Jugend-Rekorde: Hamilton siegt - Vettel punktet
Aktualisiert

Jugend-Rekorde: Hamilton siegt - Vettel punktet

Lewis Hamilton hat zum zweiten Mal in Serie einen Formel-1-GP gewonnen. Eine starke Leistung zeigte auch Sebastian Vettel, der bei seinem ersten Rennen im BMW-Sauber Punkte holt.

McLaren-Mercedes hat seine Vormachtstellung eindrücklich bestätigt. Lewis Hamilton und Fernando Alonso sorgten im Grand Prix der USA für das dritte Double der Saison. Sebastian Vettel wurde bei seiner Premiere Achter, Nick Heidfeld schied aus.

Noch vor einer Woche hätte Sebastian Vettel nicht im Traum daran gedacht, in Indianapolis sein Formel-1-Debüt zu geben. Was mit dem schweren Unfall und dem Startverbot von Robert Kubica begonnen hatte, endete mit einer historischen Leistung. Der am 3. Juli 20 Jahre alt werdende Hesse darf sich fortan jüngster Fahrer der Formel-1-Geschichte nennen, der jemals einen WM-Punkt gewonnen hat. Er löst in diesem Ranking Jenson Button ab. Der Engländer hatte dies im Alter von 20 Jahren und 2 Monaten im März 2000 als Sechster im Grand Prix von Brasilien geschafft.

Rosbergs Pech war Vettels Glück

Auf dem Weg zum Rekord benötigte Vettel aber einiges Glück beziehungsweise das Pech von Nico Rosberg. Der Weltmeistersohn musste den Williams vier Runden vor Schluss an 6. Stelle liegend mit brennendem Heck ausrollen lassen. Das erst erlaubte dem im Kanton Zug wohnenden Vettel den Sprung in die Punkteränge.

Wäre beim Debüt alles wie geplant gelaufen, wäre Vettel für die angestrebte Klassierung in den ersten acht nicht auf «fremde Hilfe» angewiesen gewesen. Nach dem Start bei der Anfahrt auf die erste Kurve, die nach der Start-/Zielgeraden ins Infield führt, bremste er zu spät, kam von der Strecke ab und büsste für den Umweg mit dem Verlust von vier Positionen. Ohne dieses Missgeschick wäre sicher eine noch bessere Platzierung drin gelegen. Fahrer wie Heikki Kovalainen im Renault (5.), Jarno Trulli im Toyota (6.) und Mark Webber (7.) dürften im Normalfall nicht vor ihm klassiert sein.

Einen Platz hatte Vettel schon gutgemacht, als Heidfeld in der 57. von 73 Runden das Auto neben der Piste parkieren musste. Dem Gladbacher, der zu jenem Zeitpunkt Platz 5 innegehabt hatte, wurde ein Hydraulik-Problem zum Verhängnis. «Fantastisch, gleich im ersten Rennen einen Punkt zu holen. Davon hatte ich schon als Kind immer geträumt», sagte Vettel, der für seine Vorstellung von Teamchef Mario Theissen lobende Worte hörte. «In der ersten Kurve hat Sebastian Lehrgeld bezahlt. Doch danach fuhr er ein fehlerfreies Rennen.»

Vorentscheidung in Kurve 1

Eine Woche nach dem turbulent verlaufenen Grand Prix von Kanada erlebte Indianapolis ein Formel-1-Rennen der faderen Sorte. Dass der Sieger im Normalfall in einem silbernen Auto sitzen würde, war eigentlich schon vor dem Start klar. Und als die Spitzenfahrer das erstmalige Abbiegen in den kurvenreichen, speziell für die Formel 1 gebauten Teil heil überstanden hatten und der aus der Pole-Position gestartete Hamilton seinen Platz gegenüber Alonso erfolgreich zu verteidigen vermochte, war die Vorentscheidung auch im internen Duell des gegenwärtig deutlich überlegenen Teams McLaren-Mercedes gefallen.

Seines zweiten Triumphes durfte sich Hamilton indessen erst nach dem zweiten Zwischenhalt sicher sein, zumal ihm Alonso zwischenzeitlich bedrohlich nahe gekommen war. Den einzigen nennenswerten Angriff des Spaniers parierte der 22-jährige Engländer kurz nach Rennhälfte aber souverän und wurde danach auch von seinem Teamkollegen nicht mehr behelligt.

