Vekselberg bei Sulzer in Pole-Position: Jürgen Dormann wird Sulzer-Präsident
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Vekselberg bei Sulzer in Pole-PositionJürgen Dormann wird Sulzer-Präsident

Die Aktionäre des Winterthurer Technologiekonzerns Sulzer haben den 69-jährigen Jürgen Dormann in den neuen Verwaltungsrat gewählt. Der Vekselberg wohlgesinnte Deutsche wird gleich Präsident.

Der 69-jährige Deutsche Dormann, ehemaliger Präsident und Konzernchef des Elektrotechnik-Riesen ABB , erhielt 97,44 Prozent der Stimmen, auch weil viele Kleinaktionäre dem anerkannten Industriefachmann vertrauten. Dormann ist zum Präsidenten des Gremiums ernannt worden. Der 62-jährige Österreicher Klaus Sturany bekam die Unterstützung von 96,42 Prozent der Stimmen.

Noch vor seiner Wahl stellte Dormann klar, dass er für einen Gesamtzusammenschluss von Sulzer mit der Industriegruppe OC Oerlikon nicht zur Verfügung stehen würde. Weil Vekselberg die Mehrheit an OC Oerlikon hat, war in den vergangenen Monaten verschiedentlich über einen solchen Schritt spekuliert worden.

Wie Sulzer-Konzernchef Ton Büchner am Rande der GV vor den Medien sagte, könnten aber Teile der beiden Konzerne zusammengeführt werden, namentlich die Geschäftsbereiche Oberflächentechnologie.

Hughes und Håkstad abgewählt

Wie von Vekselberg verlangt, wurden die Verwaltungsräte Louis Hughes und Thor Håkstad mit 57,31 Prozent respektive 57,28 Prozent der Stimmen abgewählt. Mit 31,2 Prozent der an der GV vertretenen 56,8 Prozent der Aktionärsstimmen setzte sich Vekselbergs Beteiligungsgesellschaft Renova auch bei diesem Traktandum problemlos durch.

Der Amerikaner Hughes erhielt 30,10 Prozent Unterstützungsstimmen, während 30,16 der Aktionäre für den Verbleib des Norwegers Håkstad im Aufsichtsgremium votierten. «Die Zukunft hängt nun ganz stark von Jürgen Dormann ab», sagte Hughes Minuten vor seiner Abwahl. Er forderte Dormann dazu auf, einen unabhängigen Kurs zu fahren.

Wieder Kritik der Kleinaktionäre

Kleinaktionäre, die Vekselberg seit Monaten misstrauisch gegenüberstehen, kritisierten wie schon an der Generalversammlung Anfang April den russischen Financier und seine Beteiligungsgesellschaft Renova. Wegen Unregelmässigkeiten beim Aufbau seiner Sulzer-Beteiligung läuft gegen Vekselberg im Moment ein vom Eidg. Finanzdepartement geführtes Verwaltungsstrafverfahren.

Der ehemalige Sulzer-Finanzchef Erich Müller, einer der Wortführer der Vekselberg-Kritiker, bezweifelte, ob Dormann wirklich ein unabhängiger Präsident sein werde. Unterstüzt von den Zurufen zahlreicher Aktionäre forderte er Dormann dazu auf, seine Verbindungen zu Vekselberg, auch finanzieller Art, offenzulegen. Dormann antwortete, er beziehe kein Geld von Vekselberg.

Borer: «Mehr ausländische Investoren»

Als Eigner eines grossen Aktienpakets habe Renova Interesse am Erfolg von Sulzer, sagte der ehemalige Diplomat und heutige Vekselberg-Berater Thomas Borer. «Die Schweiz wird in Zukunft noch mehr ausländische Investoren brauchen», sagte er weiter. Er erinnerte daran, dass OC Oerlikon am Vortag einen mehrere Hundert Mio. Franken grossen Auftrag aus Russland erhalten habe.

«Die Strategie von Sulzer steht heute nicht zur Diskussion», sagte Borer. Renova hätte ihre Vorstellungen frühzeitig kommuniziert, dazu gehöre eine angemessene Vertretung im Verwaltungsrat. Offiziell sind nur die zwei Sulzer-Verwaltungsräte Urs Meyer und Vladimir Kuznetsov Repräsentanten von Renova (sda/dapd)

Strafverfahren gegen Vekselberg läuft weiterhin

Gegen Sulzer-Grossaktionär Viktor Vekselberg wird weiterhin strafrechtlich ermittelt. Das Verfahren gegen Vekselberg sowie die österreichischen Investoren Ronny Pecik und Georg Stumpf sei weiter im Gange, sagte Roland Meier vom Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) am Dienstag auf Anfrage.

Die drei werden verdächtigt, beim Aufbau von Vekselbergs Beteiligung am Winterthurer Technologiekonzern Sulzer von November 2006 bis April 2007 gemeinsam gehandelt und dabei die börsenrechtlichen Meldepflichten verletzt zu haben. Das EFD hatte die Eröffnung des Verwaltungsstrafverfahrens im vergangenen April bekannt gegeben. Es reagierte damit auf eine Strafanzeige der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA von Anfang März.

Gericht gibt Renova recht

Mit Verweis auf dieses Strafverfahren hat eine Gruppe von Kleinaktionären jüngst versucht, das Stimmrecht von Vekselbergs Beteiligungsgesellschaft Renova an der ausserordentlichen Generalversammlung der Sulzer-Aktionäre vom Dienstag in Winterthur zu verhindern. Doch der Verein Pro Aktionärsrechte scheiterte: Das Obergericht des Kantons Zürich entschied per Verfügung vom vergangenen 13. August zugunsten von Renova. Es lehnte einen Rekurs der Aktionärsgruppe gegen einen vormaligen Entscheid des Bezirksgerichts Winterthur ab. Somit konnte Renova am Dienstag ihre Stimmrechte vollumfänglich ausüben, wie Renova-Sprecher Daniel Grotzky auf Anfrage sagte.

Aktionäre von Thomas Borer gerügt

Der ehemalige Schweizer Botschafter Thomas Borer verurteilte das Vorgehen der Aktionärsgruppe an der Generalversammlung. Renova wolle nur das Beste für Sulzer, sagte er in seiner Rolle als Verteidiger Vekselbergs, nachdem einige Sulzer-Aktionären Vekselberg als machtgierigen Plünderer der Sulzer-Kasse verunglimpft hatten.

(AP)

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