Aktualisiert 18.09.2014 17:16

Millionenschaden

Jugendliche wegen Brand vor Gericht

Zwei Jugendliche haben sich am Donnerstag vor dem Kreisgericht Wil verantworten müssen. Sie sollen für den Brand einer Grossgärtnerei im St. Galler Fürstenland verantwortlich sein.

von
eli

Gemäss Anklage haben zwei damals 14- und 15-jährige Jugendliche auf dem Gelände der Topfpflanzen-Gärtnerei Rutishauser in Züberwangen eine Hütte aus schwarzen Kunststoff-Tulpenkisten gebaut. Dort trafen sie sich am frühen Abend des 6. September 2013, rauchten Zigaretten und spielten aus Langeweile mit Zündhölzern und einem Feuerzeug.

Kurz nachdem die Jugendlichen ihre Hütte verlassen hatten, sahen sie, dass ein Stapel Kunststoffkisten brannte. Die beiden Jugendlichen hätten überlegt, ob sie die Feuerwehr rufen sollten. Doch da hätten sie bereits die Sirenen gehört, heisst es im Strafbefehl der Jugendanwaltschaft, den die Angeschuldigten nicht akzeptiert haben.

Das Feuer sprang auf das nebenstehende Treibhaus über und frass sich in Windeseile den Weg durch die riesige Anlage mit Treibhäusern, die mit Kunststoff eingekleidet waren. Eine Million Topfpflanzen wurden ein Raub der Flammen. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Das Feuer wütete auf einer Fläche von rund 20 Fussballfeldern. Die schwarze Rauchsäule war weit herum sichtbar und zog zahlreiche Schaulustige an. Im Einsatz standen rund 100 Feuerwehrleute. Sie konnten das Übergreifen des Feuers auf ein Düngemittellager und einen Grosstank verhindern. Die Bewohner von zwei nahegelegenen Häuserreihen wurden evakuiert.

Öffentliches Interesse

Am Donnerstag mussten sich die heute 15- und 16-jährigen Jugendlichen vor dem Kreisgericht Wil in Flawil verantworten. Zum Schutz der Jugendlichen fand die Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Medien statt.

Weil der Fall von öffentlichem Interesse sei, gewährte das Gericht der Nachrichtenagentur sda Einblick in den Strafbefehl. Laut diesem wurden die beiden Jugendlichen im Dezember 2013 wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst und Hausfriedensbruchs schuldig gesprochen.

Brand nicht absichtlich gelegt

Die Jugendlichen haben den Brand gemäss Strafbefehl nicht absichtlich gelegt. Allerdings hätten sie sich pflichtwidrig unvorsichtig verhalten. «Von 14- und 15-Jährigen kann man erwarten, dass sie um die Gefahr wussten, als sie an einer brandgefährlichen Stelle mit dem Feuer hantierten», schrieb der Jugendanwalt. Die Strafe beträgt zehn Tage persönliche Leistung. Acht Tage werden vollzogen, zwei Tage aufgeschoben. Die Probezeit dauert ein Jahr.

Die Forderungen von insgesamt 100'000 Franken wurden auf den Zivilweg verwiesen. Der Besitzer der Gärtnerei, bei der ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe entstand, machten lediglich den Selbstbehalt von 300 Franken geltend. Allfällige Rückforderungen von Versicherungen würden gegebenenfalls nach einem rechtskräftigen Urteil auf zivilrechtlichem Weg erhoben. (eli/sda)

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