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Teenies und ihre Eltern«Jugendliche müssen uns doof und peinlich finden»

Teenager finden ihre Eltern in der Pubertät meist nervig, danach dafür umso cooler. Familientherapeuten erklären, wieso das so ist.

von
duf
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Teenager verstehen sich in der Pubertät oft nicht so gut mit ihren Eltern.

Teenager verstehen sich in der Pubertät oft nicht so gut mit ihren Eltern.

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Den Jugendlichen sind die Eltern sogar peinlich.

Den Jugendlichen sind die Eltern sogar peinlich.

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Oft verbessert sich die Beziehung aber, je älter die Kinder werden.

Oft verbessert sich die Beziehung aber, je älter die Kinder werden.

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Viele Jugendliche finden es nicht besonders attraktiv, mit ihren Eltern Zeit zu verbringen. Mama und Papa nerven, sind belehrend oder gar peinlich. So das allgemeine Klischee.

Sind die Kinder einmal etwas älter und haben das Elternhaus verlassen, ändert sich das aber oft. Als junge Erwachsene kommen sie gerne wieder nach Hause, gehen gar mit ihren Eltern aus oder verreisen gemeinsam. Warum ist das so?

Abgrenzung und Selbstfindung

Jürgen Feigel, Familientherapeut und Mediator aus Brittnau AG, beobachtet diese Verhaltensänderung: «Im Teenager-Alter zwischen 13 und 18 Jahren grenzen sich Jugendliche ab, suchen nach ihrer Identität und wollen selbstständig werden.»

Sie würden auffallende Kleidung tragen, andere Musik hören und ausprobieren, wo die Grenzen bei den Erwachsenen sind. «Eltern hingegen müssen ihren Kindern in dieser Zeit Regeln und Grenzen aufzeigen. Das kann zu Reibungen führen, weshalb sich die Jugendlichen zurückziehen und abkapseln.»

Auch Caroline Märki, Eltern- und Erwachsenenbildnerin bei Familylab in Zürich und selbst Mutter, erlebt dieses «Schämen» als Abgrenzung: «Die Jugendlichen müssen uns Eltern in dieser Lebensphase doof und peinlich finden und sich damit differenzieren.» Jedoch sei dieses Verhalten ganz normal und Ausdruck von Selbstfindung, so Märki.

Eltern werden zu Kollegen

Dem stimmt auch Feigel zu. Denn je erwachsener ein Teenie werde, desto besser entwickle sich meist die Beziehung zu den Eltern. Dabei spiele das Verlassen des Elternhauses eine zentrale Rolle: «Durch die räumliche Distanz und Selbstständigkeit der jungen Erwachsenen fallen viele Konfliktpunkte weg. Die Beziehung wird auf eine neue Ebene gehoben und die Rollen werden neu verteilt.» So könnten Eltern zu Kollegen werden.

Bleibe man länger im Hotel Mama, gestalte sich dieser Wandel schwieriger. «Rollenverteilung und Regeln sind dann noch wichtiger. Es muss wie in einer WG funktionieren, damit eine neue Beziehungsebene entstehen kann», so Feigel.

Familienverhältnisse ausschlaggebend

Verallgemeinern kann man das Verhalten von Teenagern und jungen Erwachsenen jedoch nicht, sagt Märki. «Es verhält sich nicht bei allen gleich und kommt stark auf die Familienverhältnisse und Beziehung zwischen Eltern und Jugendlichen an.»

Zum Beispiel könne es sein, dass sich Jugendliche bei kriselnden Ehen weniger versuchen abzugrenzen, weil die Eltern selber in einer Krise stecken und das nicht auch noch aushalten würden. Bei anderen wiederum könnte eine vielleicht negative Kindheit dafür sorgen, dass die Kind-Eltern-Beziehung immer angespannt und distanziert bleibe.

Wie ist die Beziehung zu deinen Eltern jetzt? Und wie war sie als Teenager? Schick uns deine Geschichte!

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