Josef Fritzl: Wegen Sexualdelikten vorbestraft
Aktualisiert

Josef Fritzl: Wegen Sexualdelikten vorbestraft

Er missbrauchte während 24 Jahren seine Tochter. Doch bei Josef Fritzls ehemaligem Arbeitgeber war man darüber wenig überrascht – man wusste von einer Vorstrafe wegen versuchter Vergewaltigung.

Josef Fritzl war HTL-Ingenieur und Elektrotechniker. 1969 wurde er bei der Firma Voest, einem der führenden Stahlproduzenten Europas, angestellt. Der damalige Personalchef, Karl Zehenter, inzwischen verstorben, wusste, dass Fritzl wegen einem Sexualdelikt vorbestraft war – er soll in den 60er Jahren versucht haben, eine Frau in Linz zu vergewaltigten.

Laut einem Bericht der Wiener «Presse» und der britischen «Times» soll Zehenter den Mann als «grenzgenial» beschrieben haben. Die Zeit sollte ihm Recht geben: Fritzl konstruierte für die Firma der Zehenters komplexe Maschinen und entwickelte sich zu einem wichtigen Leistungsträger des Unternehmens. Zwei Jahre später reichte er seine Kündigung ein, mit der Begründung, im Bereich Gastgewerbe selbständig werden zu wollen.

Später soll Fritzl auch ein «Einzelhandel für Unterwäsche» gegründet haben. Als Geschäftsadresse gab er das Haus an der Ybbsstrasse an - jenes Haus, in dem er einen Teil seiner Familie gefangen hielt. Auch mit Immobilien soll Fritzl rege gehandelt haben. Nach dem Haus in Amstetten erwarb er auch Grundstücke in St. Pölten, Waidhofen an der Ybbs und Kematen.

Die «Times» will auch mehrere Nachbarn gefunden haben, die von seinen Straftaten wussten. Eine 50-jährige Anwohnerin sagte: «Ich war etwa zehn Jahre alt, als das passierte. Aber ich erinnere mich, wie wir Kinder Angst hatten, in der Nähe von Fritzls Garten zu spielen. Wir hatten gehört, dass er eine Frau vergewaltigt und dafür einige Zeit im Knast verbracht hatte.» Trotzdem, konnte Fritzl 1984 die Behörden davon überzeugen, dass seine 18-jährige Tochter Elisabeth verschwunden und einer Sekte beigetreten sei.

Bis zu 15 Jahre Haft

Josef Fritzl drohen nun bis zu 15 Jahre Freiheitsstrafe. Wahrscheinlich liegt in seinem Fall der Tatbestand der mehrfachen Vergewaltigung vor, die Schwangerschaften, besondere Erniedrigungen bzw. qualvolle Zustände zur Folge hatten. Diese Tat wird mit fünf bis 15 Jahren Freiheitsstrafe geahndet.

Zum Delikt der Vergewaltigung dürfte gemäss dem Onlinedienst «nachrichten.at» noch Freiheitsentzug hinzukommen, wegen des mutmasslichen jahrelangen Einsperrens der Familienmitglieder. Freiheitsentzug, der den festgehaltenen Personen «besondere Qualen bereitet», wird mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft. Angeblich soll der Verdächtige seine Tochter Elisabeth bereits mit elf Jahren erstmals missbraucht haben. Diese Taten aus dem Jahr 1977 sind nicht verjährt. «Wenn der Täter während der Verjährungsfrist Handlungen begeht, die auf der gleichen schändlichen Neigung beruhen, ist die Verjährungsfrist gehemmt», sagt der Linzer Strafrechtsprofessor Alois Birklbauer. So oder so, insgesamt wird Josef Fritzl weniger Zeit eingesperrt verbringen als seine Tochter Elisabeth.

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