Kurs über die Marke von 1.26 geklettert.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) schliesst eine Änderung des Franken-Mindestkurses nicht aus. «Eine Anpassung gehört genauso wie negative Zinsen zu den grundsätzlichen Möglichkeiten, wenn das notwendig ist», sagte SNB-Chef Thomas Jordan am Dienstagabend beim Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Derzeit seien dies aber keine Optionen. Die Nationalbank hatte im September 2011 im Kampf gegen die Aufwertung der heimischen Währung ein Mindestniveau des Euro zum Franken von 1,20 Franken festgelegt und verteidigt diese Schwelle bislang mit Erfolg - teils mit massiven Interventionen am Devisenmarkt.

Die Aussagen des Schweizer Notenbankers haben auf den Devisenmärkten für viel Aufregung gesorgt. Um die Mittagszeit sprang der Euro-Franken-Kurs vom Eröffnungskurs 1,2522 auf 1,2613 Franken. Damit durchbrach das Währungspaar erstmals seit rund zwei Jahren die Schwelle von 1,26 Franken. Das Jahrestief 2013 liegt bei 1.2070 Franken pro Euro. Nach Ansicht der Devisen-Experten der Credit Suisse ist der Franken gegenüber dem Euro weiterhin überbewertet und die Experten erwarten einen Anstieg in Richtung 1.28 Franken.

Gefahr der Deflationsspirale

Jordan bezeichnete den auf die Bedürfnisse der Schweizer Exportwirtschaft ausgerichteten Mindestkurs als «wesentliches Element» der Geldpolitik. Ohne ihn hätte die Gefahr bestanden, dass die Schweiz in eine Deflationsspirale - also einen Abwärtsstrudel aus fallenden Preisen und immer weiter sinkendem Wirtschaftswachstum - geraten wäre, sagte er.

Derzeit sei nicht geplant, den Mindestkurs aufzugeben, da wegen der in vielen Währungsräumen weiter ungelösten Wirtschaftsprobleme immer noch viele Investoren den Franken als sichere Anlage betrachteten und den Kurs am Devisenmarkt hoch hielten. «Der Mindestkurs hat Gültigkeit, so lange die Nationalbank das für notwendig hält.»

Negative Leitzinsen, wie sie aktuell von der Europäischen Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die Schuldenkrise und eine Kreditklemme in südeuropäischen Ländern erwogen werden, lehnt Jordan nicht grundsätzlich ab - im Gegenteil: «Wir haben nie ausgeschlossen, dass wir negative Zinsen einführen könnten. Das gehört zum Arsenal, das wir bis jetzt nicht verwendet haben.»

Möglichkeit negative Zinsen

Die Schweiz hatte in den 1970er Jahren bereits einmal mit negativen Zinsen auf Konten von Ausländern versucht einfliessende Geldströme zu minimieren. Negative Zinsen wirken wie eine Art Strafzinsen für Banken und Anleger und gelten wegen diverser schädlicher Nebenwirkungen nur als eines der allerletzten geldpolitischen Mittel, um die umlaufende Geldmenge in einer Krise zu erhöhen.

Bei ihrem am Londoner Libor ausgerichteten Leitzins bereitet sich die SNB nach den Worten Jordans darauf vor, dass der im Zentrum eines weltweiten Manipulationsskandals stehende Zinssatz als Referenz wegfällt. «Selbstverständlich bereitet sich die Nationalbank auf alle Eventualitäten vor (...) - auch wenn es Veränderungen beim Libor oder anderen Referenzzinssätzen geben sollte.»

Medienberichten zufolge soll der Libor bald durch eine neue Berechnungsmethode ersetzt werden, um Manipulationen besser zu verhindern. Für die SNB habe der Libor ohnehin nicht mehr die Bedeutung wie früher, sagte Jordan. «In der gegenwärtigen Umsetzung der Geldpolitik hat das Libor-Zielband nicht mehr die gleiche Bedeutung wie die Durchsetzung des Mindestkurses.»

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