Aktualisiert 30.11.2011 22:00

«Sehr erfreulich»

Jugendkriminalität nimmt weiter ab

Die Trendwende war kein Zufall: Die Jugendkriminalität nimmt weiter ab. Viele Fachleute und Politiker sind hocherfreut, doch es gibt auch Skeptiker.

von
Andy D. Veraguth

Die Jugendkriminalität im Kanton Zürich hat dieses Jahr erneut deutlich abgenommen: Laut Marcel Riesen-Kupper, Leitender Oberjugendanwalt des Kantons Zürich, werden bis Ende Jahr voraussichtlich rund 20 Prozent weniger Gewaltdelikte eingegangen sein als im Vorjahr. Ähnliches berichten die Kantone Bern, Basel-Stadt und Solothurn: Sie sprechen von einem deutlichen Rückgang. Auch die Kantone St. Gallen und Aargau beobachten eine leichte Abnahme der Straftaten.

«Während zehn Jahren hatten wir bei der Jugendkriminalität im Kanton Zürich fast jedes Jahr einen leichten Anstieg zu vermelden», jetzt aber zeichne sich ein Rückgang ab, der sich fortzusetzen scheine, so Riesen-Kupper. «Das ist sehr erfreulich!» Die Gründe für die positive Entwicklung sind nicht klar. Hans Melliger, Leiter der Aargauer Jugendanwaltschaft, meint: «Die vermehrten Anstrengungen in der Prävention sind sicher ein Grund für den Rückgang. Hinzu kommt die längere Behandlung von Mehrfachtätern in pädagogischen Programmen auf der Jugendanwaltschaft.» Für Riesen-Kupper dürften auch die Massnahmen der Jugendanwaltschaften und der Polizei Wirkung zeigen.

Thomas Richter, Leiter des Schweizerischen Institutes für Gewaltprävention, ist dagegen skeptisch: Er verweist auf die grosse Dunkelziffer und die Tatsache, dass viele schwere Gewaltformen wie etwa Mobbing nie den Weg vor den Richter fänden.

Unterschiede Stadt-Land

Laut einer neuen Studie der Hochschule für Angewandte Wissenschaften wird die Jugendgewalt in vielen Gemeinden des Kantons Zürich nicht als gravierendes Problem wahrgenommen. Die meisten Orte hätten ausreichend Angebote und Konzepte zur Prävention von Jugendgewalt. Den Leiter der Koordinationsgruppe Jugendgewalt, Enrico Violi, lässt aufhorchen, dass es immer mehr Probleme mit Mobbing an Schulen zu geben scheine. Ein Grund dafür seien die neuen Medien.

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