Engage-Kampagne: Jugendliche wünschen sich Dienstpflicht für Frauen und Gratis-ÖV

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Engage-KampagneJugendliche wünschen sich Dienstpflicht für Frauen und Gratis-ÖV

Jugendliche aus der ganzen Schweiz haben die Quarantäne-Zeit sinnvoll genutzt und sich Gedanken über ihre Zukunft der Schweiz gemacht. Die 13 Vorschläge werden nun ab Montag den Politikern vorgestellt.

von
Denise Brechbühl
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Jugendliche von 14 bis 25 Jahren haben ihre Anliegen im Rahmen der Engage-Kampagne «Verändere die Schweiz» eingereicht.

Jugendliche von 14 bis 25 Jahren haben ihre Anliegen im Rahmen der Engage-Kampagne «Verändere die Schweiz» eingereicht.

Foto: zvg
Mit dem Projekt soll die Partizipation von Jugendlichen in der Politik gefördert werden.

Mit dem Projekt soll die Partizipation von Jugendlichen in der Politik gefördert werden.

zvg
Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen können auch in Zeiten der Coronakrise politisch aktiv sein und digitale Mitwirkungsmöglichkeiten kennenlernen, hiess es bei Engage.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen können auch in Zeiten der Coronakrise politisch aktiv sein und digitale Mitwirkungsmöglichkeiten kennenlernen, hiess es bei Engage.

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Darum gehts

  • Mit der Engage-Kampagne können Jugendliche ihre Anliegen in die Schweizer Politik einbringen.
  • Die 13 jüngsten National- und Ständeräte wählen dann je ein Anliegen aus.
  • Ab Montag treffen sich die Parlamentarier nun mit den Initianten der Anliegen in Bern.
  • 20 Minuten stellt die Anliegen vor.

Mit der Engage-Kampagne «Verändere die Schweiz» begann Anfang Februar ein grosses Brainstorming. Jugendliche aus der ganzen Schweiz sollten sich Gedanken über ihre Anliegen an die Politik machen. Doch die Corona-Pandemie verschonte auch die Kampagne nicht. Nun waren innovative Ideen gefragt: Auf Instagram wurden die Engage-Livetalks ins Leben gerufen, und die Jugendlichen konnten im Livestream einfach ihre Fragen an junge National- und Ständeräte stellen.

Mitte März wurden alle Schulen in der Schweiz geschlossen, und so entstand das neue Motto der Kampagne: «Verändere die Schweiz von zu Hause aus». Aneschka (16), Engage-Ambassadorin und Mitglied des Jugendparlaments Köniz, und Nationalrätin Tamara Funiciello (SP) waren sich einig: «Jugendliche in der Quarantäne sollen die Zeit sinnvoll nutzen – etwa indem sie politisch aktiv werden.»

Silberschmidt, Funiciello und Co.

215 Anliegen wurden schliesslich eingereicht. «Positiv ist die Bandbreite der eingereichten Ideen, fast kein Thema oder Lebensbereich wurde nicht abgedeckt», sagt Patricia Mutti, Mitarbeiterin von Engage.ch. Die 13 jüngsten National- und Ständerätedarunter Andri Silberschmidt (FDP), Franziska Ryser (Grüne) oder Mike Egger (SVP) wählten aus den über 200 Forderungen je eine aus.

Im Juni wollen sie diese nun mit den jungen Initianten besprechen. Bei diesen «bilateralen Gespräche werden die unterschiedlichsten Wünsche der Generationen Y und Z in Bern nun behandelt. Das erste Treffen findet diesen Montag im Raiffeisen-Forum statt. Auch Ständeratspräsident Hans Stöckli (SP) wird am Treffen dabei sein und mit den Jugendlichen zu Mittag essen.

Das sind die Anliegen der Jugendlichen:

