Zürich: Judenhass auf Social Media hat zugenommen

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ZürichJudenhass auf Social Media hat zugenommen

«Juden abschlachten» – auf Social Media kommt es immer häufiger zu antisemitischer Hetze. Zudem gab es in letzter Zeit gleich zwei Angriffe auf Zürcher Juden.

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Wegen der Attacken ist die jüdische Gemeinde in Zürich besorgt - im Bild die Synagoge Agudas Achim an der Weststrasse.

Wegen der Attacken ist die jüdische Gemeinde in Zürich besorgt - im Bild die Synagoge Agudas Achim an der Weststrasse.

Keystone/Alessandro Della Bella

Die neusten Zahlen des Antisemitismusberichts sind trügerisch: Letztes Jahr gab es 14 Vorfälle in der Deutschschweiz – im Vergleich zu den 66 im Vorjahr ein deutlicher Rückgang. Allerdings ereigneten sich in letzter Zeit in Zürich gleich zwei physische Angriffe gegen Juden.

Im einem Fall attackierte ein Nazimob am 4. Juli 2015 in Wiedikon auf offener Strasse einen orthodoxen Juden. Nicht bekannt war bisher ein zweiter Fall: Am 4. Mai 2015 waren drei 11- bis 12-Jährige im Kreis 2 auf dem Weg ins Training des jüdischen FC Hakoah, als sie laut «Tages-Anzeiger» von zwei unbekannten Jugendlichen geschubst, antisemitisch beschimpft, geohrfeigt und getreten wurden. Ein Passant ging dazwischen. Die Jugendlichen erstatteten Anzeige.

«Antisemitismus ist latent vorhanden und dringt meist durch äussere Anlässe an die Oberfläche», sagt Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG), in dem Zeitungsbericht und relativiert den deutlichen Rückgang der Vorfälle im Antisemitismusbericht. Dieser liege auch daran, dass es 2015 nur geringe Spannungen in Israel gegeben habe.

Aufruf zu Mord

Dass jüdische Einrichtungen nach wie vor sehr gefährdet sind, zeigt sich nicht zuletzt an der Hetze im Internet – insbesondere auf Social Media, wo Forderungen wie «Juden abschlachten» gemäss «Tages-Anzeiger» unverhohlen geäussert werden. Das Bundesamt für Polizei bestätigt einen Anstieg von Meldungen über Rassendiskriminierungen.

Der SIG und die Stiftung gegen Rassismus zeigten 2014 total 25 Personen an, weil sie etwa zu Gewalt oder Mord aufgerufen hatten. Darunter war eine Coiffeuse aus Zürich, die auf Facebook forderte, alle Juden zu erschiessen. Sie wurde zu einer Geldstrafe und einer Busse verurteilt. Bei anonymen Drohungen ist es jedoch schwierig, jemanden zu verurteilen. Denn Facebook und Co. sind nicht verpflichtet, Daten herauszugeben.

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