Aktualisiert 27.08.2012 12:02

Wichtigeres zu tun?Jordan verzichtet auf Notenbanker-Treffen

Nationalbank-Chef Jordan verzichtet auf die Reise ans wichtige Notenbankertreffen in den USA. Dort trifft sich jeweils die Crème de la Crème der globalen Finanzbranche. Ist Jordan zu stark mit dem Euro-Mindestkurs beschäftigt?

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sas/sda
Während Ex-Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand die internationalen Treffen gemocht haben soll, bleibt sein Nachfolger Thomas Jordan (Bild) dem Symposium fern.

Während Ex-Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand die internationalen Treffen gemocht haben soll, bleibt sein Nachfolger Thomas Jordan (Bild) dem Symposium fern.

Ende August treffen sich jeweils die mächtigsten Top-Ökonomen und Notenbanker im amerikanischen Jackson Hole. Fernab der Machtzentren diskutieren sie in den Rocky Mountains die globalen Finanz- und Wirtschaftsprobleme. Mit dabei war in den vergangenen Jahren jeweils auch der geschasste Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand, um die Elite der Finanzbranche zu treffen.

Dieses Jahr wird die Nationalbank (SNB) am wichtigen Symposium fehlen. Weder Präsident Thomas Jordan noch sonst ein Vertreter nimmt am Treffen teil, bestätigte ein SNB-Sprecher die Informationen des Finanzportals «cash» vom Montag.

Terminkollision als Grund

Grund für die Abwesenheit ist eine Terminkollision. Am Freitag, 31. August, trifft sich der Bankrat der Notenbank zu einer Sitzung, woran Thomas Jordan teilnimmt. Wie der Sprecher bestätigt, wurde die Bankratssitzung wegen Jordans geplanter Reise in die Rocky Mountains bereits anders angesetzt.

Doch dann wurde das Treffen in Jackson Hole verschoben - genau auf den neu angesetzten Bankrats-Termin. Daraufhin wollte die Notenbank die Bankratssitzung nicht noch einmal verschieben.

Der Bankrat tritt gut eine Woche vor dem Datum zusammen, an dem sich die Einführung der Kursuntergrenze des Frankens zum Euro jährt. Mit dem Fehlen Jordans ist seit etlichen Jahren zum ersten Mal niemand von der SNB am Notenbankertreffen in Jackson Hole.

Verstärkte Intervention

Die SNB-Spitze ist derzeit wieder stärker mit der Verteidigung des Mindestkurses beschäftigt, wie die Zunahme der Giroguthaben der inländischen Bankern bei der SNB zeigen. Sie sind letzte Woche wieder um 5,8 Mrd. Franken gestiegen.

In der vorangegangenen Woche hatten die Giroguthaben bereits um 3,1 Mrd. Franken zugenommen. Mit einer Ausnahme vorletzter Woche, als die Giroguthaben nur um 238 Mio. Franken nach oben kletterten, schwollen die Giroguthaben seit Mitte Mai wöchentlich um 4 Mrd. bis 18 Mrd. Franken an.

In der abgelaufenen Woche erreichten die Giroguthaben rekordhohe 286,375 Mrd. Franken. Diese steigen, wenn die SNB Devisen kauft, um damit den Franken schwächer zu machen, und sie den Franken-Gegenwert der jeweiligen Bank gutschreibt.

Weniger Risiken auf dem Immo-Markt

Die Nationalbank sieht auf dem schweizerischen Hypothekar- und Immobilienmarkt weiterhin Anzeichen von Überbewertungen in einigen Regionen. Im zweiten Quartal 2012 habe es Hinweise auf eine mögliche Verlangsamung dieser Dynamik gegeben, heisst es in einer Mitteilung der SNB. Zudem seien Anfang Juni eine Verschärfung der Eigenmittelanforderungen für Hypothekarkredite sowie eine Revision der Selbstregulierung im Hypothekarbereich angekündigt worden. Beide Massnahmen bezweckten eine dämpfende Wirkung auf die Immobilienpreise. Aufgrund dieser Elemente habe die SNB entschieden, dem Bundesrat zur Zeit keinen Antrag auf Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers zu stellen. Laut SNB ist vor Anfang 2013 mit keiner Aktivierung zu rechnen. Die SNB will ihren Entscheid allerdings nicht als Entwarnung verstanden wissen.

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