05.03.2020 10:36

Statussymbol

Jugendliche bezahlen für mehr Instagram-Fame

Die sozialen Medien sind für Teenager oft ein Statussymbol. Um mit Followern oder Likes nachzuhelfen, greift man da auch schon mal ins Portemonnaie.

von
doz

Das soziale Leben spielt sich für Jugendliche längst nicht mehr nur noch auf dem Pausenhof ab. Auch zu Hause nach der Schule gilt es weiterhin, ein gutes Image auf Social Media aufrechtzuhalten. Dieses geht oft Hand in Hand mit der Anzahl Follower oder Likes, die man beispielsweise auf Instagram oder Youtube vorweisen kann.

Nun hat sich in Norwegen ein Trend ausgebreitet, der weniger bekannten Jugendlichen zu mehr Berühmtheit verhelfen soll. Und zwar bezahlen die Besitzer kleinerer Profile bekannteren Kollegen oder sogar Fremden Geld dafür, sie in Storys oder Posts kurz zu erwähnen. Dies soll den Profilen der weniger Berühmten einen Boost verschaffen.

20 Franken für Shoutout

Die Geldbeträge, die ausgezahlt werden, sind unterschiedlich gross. Der norwegische Senderverbund NRK berichtet beispielsweise von einem Jugendlichen aus Bergen, der 200 Kronen (20.50 Franken) dafür bezahlte, von einem älteren Teenager auf Instagram ein einziges Mal kurz erwähnt zu werden. Dieser zählte laut Heise.de über 20'000 Follower.

Wie weit verbreitet dieses Phänomen ist und ob es auch hierzulande schon solche Fälle gegeben hat, ist nur schwierig abzuschätzen. Aber auch die 16-jährige Laura kennt Leute, die bereits für Geld Likes oder Follower gekauft haben. Wieso, kann sie sich nicht genau erklären. «Wahrscheinlich wollten sie sich einfach gut fühlen oder haben nicht so viele Kollegen.»

Ein 17-Jähriger zeigt sich über die Geschichte aus Norwegen ebenfalls nicht überrascht. «Ich habe so etwas persönlich zwar noch nicht gesehen, kann es mir aber gut vorstellen. Schliesslich gibt es das auch hier, dass man seine Kollegen auf Social Media promotet, damit sie mehr Follower und Likes erhalten», erzählt er. Bezahlt worden sei in seinem Freundeskreis dafür aber noch niemand. Weitere Jugendliche erzählen im Video von ihren Erfahrungen.

Unter Druck gesetzt

Daniel Betschart, Programmverantwortlicher Medienkompetenz bei Pro Juventute, weiss, dass das Phänomen der gekauften Reichweite nichts Neues ist. Dies komme auch bei Prominenten, Künstlern oder Politikern durchaus vor.

«Sehen Jugendliche, dass andere via sozialen Medien auf viel Akzeptanz und Interesse stossen, kann es durchaus sein, dass sie sich selber unter Druck setzen», so Betschart. «Zum Vergleich: Früher war man in, wenn man auf die Geburtstagsparty der Coolen eingeladen wurde. Heute wird diese Zugehörigkeit auch auf den sozialen Medien gelebt.»

«Je mehr Likes, desto erfolgreicher scheint man»

Auch Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, hat selbst noch nie von einem solchen Fall gehört. Verblüfft ist aber auch sie nicht. «Für Jugendliche geht es darum, dazuzugehören. Man ist gern beliebt und erhält gern eine Bestätigung. Nicht nur im richtigen Leben, sondern auch in den sozialen Medien», erklärt sie.

«Je mehr Likes, desto erfolgreicher scheint man. Jugendliche, welchen dies wichtig ist, messen sich untereinander anhand der Anzahl Likes. Da will man nicht abfallen und versucht, die Likes irgendwie positiv zu manipulieren, um nicht als Verlierer dazustehen.»

Man müsse aber auch erwähnen, dass viele Jugendliche diese Jagd nach Likes lange nicht mehr blindlings mitmachen. «Viele können das richtig einordnen und definieren sich nicht nur nach Likes und Follower», so Rösler.

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