27.07.2015 10:42

UntersuchungJugendliche brauchen vor allem einen besten Freund

Mit einem BFF lässt sich die Pubertät ertragen: Zu diesem Schluss kommt eine Studie. Cliquen hingegen seien problematisch. Schweizer Experten relativieren.

von
ann
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Nicht nur für Mädchen in der Pubertät ist es wichtig, eine beste Freundin zu haben.

Nicht nur für Mädchen in der Pubertät ist es wichtig, eine beste Freundin zu haben.

Martin Ruetschi
Auch Jungs brauchen einen BFF, um mit dem Druck und den Spannungen, mit denen sie konfrontiert sind, besser umzugehen. Dies hat eine Studie der Universität von Sussex (GB) ergeben.

Auch Jungs brauchen einen BFF, um mit dem Druck und den Spannungen, mit denen sie konfrontiert sind, besser umzugehen. Dies hat eine Studie der Universität von Sussex (GB) ergeben.

Christian Beutler
Zwar reden Jungs in der Regel nicht wie Mädchen über Probleme, die sie beschäftigen.

Zwar reden Jungs in der Regel nicht wie Mädchen über Probleme, die sie beschäftigen.

Andrey Arkusha

Vergessen Sie die Clique – ein bester Freund kann Jugendlichen am meisten dabei helfen, mit den Herausforderungen der Pubertät umzugehen. Das hat eine Studie der britischen Universität von Sussex ergeben.

Das Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass nicht nur für Mädchen die beste Freundin enorm wichtig ist. Auch Jungs bräuchten einen besten Freund, denn dieser erfülle eine enorm wichtige Rolle. Dieser könne zuverlässig und unterstützend sein, wenn es darum gehe, den sozialen Druck und die Spannungen auszuhalten, die auf Jugendliche einwirkten.

«Jungs zelebrieren den besten Freund nicht so wie Mädchen»

Matthias Vogt, Co-Leiter der Jugendberatung der Stadt Zürich, freut das Ergebnis der Studie. Für ihn ist klar, dass auch männliche Jugendliche einen Best Friend brauchen und zum Teil haben. «Das wurde lange unterschätzt.» Es sei einfach so, dass Jungs sich eher nicht über persönliche Themen austauschten, die sie belasten und bewegen. «Der beste Freund gibt ihnen vor allem Halt.»

Dies sieht auch Jugendpsychologe Allan Guggenbühl so. Auch Jungs hätten enge Freundschaften. «Sie zelebrieren dies einfach nicht so wie die Mädchen.» Statt zu reden, würden Jungs meistens einfach etwas miteinander unternehmen wie gamen oder Sport treiben. «So stabilisieren sie sich gegenseitig.»

«Für Jugendliche ist es etwas vom Schlimmsten, sich alleine zu fühlen»

«Ein bester Freund hilft, die Schwierigkeiten der Pubertät abzufedern», glaubt auch Psychologe Urs Kiener von Pro Juventute. Jugendliche, die auf ihr Telefon 147 anrufen würden, hätten häufig keinen besten Freund, mit dem sie ihre Probleme besprechen könnten.

«Für viele ist es etwas vom Schlimmsten, sich alleine zu fühlen.» Das sei ein wichtiger Grund, weshalb sich Jugendliche einer Clique anschliessen würden. Kiener: «Dann kann sich dort eine intensivere Beziehung zu einem Einzelnen herauskristallisieren.»

In der Peergroup entwickeln Jugendliche eine Identität

Weniger einverstanden sind die Jugend-Experten mit der Kritik der Studie an der Rolle Peergroup. Die Autoren warnen, die Dynamik der Gruppe könne ganz besonders bei Jungs negative Auswirkungen haben und sie in die Kriminalität oder den Drogenkonsum hineinziehen.

«Es ist so, dass Jugendliche meistens in der Gruppe über die Schnur hauen», sagt Guggenbühl. Er sei aber dagegen, nur die problematische Seite anzuschauen. «In Peergroups entstehen ganz viele neue Ideen und alte Muster werden hinterfragt.» Jugendliche, die sich einer Peergroup anschliessen würden, engagierten sich oft in einem Bereich. Guggenbühl: «So entwickeln sie eine eigene Identität.»

«Auch Mädchen-Cliquen können problematisch sein»

Die Bedeutung von Jugend-Cliquen betont auch Matthias Vogt von der Jugendberatung. Er zweifelt zudem daran, dass es nur bei Jungs problematisch sei. «Das kenne ich auch von Mädchen-Cliquen.» Dort werde durch subtilere Formen von Rivalität Stress erzeugt. Dies laufe aber oft auf einer weniger offensichtlichen Ebene ab. Vogt warnt: «Das kann auch sehr problematisch sein.»

Feedback

Wie war das in Ihrer Pubertät? Hatten auch Sie einen besten Freund oder eine beste Freundin? Schreiben Sie uns Ihre BFF-Geschichte: feedback@20minuten.ch

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