18.04.2019 02:48

Konsum verdreifacht

Jugendliche snusen sich das Zahnfleisch wund

Snus ist in aller Munde: Seit 2013 hat sich der Konsum des Lutschtabaks bei Jugendlichen verdreifacht. Ein Präventionsfachmann sieht die Entwicklung mit Sorge.

von
sul/cho
1 / 6
Der Konsum von Tabakersatz-Produkten hat sich in den letzten Jahren verdreifacht.

Der Konsum von Tabakersatz-Produkten hat sich in den letzten Jahren verdreifacht.

Bildfokus
Noch 2013 hatten lediglich 1,6 Prozent der Jugendlichen solche konsumiert. 2018 waren es 5,1%.

Noch 2013 hatten lediglich 1,6 Prozent der Jugendlichen solche konsumiert. 2018 waren es 5,1%.

cho
Vor allem der schwedische Lutschtabak findet immer mehr junge Anhänger. «Im Gegensatz zum Schnupftabak ist Snus nicht nur in ländlichen Gebieten, sondern auch in Agglo-Gemeinden stark verbreitet», sagt Markus Wildermuth, Leiter Workshops vom Blauen Kreuz.

Vor allem der schwedische Lutschtabak findet immer mehr junge Anhänger. «Im Gegensatz zum Schnupftabak ist Snus nicht nur in ländlichen Gebieten, sondern auch in Agglo-Gemeinden stark verbreitet», sagt Markus Wildermuth, Leiter Workshops vom Blauen Kreuz.

cho

5,1 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren konsumieren mindestens wöchentlich Snus oder Schnupftabak. Das zeigt eine Befragung des blauen Kreuzes Bern–Solothurn–Freiburg aus dem Jahr 2018, die die Suchtpräventionsstelle am Mittwoch publik machte. Damit hat sich der Konsum der Tabakersatz-Produkte in den letzten Jahren mehr als verdreifacht: Noch 2013 hatten lediglich 1,6 Prozent der Jugendlichen solche konsumiert.

Vor allem der schwedische Lutschtabak findet immer mehr junge Anhänger. «Im Gegensatz zum Schnupftabak ist Snus nicht nur in ländlichen Gebieten, sondern auch in Agglo-Gemeinden stark verbreitet», sagt Markus Wildermuth, Leiter Workshops vom Blauen Kreuz. Auch seien es nicht wie früher nur Eishockey-Cracks, die sich die Tabakbeutelchen, deren Nikotin über die Mundschleimhaut in den Körper gelangt, zwischen Zahnfleisch und Oberlippe schieben: «Bei den Befragungen gaben etwa auch Unihockey-Spieler oder Handballer an, regelmässig zu snusen – wie auch viele Schüler, die gar keinen Sport betreiben.»

Zahnfleisch-Schäden und Abhängigkeit

Bei einer Strassenumfrage von 20 Minuten zeigt sich: Es sind eher ältere Jugendliche, die den Oraltabak zu sich nehmen. Ruben (14) aus Aarwangen etwa gibt an, Snusen sei in seiner Klasse noch kein Thema – das sei etwas für «die Älteren» an der Schule: «Sie sagen, dass sie das anstelle des Rauchens tun – weil die Eltern nichts davon mitbekommen würden, im Gegensatz zu den Zigaretten.» In seinem Jahrgang werde dafür mehr geschnupft. Beide Tabakersatz-Produkte sind zudem eher männlich geprägt. «Bei uns konsumieren nur Jungs Schnupf und Snus», sagt Liliana (17) aus Bern. Diese beiden Tendenzen bestätigt auch Wildermuth.

Der Präventionsfachmann beobachtet den wachsenden Snus-Konsum der Jugend mit Sorge: Neben Schäden am Zahnfleisch könne er zu einer Abhängigkeit führen und den Umstieg auf Tabak-Zigaretten begünstigen: «Das Nikotin wird zwar langsamer abgegeben als bei einer Zigarette, doch die Dosis ist höher.» Auch wenn Snus als Modedroge in der Sportwelt gilt, hätten die Befragungen zudem gezeigt, dass es sich negativ auf die sportliche Leistung auswirken könne. «Ein 15-Jähriger, der intensiv Eishockey spielt und regelmässig Snus mit hohem Nikotingehalt einnahm, erzählte, er habe sich auf dem Spielfeld zeitweise wie benebelt gefühlt.»

Snus ist verboten, aber ...

Eigentlich sind Tabakprodukte zum oralen Gebrauch, worunter auch Snus fällt, in der Schweiz seit 1995 verboten. Als solche gelten gemäss Tabakverordnung «Erzeugnisse in Form eines Pulvers oder eines feinkörnigen Granulats oder einer Kombination dieser Formen, insbesondere in Portionenbeuteln oder porösen Beuteln». Trotzdem sind die Nikotin-Beutelchen an Kiosken und im Detailhandel problemlos erhältlich. Der Grund ist eine Gesetzeslücke: Vom Verbot ausgenommen sind Produkte «zum Lutschen in lehmartiger Form».

Resultat: Der lehmartige Snus darf derzeit legal verkauft werden, das pulverisierte Original dagegen nicht. Doch das dürfte sich bald ändern: Das neue Tabakgesetz sieht vor, Snus zu legalisieren. Volljährige könnten damit auch hierzulande den Original-Snus erwerben.

In seiner Botschaft an das Parlament hält der Bundesrat fest, dass beim Snusen «deutlich weniger toxische Stoffe als beim Rauchen von Tabak» entstünden. Der Mundtabak bleibe «aber dennoch toxisch»: «Der Konsum von Snus kann Krebs des Verdauungstraktes hervorrufen; ausserdem erhöht Snus die Sterblichkeit nach Herzkreislauferkrankungen.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.