Aktualisiert 20.10.2011 11:47

Retro-ImageJubla gibt Gegensteuer

Die Jungwacht Blauring (Jubla) sucht dringend neue Mitglieder. Dafür müsse sich der Verband Ausländern gegenüber öffnen, so eine Studie. Nun startet die Jubla eine Grossoffensive.

von
Désirée Pomper
Lagerfeuerstimmung ist nicht alles: Die Jubla wirbt mit mehr Offenheit um neue Mitglieder.

Lagerfeuerstimmung ist nicht alles: Die Jubla wirbt mit mehr Offenheit um neue Mitglieder.

29 658 Mitglieder zählte die Jubla letztes Jahr. Das sind zehn Prozent weniger als noch 1999. Um den Mitgliederschwund in den Griff zu bekommen, hat der Verband bei der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit eine Studie in Auftrag gegeben. Die Studienautoren kommen zum Schluss, dass die Jubla eine «Retro-Orientierung» habe und sich am «Natürlichen», «Ursprünglichen», «Schweizerischen» und «Christlichen» orientiere. Statt den Status quo beizubehalten, müsse sich die Jubla dringend Rüstzeug für die Zukunft zulegen.

Empfohlen wird eine «Flucht nach vorne» in eine «explizit sozialkritischere Zukunft» sowie eine «interkulturelle Öffnung». Das heisst, die Jubla soll sich aktiv um Kinder mit Migrationshintergrund oder aus benachteiligten sozialen Gruppen als Mitglieder bemühen. Ohne eine solche gesellschaftliche Öffnung riskierten Kinder- und Jugendverbände, sich selbst abzuschaffen. Doch das dürfte nicht überall ankommen: Die Aussicht, mehr Kinder aus anderen Kulturen in der Jubla zu haben, bewerteten befragte Mitglieder ab 13 Jahren auf einer Skala von 0 bis 5 mit der Note 2,7, ihre Eltern gar nur mit 2,6. So erstaunt auch nicht, dass der Anteil muslimischer Jubla-Kinder bei 0,2 Prozent liegt.

Die Jubla reagiert nun mit einer Grossoffensive. Mit einem Budget von 1,5 Mio Fr. soll das Projekt «Jubla.bewegt» in den nächsten vier Jahren den Geist der Organisation umkrempeln. Ziel: mehr Offenheit und neue Mitglieder.

«Die Jungwacht Blauring wird es auch in fünfzig Jahren noch geben!»

20 Minuten: Herr Kathriner, Ihnen laufen die Mitglieder davon. Wie lange gibt es die Jubla noch?

Martin Kathriner*: Die wachsende Konkurrenz neuer Freizeitaktivitäten ist eine Herausforderung. Um Mitglieder zu gewinnen, müssen wir Kinder aus bildungsfernen Familien abholen, insbesondere Migrantenkinder. Denkbar ist, das Eintrittsalter von 7 Jahren auf Kindergartenalter zu senken. Dank innovativer Massnahmen wird es uns in 50 Jahren noch geben!

Die Jubla sei rückwärtsgewandt statt zukunftsorientiert, so die Studie. Zu Recht?

Schweizer Traditionen, wie im Wald einen Cervelat zu bräteln oder Waldweihnachten zu feiern, werden bei der Jubla gelebt. Unser Ziel ist jetzt, das Traditionelle mit dem Modernen zu verbinden.

Stossen Sie damit auf internen Widerstand?

Kaum. Die Jubla-Leiter sind äusserst motiviert, den Öffnungsprozess mitzugestalten, und interessiert am Zusammenleben der Kulturen.

*Kathriner ist Geschäftsleiter der Jungwacht Blauring Schweiz

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