Vermummte Aktivisten: Jüdisches Online-Treffen mit Hitler- und Porno-Bildern gestört
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Vermummte AktivistenJüdisches Online-Treffen mit Hitler- und Porno-Bildern gestört

Mit einer solchen Aktion hatte die Jüdische Liberale Gemeinde (JLG) in Zürich nicht gerechnet. Vermummte Aktivisten kaperten am Sonntag ein Zoom-Treffen der Gemeinde und teilten obszöne Bilder.

von
Monira Djurdjevic
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Vermummte antisemitische Aktivisten störten am Sonntag die Online-Veranstaltung der Jüdischen Liberalen Gemeinde (JLG). 

Vermummte antisemitische Aktivisten störten am Sonntag die Online-Veranstaltung der Jüdischen Liberalen Gemeinde (JLG).

tachles.ch
Sie teilten den Bildschirm und projizierten obszöne Skizzen, pornographische Szenen und Hitler-Fotos. (Symbolbild)

Sie teilten den Bildschirm und projizierten obszöne Skizzen, pornographische Szenen und Hitler-Fotos. (Symbolbild)

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Darum gehts

  • Vermummte antisemitische Aktivisten attackierten mit Hitler- und Porno-Bildern ein Zoom-Treffen der Jüdischen Liberalen Gemeinde (JLG).

  • Laut der Zürcher Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) ist der Vorfall nicht zu verharmlosen.

Eine Online-Veranstaltung der Jüdischen Liberalen Gemeinde (JLG) wurde am Sonntag gestört und musste abgebrochen werden. Das berichtet die jüdische Online-Wochenzeitung «Tachles». Unter die Teilnehmenden haben sich demnach zunächst einige wenige, dann zunehmend mehr vermummte antisemitische Aktivisten gemischt. Sie hätten den Bildschirm geteilt und obszöne Skizzen, pornographische Szenen und Hitler-Fotos gezeigt.

Beim Anlass ging es um spätmittelalterliche Wandmalereien einer jüdischen Familie aus Zürich. Der Link zum Zoom-Treffen war auf der Website der JLG aufgeschaltet und öffentlich zugänglich. «Mit einer solchen Aktion hatten wir nicht gerechnet», sagt Brigitta Rotach, die bei der JLG die Kommission Kultur leitet, zum «Zürcher Unterländer». Man habe deshalb auf spezielle Sicherheitsmassnahmen wie Anmeldung oder Warteraum verzichtet. Das werde man aber nachholen und auch Anzeige erstatten. Auf die Fortsetzung der Reihe werde aufgrund des grossen Interesses nicht verzichtet.

Laut Dina Wyler, Geschäftsleiterin der Zürcher Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA), ist es schwierig zu sagen, ob das Motiv tatsächlich Antisemitismus ist. Der Vorfall sei aber nicht zu verharmlosen. «Das war bestimmt kein harmloser Bubenstreich», so Wyler. «Die Leute haben die Störaktion systematisch vorbereitet und sich verabredet.» Dass gegen die Aktion nun Anzeige erstattet wird, begrüsst die Stiftung.

Update vom Mittwoch: Die betroffene Gemeinde hat laut Mitteilung der Plattform der Liberalen Juden der Schweiz Strafanzeige eingereicht. Der jüdische Dachverband verurteile gemeinsam mit dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund SIG den Übergriff aufs Schärfste und unterstütze die rechtlichen Schritte.

Bist du oder jemand, den du kennst, von Antisemitismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Tel. 147

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