Aktualisiert 05.06.2014 09:44

Dresscode an Schulen

JSVP will Miniröcke und Hotpants verbieten

Die St. Galler JSVP nimmt nicht nur das Kopftuch, sondern auch «unziemliche Kleidung» an den Schulen ins Visier. Auf nationaler Ebene stösst dies auf wenig Verständnis.

von
N. Glaus

Spätestens wenn die Temperaturen bald 30 Grad erreichen, werden sie wieder zum Thema: Aufreizende Kleider, in denen junge Schülerinnen unterwegs sind. Der St. Galler SVP-Kantonsrat und Präsident der JSVP St. Gallen Mike Egger (21) möchte dem ein Ende setzen. In seiner geplanten Initiative will er nicht nur islamische Kopftücher und T-Shirts mit links- oder rechtsextremen Sujets verbieten – sondern gleich sämtliche Formen von «unziemlicher» Kleidung.

«Ich erwarte anständige Kleider im Schulunterricht», so Egger. Allzu freizügige Kleider, wie zum Beispiel ganz kurze Hotpants, gehören seiner Meinung nach nicht in ein Klassenzimmer. So möchte der JSVP-Politiker dazu beitragen, dass wieder vermehrt Sitte und Anstand herrschen im Land.

«Das wäre auf alle Fälle die Aufgabe der Schule und der Lehrerinnen»

Egger erhofft sich zudem, dass mit seiner kantonalen Initiative auch Druck auf nationaler Ebene entsteht. Dort stösst er mit seinem Anliegen aber auf keinen Zuspruch: Selbst Parteikollege und Nationalrat Lukas Reimann ist überzeugt, dass solche Kleidervorschriften möglichst vor Ort und in den einzelnen Kantonen geregelt werden müssten: «Wenn eine Schülerin halbnackt zur Schule geht, ist dies zwar ein Problem. Darüber müssen aber primär die Schulleitungen entscheiden oder gegebenenfalls die Kantone.» Reimann beruft sich dabei auf das kantonal geregelte Bildungswesen.

Hans Moser, Präsident der christlich-konservativen EDU, spricht sich ebenfalls dagegen aus, dass die Politik den Schülerinnen und Schüler vorschreiben soll, was diese anziehen. Er erwartet vielmehr, dass die Lehrerinnen ihre Vorbildsfunktion wahrnehmen und sich ebenfalls «anständig» kleiden. «Auch die Eltern müssen mehr Verantwortung übernehmen.»

Appell an die Eltern

Die Zentralsekretärin des Lehrerverbands, Franziska Peterhans, erklärt, dass Kleidervorschriften derzeit weder national noch kantonal geregelt seien: «Den Umgang mit solchen Regelungen, zum Beispiel auch das Tragen von Käppis oder Mützen, klären die Schulen oder direkt die Lehrpersonen jeweils für sich selbst.» Zudem appelliert Peterhans an die Eltern, die Kleiderthematik vermehrt mit den Kindern zu besprechen.

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