Winter-Spiele: Joystick-Killer und Partygames
Aktualisiert

Winter-SpieleJoystick-Killer und Partygames

Seit 1985 können olympische Wintersportarten zu Hause nachgespielt werden. 20 Minuten liefert einen Überblick über das virtuelle Wintersportgeschehen der letzten drei Dekaden.

von
Ill-Fil

Vor gut 30 Jahren erschienen die von Epyx entwickelten «Winter Games». Den Multiplattformtitel konnte man sowohl alleine als auch zu mehreren zocken. Allerdings konnten nur in der Disziplin Eisschnelllauf jeweils zwei Wettstreiter im direkten Duell gegeneinander antreten. Alle anderen Sportarten mussten nacheinander absolviert werden.

Ähnlich wie im bereits 1980 erschienenen Leichtathletik-Game «Track & Field» zehrte «Winter Games» an Nerven und Hardware: Joystick-Hebel-Orgien (Biathlon, Eisschnelllauf), unpräzise Digital-Steuerschemata (Bob, Rodeln) und kompliziertes Handling (Eiskunstlauf) trieben so manchem Virtual-Sportler die Schweissperlen auf die Stirn.

«Winter Games» von Epyx (1985). Der Multiplattformtitel zählt zu den absoluten Kultspielen unter den Sportgames. (Video: Youtube/odraconiandevil79)

Die «Winter Challenge» von Accolade erschien 1991. Grösster Unterschied zu «Winter Games» war die modernere 16-Bit-Grafik. Ansonsten bot der Titel die gleichen Disziplinen, die man auch schon sechs Jahre zuvor hatte bestreiten können.

Offizielle Spiele

Seit den Winterspielen 1994 werden offiziell lizenzierte Olympia-Games veröffentlicht. Sega brachte zusammen mit U. S. Gold die «Winter Olympics» zu den Olympischen Spielen in Lillehammer heraus. Neben den vier alpinen Disziplinen Abfahrt, Super G, Riesenslalom und Slalom donnerte man in Bobs und auf Rodelschlitten durch den Eiskanal, stellte seine nordischen Fähigkeiten bei Skispringen und Biathlon unter Beweis und konnte sich zum ersten Mal in Eins-gegen-eins-Duellen die Buckelpiste hinunterstürzen.

Seit 1998 ist Snowboarding eine olympische Disziplin. Wer es wie Gian Simmen machen und in der Halfpipe Edelmetall gewinnen wollte, konnte dies mit den für Playstation und Nintendo 64 erhältlichen «Nagano Winter Olympics 98» tun – oder es zumindest versuchen. Der auf Einzel- und Mehrspielerpartien ausgelegte Titel enthielt zehn Disziplinen, wobei neben den Snowboard-Events zum ersten Mal auch Curling als Sportart spielbar war.

Mit gerade einmal zwei alpinen Skirennen (Abfahrt, Slalom), Freestyle Skiing (Aerials), Skispringen, Bobfahren und Snowboard Parallel-Riesenslalom fiel der disziplinäre Umfang in «Salt Lake 2002» (PC, PS2, Game Boy Advance) zu dürftig aus. Publisher Eidos Interactive hatte eigentlich an den Erfolg seines Sommer-Olympia-Games («Sydney 2000») anknüpfen wollen. Da man es aber versäumt hatte, populäre (Game-)Sportarten wie Biathlon oder Eiskunstlauf zu implementieren, fiel der Titel beim Publikum durch.

2006 veröffentlichte 2K Sports («NHL 2K», «NBA 2K») das offizielle Game zu den Winterspielen in Turin. Erstmals traten Gamer an den Originalschauplätzen der Spiele an. Ski-Cross und Nordische Kombination feierten im für Xbox, PS2 und Windows PC erschienenen Spiel Premiere. Durch die technische Entwicklung von Hard- und Software und der zunehmenden Authentizität grosser Sportspiele wie etwa «Fifa» oder «NHL» verdeutlichte «Torino 2006», welch schwierigen Stand Olympia-Games mittlerweile hatten. Durch die Implementierung mehrerer Sportarten in einen Titel war es zunehmend schwieriger geworden, die einzelnen Sportarten akkurat respektive konkurrenzfähig umzusetzen.

Von der Simulation zu den Party-Spielen

Den Trend erkannte auch Sega, und so veröffentlichte die japanische Spieleschmiede zu den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver nicht nur ein realitätsnahes, sondern auch ein Party-Game. 14 Disziplinen konnten in «Vancouver 2010» bestritten werden. Der Erfolg des Titels blieb aber wie schon bei «Torino 2006» überschaubar. Dafür brachten zwei altbekannte Gamehelden neuen Schwung ins Genre: Sega-Igel Sonic und Nintendo-Klempner Mario. Weil sich zwei Jahre zuvor «Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen» (Peking 2008) mehr als nur wacker geschlagen hatte, portierte Sega die Mischung aus Party- und Sportgame in winterliche Gefilde und liess die beiden Vorzeige-Maskottchen in Vancouver um Olympisches Edelmetall kämpfen.

Es scheint, als hätten Simulationen von Olympischen Winterspielen ausgedient. Zu den Spielen in Sotschi erscheint keine realitätsnahe Game-Umsetzung mehr. Nur noch Mario und Sonic entfachen das polygonale olympische Feuer. Wer also in diesem Winter die Olympischen Spielen nachspielen will, muss wohl oder übel mit einem Party-Game vorliebnehmen – und zwangsläufig eine Wii U zu Hause stehen haben. «Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen: Sotschi 2014» ist exklusiv für die Nintendo-Konsole erhältlich.

Trailer zu «Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen: Sotschi 2014» (Video: Youtube/NintendoDeutschland)

Deine Meinung