Aktualisiert 01.10.2010 08:32

Al Jazeera

Jordanien sabotierte die Fussball-WM

Der Nahe Osten musste sich die Fussball-WM in miserabler Bildqualität anschauen. Jetzt ist der Schuldige offenbar gefunden: Jordanien soll die Satellitenübertragung gestört haben.

von
kri

Die arabischen Fans hatten wenig Grund zur Freude an der Fussball-WM in Südafrika. Nicht genug, dass mit Algerien das einzige arabische Team torlos schon nach der Vorrunde die Heimreise antreten musste. Auch in technischer Hinsicht war das Zuschauerlebnis getrübt. Mysteriöse Störungen des Fernsehsenders Al Jazeera sorgten schon beim Eröffnungsspiel für schwarze Bildschirme, verpixelte Bilder und Kommentare in der falschen Sprache.

Dasselbe passierte danach bei sieben weiteren Topspielen. Al Jazeera bezeichnete damals die Störungen der Satelliten Nilesat und Arabsat als Sabotageakt. Spekulationen wiesen auf Ägypten und Saudi-Arabien, die beide ein schwieriges Verhältnis zum katarischen Fernsehsender haben. Drei Monate später glaubt der britische «Guardian» den Schuldigen gefunden zu haben: Jordanien.

Kein kostenloses Public Viewing

Laut Geheimdokumenten, die dem «Guardian» vorliegen, konnten fünf Störmanöver zu einem Standort nordöstlich der jordanischen Hauptstadt Amman zurückverfolgt werden. Experten gehen davon aus, dass eine derart anspruchsvolle Aktion nicht ohne Mitwirkung der jordanischen Behörden möglich gewesen wäre.

Offenbar schickte König Abdullah, der als grosser Fussballfan gilt, im Vorfeld der WM einen Berater zu Al Jazeera, um einen Deal auszuhandeln. Der Fernsehsender hätte Public Viewings in Jordanien organisieren sollen, damit die Leute die Spiele kostenlos verfolgen können. Aus Angst, andere arabische Länder könnten auf den gleichen Geschmack kommen, lehnte Al Jazeera ab.

Exklusive Rechte

Jordanien macht wie die meisten arabischen Regierungen kein Geheimnis aus seiner Abneigung gegen Al Jazeera. Der Fernsehsender gilt als Ausnahmeerscheinung in einer mehrheitlich staatlich gelenkten Medienlandschaft. Mit seinem Fokus auf den Nahostkonflikt und islamistische Gruppierungen sowie der Kritik an den USA und Israel bringt er Länder wie Jordanien (die mit Israel Frieden geschlossen haben) oft in Verlegenheit.

Al Jazeera hatte sich die exklusiven Pay-TV-Rechte für den Nahen Osten, Nordafrika und Iran gesichert. Dem Fernsehsender drohen Klagen wegen der Übertragungsstörungen. In einem Kino in Dubai hatten wütende Fans wegen der schlechten Bildqualität randaliert. Englischsprachige Zuschauer mussten sich Spiele mit Kommentaren in französischer und arabischer Sprache ansehen.

Jordanien bestreitet Mitwirkung

Al Jazeera Sport hat die Anschuldigungen im «Guardian» inzwischen bestätigt. «Es ist bedenklich, dass die Quelle des Störmanövers in der arabischen Welt liegt», wird ein Sprecher zitiert. «Wir verlangen von der jordanischen Regierung eine ausführliche Erklärung für diesen gut dokumentierten Vorfall.»

Die jordanische Regierung hingegen bezeichnete die Vorwürfe in einer Stellungnahme als «absolut haltlos und inakzeptabel». Gleichzeitig sicherte sie ihre Unterstützung für eine unabhängige Untersuchung zu. Sie zeigte sich überzeugt, dass sich die Anschuldigungen letztlich als falsch herausstellen werden.

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