Gurlitt-Sammlung: Jüdischer Weltkongress warnt Kunstmuseum Bern
Aktualisiert

Gurlitt-SammlungJüdischer Weltkongress warnt Kunstmuseum Bern

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses hat das Kunstmuseum Bern gewarnt, das Erbe von Kunsthändler Curlitt voreilig anzunehmen. Ein Berner Grossrat mahnt ebenfalls.

von
pat/smü
Ronald Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses.

Ronald Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses.

Wenn das Museum des Erbe antrete, «wird es die Büchse der Pandora öffnen und eine Lawine von Prozessen auslösen», sagte der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder gegenüber dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel».

Ähnlich sieht BDP-Grossrat Samuel Leuenberger die Situation: «Die Sammlung ist auch politisch hochbrisant, es sind einige Risiken vorhanden.» Aus diesem Grund habe er im Kantonsparlament einen Vorstoss eingereicht, welcher den Kanton verpflichten sollte, keine Steuergelder für die Übernahme der Sammlung oder juristische Auseinandersetzungen zu verwenden. Das Parlament lehnte den Vorstoss im September ab.

Hitzige Debatte um Nazi-Raubkunst

Die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters bestätigte gemäss den Angaben auf «Spiegel Online» vom Samstag, dass die deutsche Regierung mit dem Museum in Bern verhandle. Sie betonte in dem gemeinsamen Spiegel-Gespräch mit Lauder, diese Institution bekenne sich zu der von Gurlitt zugesicherten Aufarbeitung, auch zur Restitution von Raubkunst. Das vollständige Interview von Lauder und Grütters soll in der Print-Ausgabe des Magazins vom Montag erscheinen.

Das Kunstmuseum Bern will bis am 26. November über den Gurlitt-Nachlass entscheiden. Der Stiftungsrat werde dann beschliessen, ob das Museum das millionenschwere Erbe des deutschen Kunstsammlers antritt oder nicht, hatte eine Sprecherin Anfang Oktober erklärt.

Cornelius Gurlitt, der Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, stand mit seiner millionenschweren Bildersammlung monatelang im Zentrum einer hitzigen Debatte um Nazi-Raubkunst. Er starb am 6. Mai dieses Jahres in München und hatte das Kunstmuseum Bern zuvor als Alleinerben eingesetzt.

Zu der millionenschweren Sammlung gehören Werke von Picasso, Chagall, Matisse, Beckmann und Nolde. Ein Teil der rund 1600 Bilder steht jedoch unter Nazi-Raubkunstverdacht. (pat/smü/sda)

Deine Meinung