Nordkorea: Jüngster Kim-Sohn nominiert?
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NordkoreaJüngster Kim-Sohn nominiert?

Im Vorfeld des Treffens der nordkoreanischen Parteiführung soll auch der jüngste Sohn von Staatschef Kim Jong Il nominiert worden sein. Auch über die «charmante» Schwester wird spekuliert.

von
Kwang-Tae Kim
AP
Ein schwerkranker Staatschef und sein möglicher Nachfolger: Kim Jon Il und Sohn Kim Jong Un.

Ein schwerkranker Staatschef und sein möglicher Nachfolger: Kim Jon Il und Sohn Kim Jong Un.

Die herrschenden Kommunisten Nordkoreas haben sich am Montag zu ihrem grössten Parteitag seit Jahrzehnten versammelt. Im Mittelpunkt des mehrtägigen Treffens dürfte eine Entscheidung über die Nachfolge des vermutlich schwer kranken Staatschefs Kim Jong Il stehen. Als wahrscheinlichster Nachfolger gilt sein jüngsten Sohn Kim Jong Un. Offizieller Beginn der Konferenz ist am (morgigen) Dienstag.

Die südkoreanische Zeitung «Chosun Ilbo» meldete, der Kim-Sohn sei als Delegierter des Militärs entsandt worden. Das Zentralkomitee habe dann in einer internen Proklamation Kim Jong Un zum alleinigen Nachfolger des 68-jährigen Staatschefs ausgerufen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf nicht näher genannte nordkoreanische Kreise.

Einige Beobachter vermuten aber auch, dass Kim Jong Un noch nicht offiziell zum Nachfolger seines Vaters erklärt werden wird. Die Schwester des Staatschefs, Kim Kyong Hui, könnte für eine Übergangszeit eine wichtige Rolle übernehmen, um Kim Jong Un während der Einarbeitung in seine neue Rolle zu unterstützen. Kim Kyong Hui ist vier Jahre jünger als ihr einziger Bruder und leitet das Ministerium für Leichtindustrie. Informationen über sie gibt es kaum. Ein früherer Sushi-Zubereiter des Staatschefs schrieb 2003 in seinen Memoiren, sie sei ausgesprochen charmant, wenn sie mit ihrem Bruder zu tun habe.

Ihr Ehemann Jang Song Thaek stieg ebenfalls in der Partei auf. Er wurde im Juni zum stellvertretenden Vorsitzenden der Nationalen Verteidigungskommission befördert und ist damit nach Kim Jong Il die Nummer zwei in dem mächtigen Gremium.

Die Delegiertenversammlung der Arbeiterpartei (PdAK) war ursprünglich für Anfang des Monats angekündigt worden, wurde dann aber aus ungenannten Gründen verschoben. Es wurde vermutet, dass es mit den verheerenden Folgen eines Taifuns zusammenhing, der grosse Teile im Norden des Landes verwüstete.

Geheimnisumwittertes Lieblingskind des Staatschefs

Der 68-jährige Kim Jong Il erlitt 2008 vermutlich einen Schlaganfall, ausserdem soll er an Diabetes und einer Nierenerkrankung leiden. Beobachter rätseln seit längerem über seinen Gesundheitszustand und einen möglichen Nachfolger. Über Kim Jong Un, seinen jüngsten Sohn, ist wenig bekannt, in den staatlichen Medien wurde er noch nie erwähnt. Sein Alter wird auf Ende 20 geschätzt. Er soll in der Schweiz zur Schule gegangen sein. Offizielle Fotos von ihm als Erwachsenem gibt es nicht.

Kim Jong Un hat zwei ältere Brüder. Aus Kreisen des Regimes verlautete jedoch, der jüngste Sohn sei das Lieblingskind des Vaters.

Die Konferenz ist die grösste dieser Art seit 30 Jahren. 1980 gab der damals 38 Jahre alte Kim Jong Il sein politisches Debüt. Er war bereits 1974 zum Nachfolger seines Vaters Kim Il Sung bestimmt worden, des Gründers des kommunistischen Staates. Diese Entscheidung wurde allerdings erst 1980 bei einem Parteitag öffentlich gemacht, dem bislang letzten der PdAK. Sein Auftritt wurde damals als Bestätigung dafür gewertet, dass er die Nachfolge seines Vaters antreten würde.

1994 war es dann soweit: Staatsgründer Kim Il Sung starb an Herzversagen und Kim Jong Il übernahm die Führung. Nun will er anscheinend seinen dritten und jüngsten Sohn Kim Jong Un auf einen ähnlichen Machtwechsel vorbereiten.

Soldaten sollen bereits Loyalität geschworen haben

Mitarbeiter des südkoreanischen Geheimdienstes gehen davon aus, dass das Regime bereits eine Propaganda-Aktion startete, um den Sohn im Volk bekannt zu machen. Dazu sollen Lieder und Gedichte gehören, in denen der junge Kim gepriesen wird. Nordkoreanische Soldaten und Arbeiter sollen dem Sohn an seinem Geburtstag im Januar ihre Loyalität geschworenen haben. Der Machtwechsel wurde jedoch stets geheimgehalten; die südkoreanischen Behörden wussten bis zum letzten Jahr nicht einmal, wie der Name des Sohnes überhaupt geschrieben wird.

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