Wodkaflaschen und Tritte: Jugendliche verprügeln Hafturlauber
Aktualisiert

Wodkaflaschen und TritteJugendliche verprügeln Hafturlauber

Zwei Zürcher haben einen Koch, der im Hafturlaub war, spitalreif geschlagen - mit Wodka-Flaschen und Fusstritten. Mit bedingten Strafen von 2 Jahren und 20 Monaten kommen die Täter glimpflich davon.

von
Attila Szenogrady

Die Tat vom 13. Juni 2011 war vor Gericht grundsätzlich nicht mehr bestritten. Damals hielten sich die beiden Beschuldigten im heutigen Alter von 19 und 21 Jahren in den frühen Morgenstunden an der Zürcher Langstrasse auf. Als sie in einem Express-Shop zwei Wodka-Flaschen einkauften, trafen sie zufällig auf einen angetrunkenen Koch, der sich gerade auf Hafturlaub befand. Der heute 21-jährige Häftling war aggressiv und begann die beiden späteren Beschuldigten zu provozieren.

Fest steht, dass sich der Streit unter den Jugendlichen schon bald nach draussen auf die Langstrasse verlagerte und eskalierte. Zuerst war es der Geschädigte, der zum Angriff überging und einen der Beschuldigten am Hals packte. Doch dann wendete sich das Blatt gründlich. Beide Kollegen schlugen und warfen mit den Wodka-Flaschen auf das Opfer ein und verletzten es mit Schnitten im Gesicht erheblich. Dann brachte einer der beiden Täter den angeschlagenen und blutenden Einzelkämpfer mit einem Fusskick zu Boden. Worauf er dem bewusstlosen Gegner noch zwei Mal in den Kopf trat. Gleichzeitig trat der zweite Beschuldigte das wehrlose Opfer gegen den Oberkörper und gegen die Beine.

Dank DNA-Spuren gefunden

Fest steht, dass die beiden Beschuldigten kurz darauf das Weite suchten und den erheblich verletzten und blutüberströmten Geschädigten am Tatort zurückliessen. Der Koch hatte ein Schädelhirntrauma sowie drei Brüche im Gesicht erlitten. Glücklicherweise entpuppten sich die Blessuren infolge einer ärztlichen Notoperation als nicht lebensgefährlich.

Dank einer gesicherten DNA-Spur auf einer Glasscherbe konnte die Polizei die Täterschaft ausfindig machen. Beide Jugendliche verschwanden für 80 Tage in Untersuchungshaft.

Drei Jahre gefordert

Der zuständige Staatsanwalt verlangte am Dienstag vor Gericht wegen versuchter schwerer Körperverletzung teilbedingte Freiheitsstrafen von je drei Jahren. Zwölf Monate davon sollten die Beschuldigten verbüssen. Der Ankläger sprach von einer gezielten Abrechnung der beiden Lehrlinge. Anders sahen es die Verteidiger. Sie akzeptierten zwar die rechtliche Würdigung, machten aber einen strafmildernden Notwehrexzess ihrer Mandanten geltend. Deshalb forderten sie bedingte Freiheitsstrafen von je 14 Monaten.

Das Gericht schlug zum Schluss einen Mittelweg ein. Es sprach beide Beschuldigten wegen versuchter schwerer Körperverletzung für schuldig. Es ging aber ebenfalls von einem Notwehrexzess aus. Der bereits wegen Raubes vorbestrafte dunkelhäutige Mann kassierte 24 Monate bedingt. Er soll zudem eine Psychotherapie besuchen. Der aus dem Balkan stammende Schweizer erhielt 20 Monate bedingt. Viel zu wenige für den Staatsanwalt, der unmittelbar nach der Urteilseröffnung Berufung ankündigte. Beide Täter sollen dem Opfer ein Schmerzensgeld von 3000 Franken überweisen.

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