«Einfach unglaublich»

In Indianapolis fügte Hamilton seiner unglaublich anmutenden Erfolgsstory, die nunmehr zwei Siege, vier 2. und einen 3. Rang beinhaltet, ein weiteres Kapitel bei - eine grandiose Bilanz, auch für den Rookie selber. «Zu Beginn der Saison hatte ich mir zum Ziel gesetzt, in die Punkteränge zu fahren, da und dort auf dem Podium zu stehen. Was ich aber bis jetzt erreicht habe, das hätte ich mir in den kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Es ist einfach unglaublich, was derzeit mit mir abläuft.»

Erster «Leidtragender» von Hamiltons Ausbeute ist Alonso. Der Asturier muss sich immer mehr damit abfinden, dass ihm am Ende der Saison der eigene Teamkamerad vor der Sonne stehen könnte. In der WM-Zwischenwertung liegt der Engländer nun zehn Punkte vor dem zweitplatzierten Spanier. Das «silberne» Duo erschien zwar Arm in Arm zur Siegerehrung. Alonsos düstere Miene aber offenbarte deutlich, dass sich er sich mit der Rolle des «ewigen Zweiten» nicht zufrieden geben will. Zur Zeit scheint allerdings auch für ihn kein Weg an Hamilton vorbeizuführen.

Dem Duo Hamilton/Alonso, das nach Malaysia und Monaco den dritten Doppelerfolg in diesem Jahr einfuhr, hatten auch die Ferrari-Fahrer nichts auszurichten. Felipe Massa als Dritter und Kimi Räikkönen als Vierter holten unter den gegebenen Umständen das Maximum heraus.

Die erste Runde beendeten lediglich 19 der 22 Fahrer. Eine von Ralf Schumacher im Toyota ausgelöste Kollision bedeutete nicht nur für den Uebeltäter selber, sondern auch für David Coulthard im Red Bull und Rubens Barrichello im Honda das schnelle Ende.

Indianapolis, Indiana. Grand Prix der USA (73 Runden à 4,192 km/306,016 km):

1. Lewis Hamilton (Gb), McLaren-Mercedes, 1:31:09,965 (201,401 km/h).

2. Fernando Alonso (Sp), McLaren- Mercedes, 1,518 Sekunden zurück.

3. Felipe Massa (Br), Ferrari, 12,842.

4. Kimi Räikkönen (Fi), Ferrari, 15,422.

5. Heikki Kovalainen (Fi), Renault, 41,402.

6. Jarno Trulli (It), Toyota, 66,703.

7. Mark Webber (Au), Red Bull-Renault, 67,331.

8. Sebastian Vettel (De), BMW-Sauber, 67,783.

9. eine Runde zurück: Giancarlo Fisichella (It), Renault.

10. Alexander Wurz (Oe), Williams-Toyota.

11. Anthony Davidson (Gb), Super Aguri-Honda. 12. Jenson Button (Gb), Honda. 13. zwei Runden zurück: Scott Speed (USA), Toro Rosso- Ferrari. 14. Adrian Sutil (De), Spyker-Ferrari. 15. drei Runden zurück: Christijan Albers (Ho), Spyker-Ferrari. 16. fünf Runden zurück: Nico Rosberg (De/Fi), Williams-Toyota (nicht am Ziel). 17. Vitantonio Liuzzi (It), Toro Rosso-Ferrari (nicht am Ziel.).

22 Fahrer gestartet, 17 klassiert, 15 am Ziel.

Schnellste Runde: Räikkönen (49.) in 1:13,117 (206,397 km/h).

WM-Stand (7/17). Fahrer:

1. Hamilton 58.

2. Alonso 48.

3. Massa 39.

4. Räikkönen 332. 5. Heidfeld 26. 6. Fisichella 13. 7. Kubica 12. 8. Kovalainen 12. 9. Wurz 8. 10. Trulli 7. 11. Rosberg 5. 12. Coulthard 4. 13. Sato 4. 14. Webber 2. 15. Schumacher 2. 16. Vettel 1. 17. Speed 0. 18. Barrichello 0. 19. Davidson 0. 20. Button 0. 21. Sutil 0. 22. Albers 0. 23. Liuzzi 0.

Teams: 1. McLaren- Mercedes 106. 2. Ferrari 71. 3. BMW-Sauber 39. 4. Renault 25. 5. Williams-Toyota 13. 6. Toyota 9. 7. Red Bull-Renault 6. 8. Super Aguri-Honda 4. 9. Toro Rosso-Ferrari 0. 10. Honda 0. 11. Spyker- Ferrari 0.

Nächstes Rennen: Grand Prix von Frankreich am 1. Juli in Magny- Cours. (si)

Deine Meinung