Ein Mann sieht rot: Journalist von Berlusconi-Minister getreten
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Ein Mann sieht rotJournalist von Berlusconi-Minister getreten

Der Ruby-Skandal lässt in der italienischen Regierung manche Sicherungen durchbrennen. Unangenehme Fragen werden mit Tritten gegen das Schienbein quittiert.

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rn

Der italienische Verteidigungsminister Ignazio La Russa (PDL) tritt zu und macht falsche Vorwürfe. (Video: repubblica.it)

Dass unangenehme Fragen wehtun können, hat ein italienischer Video-Journalist am eigenen Leib erfahren. Corrado Formigli, der für die regierungskritische Sendung «Annozero» des Senders Rai Due arbeitet, wollte Verteidigungsminister Ignazio La Russa am Rande einer Politveranstaltung in Mailand zum Fall Ruby interviewen. Doch La Russa, Mitglied von Berlusconis Popolo della Libertà (PDL), wollte sich dem Interview nicht stellen.

Er werde erst dann Fragen beantworten, wenn bei «Annozero» auch Leute teilnehmen könnten, die nicht so denken würden wie die Macher der Sendung, so La Russa, der schon mehrfach Gast in der Sendung war. Schliesslich fragte der Journalist trotzdem, was Berlusconi tun müsse, falls sich herausstellen sollte, dass minderjährige Prostituierte an seinen Festen teilgenommen haben. Daraufhin der Verteidigungsminister: «Was weiss ich, wer dort war. Wenn du es nicht weisst? Vielleicht war deine Schwester dort.»

Später versuchte Formigli erneut eine Antwort auf seine Frage zu erhalten. Worauf der Verteidigungsminister ihn mit Tritten traktierte. Anschliessend warf La Russa dem Journalisten vor, ihn getreten zu haben, worauf Formigli von einem Sicherheitsmann «kontrolliert» und weggebracht wurde.

Klage gegen Verteidigungsminister angekündigt

Der Vorfall ereignete sich bereits am vergangenen Samstag. Erst gestern Abend tauchten jedoch erste Videoaufnahmen auf, die La Russas Gewaltanwendung deutlich dokumentieren. Der Journalist hat am Mittwoch angekündigt, La Russa zu verklagen, wie verschiedene italienische Medien berichten. Der Vorfall soll zudem am Donnerstagabend in der Folge von «Annozero» ausführlich beleuchtet werden.

Regionalrätin Nicole Minetti spricht auf CNN über Bunga-Bunga-Partys

Minetti leugnet, Mädchen anzuheuern

Inzwischen hat sich Berlusconis Regionalabgeordnete Nicole Minetti zu Wort gemeldet. In einem Interview mit dem Nachrichtensender «CNN» stritt sie die Vorwürfe der Begünstigung zur Prostitution ab. Diese seien lächerlich, behauptet die 24-Jährige. Dass die junge Marokkanerin Ruby erst 17 Jahre alt war, als sie an den wilden Partys teilnahm, soll keiner gewusst haben. Laut Minetti habe Ruby allen erzählt, sie sei 24 Jahre alt – und alle hätten ihr geglaubt, weil sie «älter wirkt, als sie ist.»

In der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 2010, als das Mädchen unter dem Verdacht eines Diebstahls festgenommen wurde, holte Minetti sie beim Polizeiposten ab. Erst dann habe sich herausgestellt, dass Ruby minderjährig war. In dieser Nacht habe sie mehrmals mit dem Cavaliere telefoniert, um ihn «auf dem Laufenden zu halten», erzählt Minetti weiter. (kle)

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