Aktualisiert 07.01.2020 04:58

Füsse auf den SitzenJugendliche attackieren Berner Tramchauffeur

An der Station Westside in Bern West wurde ein Tramchauffeur von Jugendlichen beleidigt und angegriffen. Der Fahrer hatte sie aufgefordert, die Füsse von den Sitzen zu nehmen.

von
rc
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In der Nacht auf den 3. Januar wurde ein Chauffeur auf der Tramlinie 8 Opfer einer Tätlichkeit.

In der Nacht auf den 3. Januar wurde ein Chauffeur auf der Tramlinie 8 Opfer einer Tätlichkeit.

Keystone/Peter Klaunzer
Bei der Haltestelle «Westside» lief die Situation aus dem Ruder.

Bei der Haltestelle «Westside» lief die Situation aus dem Ruder.

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Die Haltestelle befindet sich gleich neben dem Einkaufscenter Westside in Bern-Brünnen.

Die Haltestelle befindet sich gleich neben dem Einkaufscenter Westside in Bern-Brünnen.

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Auf Facebook kursiert derzeit eine Geschichte über einen Berner Tram-Chauffeur, der von drei Jugendlichen beleidigt und angegriffen wurde. «Mein Papi kam heute mit einem blauen Auge und einem verletzten Arm von der Arbeit zurück», steht in dem Post von Joana L.*, der Tochter des Chauffeurs. Zur Tätlichkeit sei es gekommen, weil ihr Vater die Jugendlichen aufgefordert habe, ihre Füsse von den Sitzbänken zu nehmen. «Einer der Jugendlichen ging auf meinen Vater los und schlug ihm mit voller Wucht ins Gesicht», schreibt L.

Die Auseinandersetzung fand in der Nacht auf den 3. Januar, kurz nach Mitternacht, bei der Station Westside statt. Die drei Jugendlichen seien zwischen 17 und 19 Jahre alt gewesen und hätten ganz zuhinterst im Tram gesessen. Nachdem ihr Vater sie ermahnt habe, sich korrekt hinzusetzen, seien die Fahrgäste ausgerastet.

Der Chauffeur selbst wollte sich nicht zu der Auseinandersetzung äussern.

Nicht zur Marionette werden

«Wir haben Kenntnis von einem solchen Vorfall im Westen von Bern, der sich um diese Zeit zugetragen hat», bestätigt Rolf Meyer, Mediensprecher von Bernmobil. Wegen Vorfällen wie dem beschriebenen setzt Bernmobil seit 2016 die eigens geschulten KDplus Mitarbeitenden ein. Das sind Mitarbeitende des Kontrolldienstes mit sicherheitsdienstlichen Zusatzaufgaben. Seit sie im Einsatz sind, konnte laut Meyer eine deutliche Abnahme von Tätlichkeiten festgestellt werden.

Auf der Website von Bernmobil ist ausserdem ein Merkblatt aufgeführt, das Auskunft gibt, wie man sich in solch heiklen Situationen richtig verhält. «Es gilt für Fahrgäste wie auch für unsere Mitarbeiter», so Meyer.

Im Merkblatt steht unter anderem, dass man in bedrohlichen Situationen nicht in Panik verfallen und im Ton möglichst verhalten und ruhig bleiben solle. Trotzdem solle man sich nicht in die Opferrolle drängen lassen: «Werden sie nicht zur Marionette, mit der der Angreifer alles machen kann. Flehen und Unterwürfigkeit ermutigen diese nur.» Trotzdem sollte auf jeden Fall vermieden werden, die bedrohliche Person anzufassen. Wichtig ist ausserdem, dass andere Fahrgäste oder im besten Fall der Fahrer auf die Situation aufmerksam gemacht werden.

Fehlender Respekt

Auf Facebook solidarisieren sich viele User mit Joana L. und ihrem Vater. «Menschen können fies und rücksichtslos sein. Moral, Anstand und Menschlichkeit sind sehr selten geworden», schreibt einer. Andere hoffen, dass die Jugendlichen für ihre Tat zur Rechenschaft gezogen werden: «Ich bin sprachlos und entsetzt. Ich hoffe die Jungs werden gefunden», heisst es in einem weiteren Kommentar.

Bei der Kantonspolizei Bern wurde bislang keine Anzeige zum Vorfall erstattet.

*Name der Redaktion bekannt

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