Russland: Journalist interviewt Schwulen – Busse
Aktualisiert

RusslandJournalist interviewt Schwulen – Busse

Der russische Journalist Alexander Suturin muss rund 1500 Franken zahlen, weil er einen homosexuellen Lehrer interviewt hatte. Denn damit verstiess er gegen ein russisches Gesetz.

von
kle

Alexander Suturin ist der erste Journalist, der in Russland wegen angeblicher «Schwulenpropoganda» verurteilt wurde. Suturin hatte für die kleine Lokalzeitung «Molodoi Dalnevostochnik» ein Interview mit einem bekennenden schwulen Geographie-Lehrer geführt. Der Journalist veröffentlichte das Gespräch und zitierte seinen Interviewpartner mit folgendem Satz: «Homosexualität ist normal».

Genau dieser Satz wurde Suturin nun zum Verhängnis, wie die russische Nachrichtenagentur «RIA Novosti» berichtet. Nach einem Gesetz, das Wladimir Putin am 30. Juni 2013 unterzeichnete hatte, dürfen in Anwesenheit von Minderjährigen keine positiven Äusserungen über Homosexualität gemacht werden. Das bedeutet, dass Debatten über Schwulen- und Lesbenproblematiken in Medien oder im Internet genauso verboten sind wie an öffentlichen Events und Paraden.

Chefredaktor der Zeitung droht ebenfalls Strafe

Bei einem Verstoss drohen den Beschuldigten saftige Geldstrafen. Ausländer müssen zudem mit Gefängnisstrafen von bis zu 15 Tagen und mit der Ausweisung aus dem Land rechnen. Journalist Alexander Suturin wurde zur Zahlung von rund 1500 Franken verurteilt. Ein hoher Betrag: Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD, beträgt in Russland ein Durchschnitts-Jahressalär ungefähr 15'000 Franken.

Suturin kündigte an, Berufung einzulegen. Die Zeitung, für die er arbeitet, warne Jugendliche unter 17 Jahren vor dem Lesen des Blatts. Das russische Gesetz sieht jedoch vor, dass die «Schwulenpropaganda» nicht Menschen unter 18 Jahren zugänglich gemacht werden darf. Ob mit einem entsprechenden Hinweis die Geldtrafe hätte vermieden werden können, ist nicht klar. Selbst dem Chefredaktor von «Molodoi Dalnevostochnik» droht eine Busse von bis zu 25'000 Franken. Er sei schliesslich für die Publikation des Artikels verantwortlich.

Russlands Präsident Wladimir Putin zog in den letzten Wochen viel Kritik auf sich, als er gegenüber freiwilligen Olympia-Helfern in Sotschi sagte, dass Schwule willkommen seien, solange sie die «jungen Leute in Ruhe lassen». Wenige Tage später doppelte der Bürgermeister im olympischen Austragungsort nach, als er einem BBC-Reporter erklärte, dass in seiner 343'000-Einwohner-Stadt kein einziger Homosexueller lebe.

Deine Meinung