Verbesserte Früherkennunng: Joy kann Parkinson lange vor der Diagnose riechen
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Verbesserte FrüherkennunngJoy kann Parkinson lange vor der Diagnose riechen

Joy Milne hat ein unglaubliches Talent. Sie kann erschnuppern, ob jemand Parkinson bekommt. Jetzt hilft sie Forschern, diagnostische Tests zu entwickeln.

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Joy Milne aus Schottland hat eine besonders sensible Nase: Sie kann riechen, ob jemand an Parkinson leidet oder nicht.

Joy Milne aus Schottland hat eine besonders sensible Nase: Sie kann riechen, ob jemand an Parkinson leidet oder nicht.

Screenshot Youtube/The Science Channel
Ihr Geruchssinn ist so gut, dass sie sich selbst «irgendwo zwischen Hund und Mensch» einordnet. (Im Bild: Waldi der «Möter» – halb Mensch, halb Köter – aus der Weltraumsatire «Spaceballs», 1987.)

Ihr Geruchssinn ist so gut, dass sie sich selbst «irgendwo zwischen Hund und Mensch» einordnet. (Im Bild: Waldi der «Möter» – halb Mensch, halb Köter – aus der Weltraumsatire «Spaceballs», 1987.)

Screenshot Youtube/mediaplay2007
Herausgefunden hat Joy ihre Fähigkeit durch Zufall: Sie bemerkte, dass ihr Mann Les zunehmend anders roch – nach Moschus. Doch erst zehn Jahre später erfuhr sie bei einem Treffen mit anderen Parkinson-Erkrankten: Ihr Mann riecht genauso wie diese. Von ihren Fähigkeiten bekamen bald auch Forscher ...

Herausgefunden hat Joy ihre Fähigkeit durch Zufall: Sie bemerkte, dass ihr Mann Les zunehmend anders roch – nach Moschus. Doch erst zehn Jahre später erfuhr sie bei einem Treffen mit anderen Parkinson-Erkrankten: Ihr Mann riecht genauso wie diese. Von ihren Fähigkeiten bekamen bald auch Forscher ...

Screenshot Youtube/BBC News

Parkinson zu diagnostizieren, ist schwierig. Vor allem, wenn sich die neurodegenerative Erkrankung noch in einem frühen Stadium befindet und die typischen Symptome – Muskelstarre und -zittern sowie gestörte Reflexe – noch nicht sichtbar sind. So ist es zumindest bis jetzt.

Ändern könnten dies Forscher der University of Manchester: Schon seit längerem sucht das Team um Perdita Barran vom Institute of Biotechnology nach Möglichkeiten, die unheilbare Krankheit früher zu identifizieren. Dabei werden sie von einer Schottin unterstützt, die Parkinson riechen kann – Joy Milne.

«Schwerer, dicker Moschusgeruch»

Dank ihrem aussergewöhnlich guten Geruchssinn realisierte Joy schon zehn Jahre, bevor ihr Mann Les die Diagnose erhielt, dass mit ihm etwas nicht stimmte. «Immer wenn er im Raum war, bemerkte ich einen komischen Geruch, aber ich habe nichts gesagt, um keinen Streit vom Zaun zu brechen», so die ehemalige Krankenschwester zur BBC.

Worauf der «schwere, dicke Moschusgeruch» zurückzuführen war, «der stark nach tierischem Ursprung roch», ahnte sie nicht.

Erst als die Krankheit bei ihrem Gatten offiziell diagnostiziert worden war und sie ihn zu einem Parkinson-Treffen mit anderen Betroffenen begleitete, machte es bei ihr Klick, erinnert sie sich: «Meine Nase dachte nur ‹Wow›! Andere Parkinson-Patienten riechen genauso wie mein Mann.»

«Irgendwo zwischen Mensch und Hund»

Von ihrem Talent bekamen bald auch die Forscher in Manchester Wind – und überprüften ihre Fähigkeiten. Dabei zeigte sich, dass Joy, die von sich selbst sagt, mit ihrem Geruchssinn «irgendwo zwischen Hund und Mensch» zu liegen, tatsächlich eine sensible Nase hat. Allein von Hautabstrichen konnte sie Menschen mit Parkinson von solchen ohne unterscheiden.

Seither haben Perdita Barran und ihre Kollegen mehrere Moleküle identifiziert, die bei Menschen mit der neurodegenerativen Erkrankung häufiger vorkommen. Das Ziel ist nun, einen schnelleren Diagnosetest für Parkinson zu entwickeln, damit den Betroffenen frühzeitig geholfen werden kann.

Parkinson ist zwar nicht heilbar. Aber je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser kann man den Betroffenen helfen. Joy konkretisiert gegenüber der BBC: «Wenn die Diagnose gestellt wird, sind 60 bis 70 Prozent des neuronalen Schadens schon angerichtet.» Gäbe es einen Test zur Früherkennung, müsste es nie wieder so weit kommen.

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Morbus Parkinson

Das Parkinsonsyndrom (Morbus Parkinson) ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Weltweit gibt es rund 6,3 Millionen Patienten. Laut Studien wird ihre Zahl bis ins Jahr 2030 auf rund 8,7 Millionen steigen. In der Schweiz leben über 15'000 Betroffene. Männer und Frauen sind etwa gleich oft betroffen. (Parkinson Schweiz)

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