Zürich: Juden fordern finanzielle Hilfe von der Stadt
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ZürichJuden fordern finanzielle Hilfe von der Stadt

Die jüdischen Gemeinden haben höhere Sicherheitsausgaben – auch wegen antisemitischer Anfeindungen. Nun soll die Stadt Zürich ihnen finanziell unter die Arme greifen.

von
rad

Jüdische Kinder werden im Tram wegen ihrer Kippa – der traditionellen, jüdischen Kopfbedeckung – gehänselt oder jüdische Männer wegen ihrer traditionellen Kleidung angepöpelt. «Das ist schwierig zu verstehen. Wir sind Schweizerinnen und Schweizer wie alle anderen auch und machen gerade mal 0,2 Prozent der Bevölkerung aus», so Shella Kertész, die neue Präsidentin der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ), zum SRF Regionaljournal.

Zunehmende antisemitische Äusserungen lassen in der jüdischen Gemeinde in Zürich das Bedürfnis nach mehr Sicherheit aufkommen. Nach Anschlägen wie jenen in Paris sei dieses Bedürfnis noch grösser geworden, so Kertész.

Sicherheitsausgaben haben sich verdoppelt

Um die Sicherheit jüdischer Einrichtungen wie Synagoge, Schulen und Kindergärten zu gewährleisten, würden derweil jährlich rund 800'000 Franken ausgegeben. Laut Kertész bedeuten die auflaufenden Kosten für die ICZ mit ihren 2500 Mitgliedern eine hohe finanzielle Belastung.

So hätten sich die Sicherheitskosten in den letzten zweieinhalb Jahren fast verdoppelt, die Mitgliedsbeiträge hingegen seien jedoch nicht gestiegen, so Kertész zu 20 Minuten. Grund für den Anstieg der Sicherheitsausgaben sei die Einstellung von zusätzlichem Personal und damit verbundenen längeren Arbeitszeiten, so Kertész weiter.

Mitgliederbeiträge mussten erhöht werden

Höhere Ausgaben für den Schutz der Gemeindeversammlung hat man auch bei der Jüdischen Liberalen Gemeinde (JLG) registriert, die rund 580 Mitglieder zählt. «Wir mussten für 2016 gar die Gemeindesteuern erhöhen – unter anderem auch wegen grösserer Ausgaben im Sicherheitsbereich», so JLG-Präsident Alex Dreifuss zu 20 Minuten.

Deshalb ist auch er an einer finanziellen Unterstützung seitens der Stadt interessiert, da sich die eigenen Sicherheitskosten auf 80'000 bis 100'000 Franken pro Jahr belaufen. Konkrete Zahlen wollte er allerdings nicht nennen.

Stadt soll jährlich 400'000 Franken zahlen

Kertész vom ICZ fordert, dass die Stadt die Hälfte ihrer Kosten – 400'000 Franken – übernimmt. Begründet sehe sie ihre Forderung in der Pflicht des Staates, Minderheiten zu schützen.

Sie habe im Stadtzürcher Sicherheitsvorsteher Richard Wolff (AL) einen Verbündeten, so Kertész. Und auch Ueli Maurer, Bundesrat und ehemaliger Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), befürworte den Schutz der jüdischen Bevölkerung laut SRF.

Guy Parmelin nimmt sich der Thematik an

Die Führungsspitze des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes und der Plattform der Liberalen Juden der Schweiz traf sich Ende des letzten Jahres mit Bundesrat Ueli Maurer, sagt Renato Kalbermatten, Sprecher des VBS.

Es wurde vorgeschlagen, eine Arbeitsgruppe einzusetzen. Bundesrat Guy Parmelin, der unterdessen das Amt von Maurer als Vorsteher übernommen hat, werde sich mit der Thematik auseinandersetzen. Der Termin für eine Sitzung werde noch in dieser Woche festgelegt.

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