Ostschweiz: Jugendliche beraten Suizidgefährdete
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OstschweizJugendliche beraten Suizidgefährdete

Jugendliche sollen Gleichaltrige von Suizid abhalten – dieses Pilotprojekt wird nun in der Ostschweiz lanciert.

von
taw
In der Schweiz nimmt sich täglich ein Jugendlicher unter 25 Jahren das Leben. Die Betroffenheit der Hinterbliebenen ist gross. Wie hier 2012 in Taylorsville, Utah.

In der Schweiz nimmt sich täglich ein Jugendlicher unter 25 Jahren das Leben. Die Betroffenheit der Hinterbliebenen ist gross. Wie hier 2012 in Taylorsville, Utah.

In der Schweiz begeht täglich ein Mensch unter 25 Jahren Suizid. Der Verein Lebe! will mit einem ungewöhnlichen Ansatz dagegen kämpfen. Er lanciert Anfang 2014 in der Ostschweiz das Pilotprojekt U25: Auf einer Website können sich suizidgefährdete Teenager anonym schriftlich beraten lassen – von Gleichaltrigen. «Die einkommenden E-Mails gehen an einen Sozialarbeiter, der sie an die Jugendlichen verteilt», erklärt der Wiler Raphael Wobmann, Initiator von U25 und Sozialarbeiter in Ausbildung. «Auch die Antworten der Berater werden von einem Sozialarbeiter überprüft.»

Eine Antwort sei in 48 Stunden garantiert. Akute Fälle will U25 an Fachleute vermittelt. «Jugendliche öffnen sich Gleichaltrigen eher als Erwachsenen», sagt Wobmann. «Unsere Berater werden im Vorfeld von Sozialarbeitern mit Erfahrung in Suizidprävention geschult.» Für das Projekt werden derzeit zehn ehrenamtliche Berater im Alter von 17 bis 23 Jahren gesucht. In Deutschland stiess die Online-Beratung in mehreren Städten auf viel Interesse seitens der Jugendlichen.

Projekt hat Potenzial

Laut Josef Sachs, Chefarzt Forensik der Klinik Königsfelden, hat das Projekt Potenzial: «Anonym per Mail melden sich Jugendliche schneller und sind ehrlicher.» Allerdings bestehe durch die Anonymität auch die Gefahr von Missbrauch. Er zweifelt zudem, dass sich Jugendliche Gleichaltrigen eher öffnen. «Die Distanz zu Erwachsenen macht es leichter, über Belastendes zu reden.»

www.u25-ostschweiz.ch

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