Aus Langeweile: Jugendliche überfallen Passanten mit Messer

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Aus LangeweileJugendliche überfallen Passanten mit Messer

In Bern und in Olten haben über die Feiertage Jugendbanden Leute ausgenommen. Jugendpsychologe Allan Guggenbühl glaubt, die Taten hätten etwas mit der Jahreszeit zu tun.

von
stm
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Am Freitagabend forderten die Täter am Landhausweg von ihrem Opfer Geld und Wertgegenstände und zückten drohend ein Messer.

Am Freitagabend forderten die Täter am Landhausweg von ihrem Opfer Geld und Wertgegenstände und zückten drohend ein Messer.

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Gut eine Stunde später schlugen die Täter in Köniz in der Gossetstrasse erneut zu. Sie forderten vom Opfer erneut Bargeld und Wertgegenstände und traktierten das Opfer diesmal sogar mit Faustschlägen.

Gut eine Stunde später schlugen die Täter in Köniz in der Gossetstrasse erneut zu. Sie forderten vom Opfer erneut Bargeld und Wertgegenstände und traktierten das Opfer diesmal sogar mit Faustschlägen.

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Am Freitagabend kurz vor Mitternacht haben vier junge Männer am Landhausweg in Bern einen Passanten gestoppt. Sie forderten vom Opfer Geld und Wertgegenstände und zückten gar ein Messer. Als der Mann um Hilfe schrie, ergriffen sie die Flucht. Das Opfer wurde beim Überfall leicht verletzt und begab sich in ärztliche Obhut, wie die Polizei mitteilt.

Gut eine Stunde später schlugen die vier Burschen erneut zu, diesmal in Köniz. Sie forderten ebenfalls Bargeld und Wertgegenstände von einem Mann und traktierten ihn sogar mit Faustschlägen. Dann klauten sie ihm das Velo und brausten davon. Noch in derselben Stunde suchten sie sich ein drittes Opfer und schlugen nochmals zu – wortwörtlich: Mit den Fäusten forderten sie Geld und das Mobiltelefon.

Einen der verdächtigten Jugendlichen konnte die Polizei kurze Zeit später dingfest machen. Seine Kumpels – alle sind 17-jährig – wurden einen Tag später ausfindig gemacht. In ersten Befragungen war das Quartett weitgehend geständig.

Raubüberfall in Olten

Auch in Olten kam es zu einem ähnlichen Fall. Es geschah am Freitagnachmittag vor der Kantonsschule. Drei Jugendliche hingen herum, als sich gegen 13 Uhr vier weitere Jugendliche zu ihnen gesellten. Von den beiden Gruppen kannten sich zwei Männer. Als sie sich unterhielten, zückte einer aus der Vierergruppe plötzlich ein Messer und forderte Geld. Die drei anderen Jugendlichen konnten flüchten und die Polizei alarmieren. Verletzt wurde niemand.

Auch der Kantonspolizei Solothurn gelang es kurze Zeit nach der Tat, die Täter zu finden. Es handelt sich um drei Schweizer im Alter von 16 und 17 Jahren und einen 18-jährigen Deutschen.

Jugendliche erkennen Ernst nicht

Zwar könne er keinen Trend zu Raubüberfällen feststellen, sagt Jugendpsychologe und Experte für Jugendgewalt Allan Guggenbühl. «Aber wenn das Wetter schön ist und das öffentliche Leben wieder vermehrt draussen stattfindet, häufen sich Raubüberfälle auf der Strasse», stellt er fest. So komme es im Sommer ganz klar häufiger zu Überfällen als im Winter. Sie würden oft auch spontan stattfinden im sogennanten «Spirit of the Moment».

Oft würden die Überfälle von Jugendlichen mit erhöhtem Aggressionspotential begangen. «Wenn man einem Raubüberfall ausübt, gibt das einen Kick», sagt Guggenbühl. Denn mit dem unerlaubten Tun würden die Jugendlichen Tabus brechen. Oftmals realisierten sie aber die Gefährlichkeit und Ernsthaftigkeit hinter ihren Taten nicht und relativierten sie indem sie sagen: «Es geht ja nur um 20 Franken.»

Das sei eine Banalisierung, denn es handle sich ganz klar um Straftaten. Ein Messer sei ja auch nicht bloss eine Drohung, sondern es könne durchaus eingesetzt werden, was die Taten alles andere als harmlos mache.

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