Kaum Schnupperlehren - Jugendliche haben Angst, wegen Corona keine Lehrstelle zu finden
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Kaum SchnupperlehrenJugendliche haben Angst, wegen Corona keine Lehrstelle zu finden

Fast 80 Prozent der Lehrstellen sind vergeben. Wer noch eine Lehrstelle sucht, hat es in der Pandemie besonders schwer. Schnupperlehren sind fast nicht möglich. Deshalb sollen Schülerinnen und Schüler online im Betrieb schnuppern.

von
Fabian Pöschl
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Jugendliche haben grosse Angst um ihre berufliche Zukunft, wie eine Studie der ZHAW ergab.

Jugendliche haben grosse Angst um ihre berufliche Zukunft, wie eine Studie der ZHAW ergab.

Sebastian Gollnow/dpa
Sie fürchten sich davor, keine passende Lehrstelle zu finden.

Sie fürchten sich davor, keine passende Lehrstelle zu finden.

Christoph Schmidt/dpa
Die Suche nach der geeigneten Lehrstelle ist aktuell besonders schwierig, weil es fast keine Schnupperlehrplätze und Berufsmessen gibt.

Die Suche nach der geeigneten Lehrstelle ist aktuell besonders schwierig, weil es fast keine Schnupperlehrplätze und Berufsmessen gibt.

Berufsmesse Zürich, MCH Group

Darum gehts

  • Jugendliche wissen nicht, wie sie in der Corona-Pandemie eine Lehrstelle finden sollen.

  • Sind keine Schnupperlehren möglich, sollen die Schülerinnen und Schüler online im Betrieb schnuppern.

  • Der Lehrlingsexperte gibt Tipps für den Bewerbungsprozess.

Schnupperlehren sind wegen der Corona-Pandemie nicht überall möglich. Auch Berufsmessen fallen möglicherweise erneut aus. Schülerinnen und Schülern fällt die Berufswahl und auch die Lehrstellensuche für die über 250 zur Auswahl stehenden Lehrberufe entsprechend schwer.

Jugendliche haben deshalb grosse Angst um ihre Zukunft, wie es in einer Mitteilung der Lehrstellenplattform Yousty.ch unter Bezug auf eine ZHAW-Studie heisst. «Jugendliche sind frustriert und wissen nicht, wie sie vorgehen sollen, um in der aktuellen Situation eine Lehrstelle – insbesondere Schnupperlehren – zu finden», sagt eine Yousty.ch-Sprecherin.

Bewerbungsgespräche abgesagt

Die Angst ist begründet: Bereits im Sommer 2020 hatten Schulabgänger Mühe, eine Lehrstelle zu finden, weil etliche Bewerbungsgespräche wegen der Pandemie verschoben oder abgesagt wurden.

Auch online Schnuppern (s. Box) kann das Kennenlernen im Betrieb insbesondere in handwerklichen Berufen nicht ersetzen: «Beide Seiten wollen und müssen sich persönlich kennenlernen. Deshalb ist das Schnuppern vor Ort für die Jugendlichen und die Firma zentral.» Wenn keine Schnupperlehre möglich ist, rät Yousty trotzdem dazu, zumindest online zu schnuppern.

So funktioniert das Online-Schnuppern

Beim Online-Schnuppern sollen Jugendliche, wie beim normalen Schnuppertag, Einblick in den Betriebsalltag einer Firma bekommen. Mittels Videos, Bildern, Interviews mit Lernenden, Team-Vorstellungen und einem Eignungstest erfahren sie, ob sie sich für den Beruf begeistern können, ob sie ins Team passen und ob sie die praktischen Anforderungen erfüllen. Und wenn einem die Firma gefällt, kann man sich direkt online bewerben. Auf der Plattform Yousty.ch sind rund 2000 Firmen und 37 Berufsverbände aufgelistet, die das Online-Berufsschnuppern ermöglichen.

Viele Betriebe haben ihre Lehrstellenplätze im Vergleich zum Vorjahr ausgebaut, weil sie Jugendlichen eine Perspektive bieten möchten. Trotzdem waren, ähnlich wie im Vorjahr, bereits im März fast 80 Prozent der Lehrstellenplätze für kommenden Sommer besetzt, wie es auf «Lehrstellenpuls» heisst.

Wer für diesen Sommer noch nichts gefunden hat, sollte sich laut Unternehmens- und Lehrlingsberater Peter Heiniger «dringend starke Unterstützer, wie die eigenen Eltern oder Lehrerinnen und Lehrer suchen». Wichtig sei nun vor allem, die ganze Energie in das Projekt «Lehrstellensuche» zu investieren.

Lehrstellensuche

Das sind die Tipps des Lehrlingsexperten Peter Heiniger

  • Bewerbungsqualität, -quantität und -strategie sowie Absagen kritisch hinterfragen und von Unterstützern prüfen lassen.

  • Zeitplan erstellen sowie Qualität, Quantität und Strategie wie bei folgenden Beispielen anpassen oder optimieren.

  • Online möglichst viele alternative Berufe durchleuchten, um mindestens eine gute zweite Wahl zu finden.

  • Allenfalls den Radius hinsichtlich des Arbeitsweges erweitern.

  • Mut haben und auch mal gut vorbereitete Telefongespräche wagen.

  • Eltern sollen in jedem Fall gezielt und lösungsorientiert begleiten, zu viel Ablenkung meiden und Zuversicht ausstrahlen.

Heiniger macht Mut: «Ich erlebe einen Grossteil der Eltern und Lehrerschaft gerade jetzt enorm engagiert.» Jugendliche, die für das Jahr 2022 eine Lehrstelle suchen, sollten laut Heiniger erst mal gar keine Angst haben. «Ich bin sicher, dass sich die Umstände und Bedingungen schon bald wieder verbessern», so Heiniger.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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