Australien: Jugendliche in Gefängnis schwer misshandelt
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AustralienJugendliche in Gefängnis schwer misshandelt

Ein schockierendes Video zeigt, wie Insassen in einem australischen Jugendgefängnis misshandelt und gefoltert werden. Die meisten Opfer sind Aborigines.

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Mehrere Insassen eines Jugendgefängnisses in Australien sind offenbar schwer misshandelt worden. Der TV-Sender ABC veröffentlichte am 25. Juli 2016 Aufnahmen, die zeigen, wie ein Häftling mit einem Sack über dem Kopf an einen Stuhl gefesselt wird.

Mehrere Insassen eines Jugendgefängnisses in Australien sind offenbar schwer misshandelt worden. Der TV-Sender ABC veröffentlichte am 25. Juli 2016 Aufnahmen, die zeigen, wie ein Häftling mit einem Sack über dem Kopf an einen Stuhl gefesselt wird.

Screenshot Youtube
Andere Insassen wurden von den Aufsehern mit Tränengas beschossen oder mussten mehrere Wochen in Einzelhaft verbringen.

Andere Insassen wurden von den Aufsehern mit Tränengas beschossen oder mussten mehrere Wochen in Einzelhaft verbringen.

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Viele der mutmasslichen Misshandlungsopfer im Gefängnis im Verwaltungsgebiet Northern Territory sind Aborigenes.

Viele der mutmasslichen Misshandlungsopfer im Gefängnis im Verwaltungsgebiet Northern Territory sind Aborigenes.

Screenshot Youtube

Die Bilder erinnern an das US-Gefangenenlager Guantánamo – aber sie stammen aus Australien. Genauer: aus dem Don Dale Jugendgefängnis in Darwin, im nördlichen Territorium. Dort sind Teenager in den vergangenen zwei Jahren offenbar schwer misshandelt worden.

Videoaufnahmen, die in der Sendung «Four Corner's» des Fernsehsenders ABC veröffentlicht wurden, zeigen, wie Gefängniswärter Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren in einer Zelle mit Tränengas attackieren und schlagen. Andere Insassen wurden mehr als zwei Wochen fast rund um die Uhr in eine Einzelzelle ohne fliessendes Wasser und Tageslicht gesperrt.

Eine weitere Aufnahme ist besonders schockierend: Sie zeigt den 17 Jahre alten Dylan Voller, wie er von vier Aufsehern an einen Stuhl gefesselt wird. Über den Kopf haben sie ihm eine Kapuze gestülpt, ein Riemen hält den Kopf an der Lehne. «Ich will das nicht», hört man den Teenager sagen. «Ich bin kein Hund.» Doch die Wärter machen weiter: «Du musst dich ein wenig beruhigen», sagt einer von ihnen noch. Dann lassen sie Voller allein – zwei Stunden lang.

Alle sind schockiert

«Wie alle Australier bin ich schockiert», sagte Regierungschef Malcolm Turnbull dem Sender ABC. Er ordnete am Dienstag eine gründliche Untersuchung an. Die Ermittlungen müssen zeigen, ob es sich bei den Übergriffen um örtlich begrenzte Vorfälle handle, oder «ob es eine Kultur gibt, die sich durch das gesamte Vollzugssystem des nördlichen Territoriums zieht».

Auch Adam Giles, der Regierungschef des Northern Territory, ist empört: «Ich schaute mir die Bilder an und sah den Horror mit eigenen Augen», sagte er zu ABC. Das Material habe er nach eigenen Angaben zuvor noch nie gesehen. Schuld an den Missständen sei eine «Vertuschungskultur» im Vollzugssystem.

Die Regierungskommission müsse neben den Missständen im Strafvollzug auch den Kinderschutz untersuchen, forderte Giles. Er hat mittlerweile den Strafvollzugsminister John Elferink entlassen. «Es gibt Kinder, die vernachlässigt und nicht geliebt werden, und die dann in Schwierigkeiten geraten, für Ärger auf den Strassen sorgen und schliesslich in unseren Haftanstalten landen», sagte Giles.

Die Leitung des Don Dale Centres hat gelogen

Der Tränengas-Zwischenfall im Don Dale Centre stammt aus dem Jahr 2014. Er wurde bereits einmal untersucht. Die Behörden behaupteten damals, die Gefangenen hätten randaliert und der Einsatz sei nicht exzessiv gewesen. Die Aufnahmen der Überwachungskameras widerlegen nun diese Aussage.

Das Verwaltungsgebiet Northern Territory hat eine der landesweit höchsten Kriminalitätsraten. Mehr als zwei Drittel der Häftlinge in dem Verwaltungsgebiet sind australische Ureinwohner, deren Leben häufig durch Arbeitslosigkeit, ein geringes Bildungsniveau oder Drogenabhängigkeit geprägt sind.

«Barbarisch und inhuman»

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nannte die Übergriffe in dem Jugendgefängnis «barbarisch und inhuman». Die Organisation Save the Children forderte eine landesweite Untersuchung der Zustände in Jugendgefängnissen.

Ohnehin müssten junge Straftäter unterstützt werden, um sie davor zu bewahren, wieder auf die schiefe Bahn zu geraten, erklärte Save the Children. Sie lange wegzusperren, sei dafür nicht das beste Mittel.

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