17.10.2019 09:46

Festgenommener von Ruinerwold«Josef B. kam sich besser vor als Jesus»

Am Donnerstag wird Josef B. in den Niederlanden einem Haftrichter vorgeführt. Er hat schon vor Jahren alle Kontakte zu seiner Familie abgebrochen.

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rcp/vro
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Am 28. November 2019 gab die Staatsanwaltschaft in den Niederlanden neue Vorwürfe gegen  Gerrit-Jan D. bekannt. Demnach soll der Sekten-Vater zwei seiner Kinder sexuell missbraucht haben.

Am 28. November 2019 gab die Staatsanwaltschaft in den Niederlanden neue Vorwürfe gegen Gerrit-Jan D. bekannt. Demnach soll der Sekten-Vater zwei seiner Kinder sexuell missbraucht haben.

Wilbert Bijzitter
So präsentiert sich Gerrit-Jan van D. auf Facebook. (21. Oktober 2019)

So präsentiert sich Gerrit-Jan van D. auf Facebook. (21. Oktober 2019)

Screenshot Facebook
Jan D. lebte mit seinen sechs Kindern isoliert auf einem Hof in den Niederlanden. Regelmässig vor Ort war auch der Oberösterreicher Josef B. Eine kleine Brücke führt vom Buitenhuizerweg in Ruinerwold über einen kleinen Kanal zum Anwesen.

Jan D. lebte mit seinen sechs Kindern isoliert auf einem Hof in den Niederlanden. Regelmässig vor Ort war auch der Oberösterreicher Josef B. Eine kleine Brücke führt vom Buitenhuizerweg in Ruinerwold über einen kleinen Kanal zum Anwesen.

Heute.at

Die Enthüllung sorgte am Dienstag weltweit für Aufsehen: Auf einem Bauernhof in der kleinen Gemeinde Ruinerwold (Niederlande) war eine Familie – ein bettlägriger Vater und seine sechs Kinder im Alter von 18 bis 25 Jahren – entdeckt worden. Sie hausten völlig isoliert in dunklen Räumen, warteten angeblich auf das Ende der Welt.

Der offiziell einzige Bewohner des Hofs, den Nachbarn nur als «Josef, den Österreicher» kannten, wurde festgenommen. Seither fragen sich alle, was genau sich da im Verborgenen hinter Gartenzaun und Hecken des abgeschiedenen Bauernhofs abgespielt hat. Und: Wer ist Josef B.?

Bruder jagte ihn davon

Wie die «Kronen Zeitung» berichtet, ist der Mann eines von fünf Kindern einer Bauernfamilie aus Waldhausen im Bezirk Perg (Oberösterreich). Nach seiner Tischlerlehre rückte er zum Dienst beim Bundesheer ein, wo er angeblich zum ersten Mal mit einer Sekte in Berührung kam.

Sein Bruder Franz erinnert sich: «Er war bei einer Sekte, ist sich selber besser vorgekommen als der Jesus.» Die Familie habe keinen Kontakt mehr zu dem Auswanderer. «Mein Bruder war immer nur auf seinen Vorteil aus. Ich hab ihn verjagt, als er wollte, dass ich für ihn bürge», wird Franz B. weiter zitiert. «Wie ich ihn das letzte Mal vor zehn Jahren gesehen hab, hab ich zu ihm gesagt: ‹Du musst nicht mehr herkommen, schau, wo der Pfeffer wächst. Mit solchen Leuten wie dir will ich nichts zu tun haben.›»

Seither hatte Josef B. alle Brücken zu seiner österreichischen Verwandtschaft abgebrochen, will auch mit den österreichischen Behörden nichts zu tun haben. Auch als vor vier Jahren sein Vater und vor eineinhalb Jahren die Mutter verstarb, sei der heute 58-Jährige nicht zu den Begräbnissen erschienen, so Franz B.

Joseph B. hatte« grosse Überzeugungskraft»

Auch zu seinen leiblichen Kindern – er soll zwei erwachsene Zwillingstöchter mit einer Japanerin haben – soll der Oberösterreicher auf Abstand gegangen sein. Diese soll Josef B. zudem monatelang bei Freunden in den Niederlanden alleine gelassen haben, als sie noch klein waren. Zuletzt hätten die Zwillinge 2017 versucht, wieder Kontakt zu ihrem Vater aufzubauen.

Rund zehn Jahre habe der 58-Jährige im oberösterreichischen Pabneukirchen im Haus einer Erbtante gelebt, ehe er dieses 2009 verkaufte, heisst es in dem Bericht der «Kronen Zeitung» weiter. Auch in Wien war er in der Zeit gemeldet. Parallel dazu dürfte Josef B. aber bereits in den Niederlanden gelebt haben, wie «Heute.at» in Erfahrung brachte. Nachbarn beschreiben den Mann als «freundlich» – allerdings nur «solange es nach seinem Kopf ging». Er habe «grosse Überzeugungskraft» besessen, heisst es.

Viele offene Fragen

Gemäss der niederländischen Polizei wurde die Familie auf dem Hof nicht gefangen gehalten, sagt eine Sprecherin gegenüber «Focus Online». Mittlerweile sei nicht einmal mehr sicher, ob der bettlägerige Mann tatsächlich der Vater der sechs Kinder ist und ob er auch wirklich krank war. Die Menschen hätten ausgesagt, sie seien eine Familie. Beweise dafür gebe es jedoch noch keine. Eine weitere Frage auf der langen Liste, die die Polizei klären muss: Welche Rolle spielt Jan D.? Der 25-Jährige hatte am Sonntag in einer Beiz Hilfe gesucht und erklärt, dass er jahrelang nicht draussen gewesen sei. Doch seit einiger Zeit ist D. auf Social Media aktiv.

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