Verflixte NHL: Josis Final via Skype und das Pingpong-Verbot

Aktualisiert

Verflixte NHLJosis Final via Skype und das Pingpong-Verbot

Das Leben als NHL-Star hat so seine Tücken: Roman Josi wurde erst vom Tischtennis-Tisch verjagt, den Schweizer Playoff-Final konnte er sich dann auch nur über Umwege anschauen.

von
Jürg Federer

Die Detroit Red Wings waren das beste Heimteam der gesamten NHL, doch als es in den NHL-Playoffs zählte, haben die Red Wings kein Heimspiel gewonnen. Roman Josis Nashville Predators zogen gegen Detroit in nur fünf Spielen in die Conference-Halbfinals ein. «Eigentlich waren wir im zweiten Spiel in Detroit nicht gut», blickt Josi zurück, «Detroit hat uns schwindlig gespielt, aber unser Goalie Pekka Rinne hat einfach alles gehalten.» Dabei haben die Red Wings nichts unversucht gelassen, Nashville den Heimvorteil spüren zu lassen. «Als wir uns zur Partie aufgewärmt hatten, stand ein Pingpong-Tisch im Kabinengang», erklärt Josi. «Brandon Yip und ich spielen regelmässig gegeneinander Pingpong, also haben wir uns so aufgewärmt.»

Kurz darauf kam ein Sicherheitsbeamter der Detroit Red Wings, er schickte Josi und Yip vom Tisch weg. «Er hat uns gesagt, wir dürfen den Pingpong-Tisch nicht benutzen. Nach dem Spiel haben wir dann erfahren, dass Todd Bertuzzi den Sicherheitsbeamten beauftragt hatte, uns das Pingpong-Spiel zu verbieten.» Bertuzzi ist Detroits Tough Guy, 191 cm gross und mit 64 Strafminuten einer der meistbestraften Red Wings. «Eigentlich war es eine kleine Geschichte, aber weil es Bertuzzi war, der veranlasst hat, dass wir nicht Pingpong spielen dürfen, wurde das Ganze zu einer grossen Sache», sagt Josi.

«Vor dem Tor ist die Hölle los»

Geholfen hat Bertuzzis Verbot nichts, Josis Nashville liess nur einen einzigen Auswärtssieg von Detroit zu. Josi verteidigte fünf Spiele lang gegen Detroits Starstürmer Henrik Zetterberg, ein Detroit-Draft aus der siebten Runde, der in acht von neun Saisons in der NHL immer mehr als 20 Tore erzielt hat. In Josis Angesicht gelangen Zetterberg in fünf Spielen noch zwei Tore. Das Online-Magazin der amerikanischen Sportbibel «Sports Illustrated» hat den Schweizer für seine Verteidigungsarbeit gegen Zetterberg zu einem der drei Stars der Playoffrunde erklärt, in der die Predators den Einzug ins Conference-Halbfinale sicherstellten. «Zetterberg hat mich beeindruckt, er ist unglaublich stark», sagt Josi. Die Playoffs seien in der NHL intensiver als in der NLA, erklärt er, weil das Spiel direkter laufe, «vor dem Tor ist da die Hölle los».

Roman Josi im Interview

Schweizer Playoff-Party in Nashville

Den SC Bern hat Josi in den Playoffs verfolgt, «vor Spiel 5 im Schweizer Playoffinal habe ich meine Mutter per Skype angerufen und dann hat sie den Laptop vor den Fernseher gestellt, so dass ich das SCB-Spiel schauen konnte».

Sven Ryser, der diese Saison mit dem HC Red Ice Martigny in die NLB aufgestiegen ist, war für diese Schweizer Playoffparty in Nashville bei Josi zu Besuch. «Er hat die Meisterschaft mit seinem Team souverän gewonnen, in Nashville liegt noch ein weiter Weg vor uns», sagt Josi. Die Finalissima in der Schweiz konnte er nicht verfolgen, «da hatten wir selber ein Spiel. Aber ich habe nach dem Saisonende mit Etienne Froideveaux telefoniert, die Enttäuschung war gross.»

Am Montagabend hat Josi dann die spielfreie Zeit dazu genutzt, um mit einigen Teamkollegen die Partie Phoenix gegen Chicago zu schauen, «ganz entspannt wie ein Fan», sagt er, «Videostudium gibts danach noch genügend». Nach dem Phoenix-Sieg weiss Josi, dass er dem Team aus Arizona im Conference-Halbfinale gegenüberstehen wird. «Ehrlich gesagt war es mir egal, gegen wen wir spielen werden, in diesen Playoffs ist alles möglich. Die Liga ist ausgeglichen und Mannschaften wie Los Angeles, die in der Qualifikation vielleicht noch einige Probleme hatten, spielen auf einmal gross auf. Wir haben gegen Phoenix gute Chancen, wir kennen den Gegner gut», sagt der 21-Jährige.

Für Nashville beginnt die Serie im Auswärtsstadion. Doch wie die Detroit Red Wings schon erfahren mussten, zählt in den Playoffs auch der Titel des besten Heimteams der Qualifikation nicht mehr viel – egal, ob Josi nun Ping Pong spielen darf oder nicht. «Zuletzt hat Yip sowieso zu viele Ping Pong-Matches gegen mich gewonnen», fügt Josi noch an.

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