Langnau: JSVP Bern provoziert mit Shots und Drinks an Fest
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LangnauJSVP Bern provoziert mit Shots und Drinks an Fest

Die Junge SVP Kanton Bern hat sich unter die Barkeeper gemischt – und bietet «Funiciello»-Shots oder den «Reithallenterror» an.

von
cho
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Diese Karte hängt am Pubfestival Intergame in Langnau.

Diese Karte hängt am Pubfestival Intergame in Langnau.

Leser-Reporter
Die Drinks und Shots mit den provokanten Namen werden von der JSVP Kanton Bern an ihrem eigenen Stand angeboten.

Die Drinks und Shots mit den provokanten Namen werden von der JSVP Kanton Bern an ihrem eigenen Stand angeboten.

Leser-Reporter
Die Junge BDP Kanton Bern stösst sich an der Karte. Sie selber biete auch eigene Drinks an und provoziere damit – jedoch nicht auf Kosten anderer.

Die Junge BDP Kanton Bern stösst sich an der Karte. Sie selber biete auch eigene Drinks an und provoziere damit – jedoch nicht auf Kosten anderer.

Junge BDP

Am Intergame-Festival in Langnau kämpfen seit Samstag verschiedenste kleinere Barstände um die Aufmerksamkeit der Besucher und potenzieller Kunden – darunter auch die Junge SVP Kanton Bern. Dort gibt es aber nicht nur Cuba Libre oder Gummibärli.

Die Jungpolitiker bieten dort verschiedene ungewöhnliche Durstlöscher an, die namenstechnisch ganz auf der Linie des Parteibüchleins stehen. So können die Festivalbesucher etwa den «Funiciello-Shot» (Zwetschgenschnaps) bestellen. Auf der Karte findet sich ebenfalls ein Wässerchen namens «Asylchaos», das aus schwarzem Wodka und einem nicht ausgewiesenen Zusatz besteht. Weiter wird auch der «Reithallenterror» angeboten, der potente 6cl-Shot wird aus weissem Wodka und Jägermeister gemischt.

Provokation ja, Rassismus nein

Zu guter Letzt wird der BDP-Drink offeriert. Dieser besteht zu «Null Prozent Alkohol- und Wähleranteil», wie es auf der Karte heisst. Die Junge BDP Kanton Bern hat bereits vom Spott der Polit-Kollegen erfahren. Sie zeigt sich wenig amüsiert: «Die ganze Karte ist einmal mehr eine reine Provokation und ehrlich gesagt ziemlich lahm», sagt Präsident Nicolas Huissoud. Den Spass mit dem BDP-Drink gönne er der Partei, er finde jedoch etwa den «Asylchaos»-Shot mit schwarzem Wodka problematisch. «Ich habe nichts gegen Provokation, aber wenns dann plötzlich eine rassistische Richtung einschlägt, ist es nicht mehr vertretbar.»

Die Junge SVP Kanton Bern sollte hier langsam sensibilisiert sein, findet Huissoud. Dies wegen Co-Parteipräsident Adrian Spahr. «Ich stelle mir das irgendwie komisch vor, wenn dann Spahr so einen ‹Asylchaos› über die Theke reicht.» Er ist sich sicher, dass sich die Partei mit ihrer Provokations-Strategie selber ein Bein stelle: «Viele Wähler nerven sich ab der stetig plumperen und niveauloseren Aktionen», so Huissoud.

Drink mit Kondom

Seine Partei sei auch regelmässig an Events mit einer Bar vertreten und schenke Eigenkreationen aus. Natürlich würden auch sie um Aufmerksamkeit buhlen – es gehe jedoch auch anders. «Wir haben etwa den ‹Stecher› kreiert», sagt der Präsident. Zum Drink werde ein BDP-Kondom gereicht, mit der Aufschrift «Das nächste Mal hast du eine Wahl.» Huissoud: «So haben wir provoziert, ohne jemanden in den Dreck zu ziehen.»

Auch Tamara Funiciello hat bereits vom «Funiciello»-Shot der SVP gehört. Dieser wurde bereits Mitte März auf einer SVP-Veranstaltung in Schüpfen angeboten. Sie will den Vorfall nicht kommentieren.

Schenkelklopfer bei den JSVP-Gästen

JSVP-Co-Präsident Adrian Spahr versucht derweil die Gemüter zu beruhigen: «Man darf bei diesen Namen nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.» Die Namen seien absichtlich mit einer gehörigen Portion Humor geschaffen worden. «Die Drinks sind für eine Party gedacht und sollten in erster Linie einfach unterhalten und nicht provozieren», sagt Spahr. Bei ihrer Kundschaft würde die Karte für viel Gelächter sorgen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die bürgerliche SVP mit ihren Drinks und Shots für Schlagzeilen sorgt. 2015 verkauften die Politiker an einer Wahlveranstaltung einen «K.O.-Tropfen Shot», dies an Anlehnung des Skandals um die Zuger Landammannfeier 2014.

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