Josef F. drohte seinen Kindern mit Gas
Aktualisiert

Josef F. drohte seinen Kindern mit Gas

Der österreichische Inzest-Täter Josef F. hat seinen eingekerkerten Opfern nach Angaben der Polizei damit gedroht, Gas in ihr Verlies strömen zu lassen, falls sie ihn überwältigen wollten. F. habe seinen Opfern wiederholt angedroht, sie würden es nicht überleben, wenn ihm im Keller etwas zustossen sollte.

Das sagte ein Sprecher des österreichischen Bundeskriminalamtes, Helmut Greiner.

Die Ermittler untersuchten jetzt, ob F. einen entsprechenden Mechanismus in dem Keller angebracht habe, sagte Greiner. F. habe während seiner ersten Vernehmung entsprechende Angaben gemacht. Die Polizeiexperten wollen ausserdem die Aussage des 71-Jährigen überprüfen, es gebe einen Automatismus zum Öffnen der Stahltüre für den Fall, dass er eine ungewöhnlich lange Zeit nicht in dem Keller auftauche.

Plante Josef F. die Freilassung?

Das erklärte die Polizei am Donnerstag. Josef F. habe seine Tochter Ende vergangenen Jahres gezwungen, einen Brief an ihre Familie zu schreiben, die glaubte, sie lebe bei einer Sekte, sagte der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Franz Polzer.

In dem Brief schreibt sie, sie wolle zu ihrer Familie zurückkehren, was aber jetzt noch nicht möglich sei. Josef F. habe vielleicht geplant, die Gefangenschaft irgendwann zu beenden, sagte Polzer der Nachrichtenagentur AP.

Suche nach möglichen weiteren Opfern des Inzest-Täters

Bei den Ermittlungen zum Inzest-Fall in Amstetten rücken das Vorleben des Verdächtigen Josef F. und die Frage nach eventuellen Mittätern ins Blickfeld. Die österreichische Polizei prüft einen ungeklärten Sexualmord aus dem Jahr 1986. Die Familie des Festgenommenen versucht unterdessen unter ärztlicher Aufsicht, in ihr neues Leben zu finden. Der körperliche Zustand bei allen sieben Patienten sei «relativ gut», sagte am Donnerstag der Direktor der Sonderkrankenanstalt Amstetten-Mauer, Berthold Kepplinger.

Laut Polizei wurde vor 22 Jahren die Leiche einer jungen Frau am oberösterreichischen Mondsee gefunden, wo die Frau von Josef F. einen Teil eines Campingplatzes sowie eine Gaststätte betrieb. Es gebe aber noch keine Hinweise auf einen Zusammenhang, sagte der Polizeichef von Oberösterreich, Alois Lissl, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP. Am Mondsee ist F. vor Jahren wegen des Verdachts der Brandstiftung kurzfristig in Haft gewesen, wie Gerhard Neuhuber von der Polizeiinspektion Unterach der AP sagte.

Unterdessen bestätigten die Behörden Medienberichte nicht, wonach F. wegen einer Sexualtat in den 60er Jahren vorbestraft sei. Das Vorleben des heute 73-Jährigen werde untersucht. Dies könne aber dauern, sagte der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Franz Polzer. Eine Frau aus Linz warf F. in den «Oberösterreichischen Nachrichten» vor, er habe sie 1967 vergewaltigt. Es habe auch ein Gerichtsverfahren gegeben.

Weitere Spekulationen gab es auch über mögliche Mittäter von Josef F., der seine Tochter Elisabeth 24 Jahre in einem Kellerverlies einsperrt hatte, mehrfach vergewaltigte und sechs Kinder mit ihr zeugte. Die Behörden wiesen dies aber erneut zurück. Selbst die 300 Kilogramm schwere Stahltür, mit dem das Verlies verschlossen war, könne er selbst eingebaut haben, sagte Polzer. Zudem zeigen laut Polizei DNA-Tests, dass ausser F. und den Eingesperrten niemand das Verlies betreten hat.

Der Keller sei so weit verzweigt, dass ein Auffinden der versteckten Eingangstüre ohne Vorwissen nur schwer möglich gewesen wäre, sagte Polzer. Man habe fünf Räume passieren müssen, bis man auf die zudem hinter einem Regal versteckte Stahltür stiess.

«Möglichst angenehmen Start ins neue Leben»

Das Wohl und der Schutz der Familie F. und deren Privatsphäre haben den Behörden zufolge oberste Priorität. «Wir haben den Eindruck, dass sich die Familie den Umständen entsprechend wohl fühlt», sagte Kepplinger. Für die Betroffenen ist in der Sonderkrankenanstalt ein eigener Wohnbereich von 70 bis 80 Quadratmetern geschaffen worden. Die Familienmitglieder würden «sehr viel miteinander reden».

Jene Opfer, die bis zu 24 Jahre in Gefangenschaft verbringen mussten, werden laut Kepplinger langsam (wieder) an das Tageslicht gewöhnt. Ausserdem gehe es darum, «Raumorientierungsstörungen Schritt für Schritt auszugleichen. Wir sind überzeugt, dass dies in den nächsten Wochen gelingen wird.»

Kampusch rät Opfern zur Medien-Zurückhaltung

Die selbst über Jahre missbrauchte Österreicherin Natasche Kampusch hat den Opfern des Inzest-Falls zur Zurückhaltung im Umgang mit den Medien geraten. «Ich hoffe, die Medien haben im Zuge meines Falles etwas dazugelernt», sagte Kampusch am Mittwochabend in der NDR-Sendung «Menschen und Schlagzeilen». Kampusch selbst hatte bald nach ihrer Befreiung ein Fernseh-Interview gegeben. Elisabeth F. solle sich dies genau überlegen, könne sich aber nicht gegen den Ansturm der Medien wehren, erklärte Kampusch. Die Flucht aus dem Kerker sei Elisabeth F. wahrscheinlich auch deshalb nie geglückt, weil sie grosse Angst gehabt habe. (dapd)

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