Sexting: Jugendliche wissen nicht, wo es Hilfe gibt
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SextingJugendliche wissen nicht, wo es Hilfe gibt

Eine Umfrage belegt: 60 Prozent der Jugendlichen haben von Sexting schon einmal gehört. Viele wissen aber nicht, wer ihnen weiterhelfen kann, wenn sie selbst betroffen sind.

von
ala
Viele Jugendliche verschicken intime Bilder – und verzweifeln, wenn diese ohne Zustimmung weiterverbreitet werden. (Symbolbild: Pro Juventute)

Viele Jugendliche verschicken intime Bilder – und verzweifeln, wenn diese ohne Zustimmung weiterverbreitet werden. (Symbolbild: Pro Juventute)

Sexting, also das Versenden von intimen Fotos per SMS, gibt es schon länger als die ersten Smartphones. Doch mit diesen hat sich das Phänomen ausgebreitet – so dass sich Pro Juventute gezwungen sah, vor den Folgen des Sextings zu warnen. Die Kampagne war zumindest teilweise erfolgreich. Laut einer nicht repräsentativen Online-Umfrage der Jugendorganisation haben immerhin 60 Prozent der Jugendlichen schon einmal etwas über das Thema Sexting gehört.

Gleichzeitig wissen aber 60 Prozent der Teilnehmer nicht, wo sie Hilfe finden können. Wie gut ist die Botschaft von Pro Juventute wirklich angekommen? Tanja Oswald, Leiterin des Sorgentelefons 147, zieht eine positive Bilanz: «Wir konnten viele Jugendliche erreichen und erhielten zahlreiche positive Rückmeldungen.» Es sei natürlich nicht möglich, mit einer einzelnen Kampagne alle Jugendlichen zu informieren. «Das zeigt uns, dass noch weiterer Aufklärungsbedarf besteht.»

Penisbild verschickt

Das bestätigen die Anrufe bei der Notrufnummer. «Fast täglich gelangen Jugendliche mit Fragen zum Thema Sexting zu uns», sagt Oswald. So hat sich bei der SMS-Beratung ein 15-jähriger Junge gemeldet, der ein Bild seines Penis an ein Mädchen verschickt hat. Sie hat das Bild in ihrem Freundeskreis herumgereicht. Der Junge ist verzweifelt und weiss nicht, wie er sie davon abhalten kann, das Foto weiteren Leuten zu zeigen.

Auch die 15-jährige Natalie* weiss nicht mehr, wie weiter. «Ich habe ein Problem», schrieb sie dem Beratungsdienst. «Ich habe einen Freund, der Nacktfotos von mir will. Aber mir ist das sehr peinlich und ich habe Angst, dass er Schluss machen wird, wenn ich ihm diese Fotos nicht schicke!» Die 14-jährige Claudia* wiederum hat einem Mann Unterwäschebilder von ihr geschickt. «Jetzt habe ich Angst, dass er sie auf Facebook stellt.»

Herumzeigen ist strafbar

Das Sorgentelefon berät die Jugendlichen per Telefon, SMS oder Chat. Den Jungen etwa machen die Mitarbeiter des Beratungsdienstes darauf aufmerksam, dass sich das Mädchen durch das Herumzeigen des Fotos strafbar mache. «Vielleicht reicht es schon, wenn du ihr sagst, dass du sie anzeigst, wenn sie nicht aufhört», schreiben sie dem Jungen.

Doch nicht immer gibt es eine klare rechtliche Handhabe. In manchen Fällen stossen die Mitarbeiter der Jugendorganisation an ihre Grenzen. Natalie raten sie etwa, sich gut zu überlegen, ob die Beziehung mit ihrem Freund für sie noch stimme, wenn er solche Fotos von ihr verlange. Und dem Mädchen mit den Unterwäschebildern kann Pro Juventute lediglich den Tipp geben, den Mann zu bitten, die Bilder zu löschen.

*Namen von der Redaktion geändert

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