  • Klimawandelbremse: Ähnlich wie die Schuldenbremse soll auch die Klimawandelbremse funktionieren. Der geforderte Mechanismus soll dafür sorgen, dass alle Geschäfte, die im Bundeshaus beschlossen werden, zuerst auf ihre Klimaverträglichkeit überprüft werden müssen. – Eingereicht von Aneschka aus dem Kanton Bern, ausgewählt von Nationalrätin Franziska Ryser (Grüne)
  • Unfaires Bildungssystem auf Tertiärstufe: Mit einer Berufsmaturität steht es den Absolventen frei, Fachhochschulen in der Schweiz zu besuchen. Bei den meisten Fachhochschulen werden jedoch noch Aufnahmeprüfungen verlangt. Die Kosten für das Anmeldeprozedere seien teilweise so hoch wie eine gesamte Semestergebühr. «Bildung ist dadurch ein Profitmodell und nur für die finanziell bessergestellten Personen in der Schweiz», so die Initiantin. Gefordert wird hier ein einheitliches Bildungssystem auf Tertiärstufe. – Eingereicht von Patricia aus dem Kanton Bern, ausgewählt von Nationalrat Simon Stadler (CVP)
  • Reformation der Demokratie – Gesetzesänderungen ermöglichen: Momentan ist es dem Schweizervolk nur möglich, Verfassungsänderungen vorzunehmen. Die Verfassung sollte in einem Staat jedoch nur die grundlegendsten Dinge regeln. «Ich plädiere für die Einführung der Möglichkeit von Gesetzesänderungen», heisst so etwa die Forderung eines Teilnehmers. Eingereicht von David aus Basel, ausgewählt von Nationalrat Andri Silberschmidt (FDP)
  • Schulisches Mobbing stoppen: Die Folgen von Mobbing sind schwerwiegend für die Betroffenen – geistig und körperlich. Daher sollen gemäss einer Forderung die Schulen verpflichtet werden, Empathie-Kurse für alle Kinder einzuführen. Die Schüler sollen von klein auf sensibilisiert werden. Ein Beispiel soll man sich hier an Finnland nehmen: Der von der Universität Turku entwickelte nationale Kiva-Plan gegen Mobbing wird dort bereits an Schulen unterrichtet. – Eingereicht von Kokcharova aus dem Kanton Waadt, ausgewählt von Nationalrätin Léonore Porchet (Grüne)
  • Kostenloser öffentlicher Verkehr: In Zukunft soll das Benutzen des öffentlichen Verkehrs für alle kostenlos sein. Der Steuerzahler soll laut der Idee des Initianten für die Kosten jährlich aufkommen. Dies soll Jung und Alt dazu animieren, den ÖV zu nutzen. Zudem könnte man mit diesem Anliegen auch gleich den Schadstoffausstoss des Individualverkehrs einschränken. In den Augen des Fordernden würden dadurch auch Verkehrsprobleme entschärft werden. – Eingereicht von Silvio aus dem Kanton Thurgau, ausgewählt von Nationalrat Fabian Molina (SP)
  • Erweiterung der militärischen Zulassungskriterien für Personen mit einer körperlichen Behinderung: Gefordert wird, dass Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen einfacher zur Rekrutenschule zugelassen werden sollen. Dafür sollen Kasernen auch für Menschen mit Beeinträchtigungen eingerichtet werden. – Eingereicht von Samantha aus dem Kanton Freiburg, ausgewählt von Nationalrat Baptiste Hurni (SP)
  • Jeder soll Organspender werden: Eine Organspende kann Leben retten, doch aktuell sind die meisten Schweizer keine Organspender. Aktuell ist die Organspende so geregelt, dass man sich im Organspenderegister eintragen muss, um Organspender zu sein. Gefordert wird eine Änderung zur Widerspruchsregelung. Bei der Widerspruchsregelung wird der Verstorbene zum Organspender, wenn er einer Organentnahme zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. Die Angehörigen haben in diesem Fall kein Widerspruchsrecht. – Eingereicht von Stefan aus dem Kanton Bern, ausgewählt von Nationalrat Mike Egger (SVP)
  • Dienstpflicht für Frauen: Frauen sollen, wie die Männer auch, dazu verpflichtet sein, Dienst zu leisten. Die Wehrpflicht für Frauen soll nach dem heutigen Prinzip gehen. Jedoch in umgekehrter Reihenfolge: Frauen sollen Zivildienst leisten, können aber – wenn sie wollen – auch die Rekrutenschule absolvieren. Eingereicht von Jan aus dem Kanton Zürich, ausgewählt von Nationalrätin Diana Gutjahr (SVP)
  • Sexuelle Vielfalt im Unterricht: Die Bildungs- und Kulturdirektionen der Kantone sollen die Schulprojekte zur Aufklärung von sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität finanziell unterstützen. In der Schweiz gibt es mehrere Schulprojekte für die LGBTQ-Community. Diese sollen deshalb von der Bildungs- und Kulturdirektion unterstützt werden. – Eingereicht von Pascale aus dem Kanton St. Gallen, ausgewählt von Nationalrätin Samira Marti (SP)
  • Anbau von pflanzlichen Proteinquellen: In der Schweiz sind Anbaubeiträge für Linsen, Kichererbsen und weitere pflanzliche Eiweisslieferanten nicht vorgesehen. Anbau von Soja ist eine Ausnahme. Dieser ist in der Schweiz klimabedingt aber sowieso eine Ausnahme. Der Anbau von Eiweisserbsen, Lupinen und Ackerbohnen wird unterstützt, jedoch nur, wenn sie dem Füttern von Nutztieren dienen. Ziel des Initianten ist es nun, dass der Anbau von allen pflanzlichen Eiweisslieferanten finanziell unterstützt werden soll. – Eingereicht von Enya aus dem Kanton Bern, ausgewählt von Nationalrätin Meret Schneider (Grüne)
  • Politische Bildung ab der 1. Klasse: Ab der Primarstufe soll aktiv politische Bildung im Schulunterricht betrieben werden. Das politische System der Schweiz, aktuelle politische Themen sowie die (politischen) Rechte von Kindern und Jugendlichen sollen bereits in der 1. Klasse zum Schulstoff gehören. Damit sollen die Diskussionen und die eigene Meinungsbildung gefördert werden. – Eingereicht von Amélie aus dem Kanton Zürich, ausgewählt von Nationalrätin Corina Gredig (GLP)
  • Obligatorischer und kostenloser Nothelferkurs in Gymnasien: Der Kurs wäre gemäss Forderung für Studenten obligatorisch und kostenlos. Er würde die gleiche Dauer wie der Grundkurs haben. Die Tatsache, dass diese Kurse kostenlos sind, würde es allen Studenten ermöglichen, daran teilzunehmen, ohne über den finanziellen Aspekt nachzudenken. – Eingereicht von Estelle aus dem Kanton Freiburg, ausgewählt von Ständerätin Johanna Gapany (FDP)
  • Steuerabzug für Freiwilligenarbeit: Nicht bezahlte Arbeit kommt in etlichen Bereichen vor: Care-Arbeit für Kinder oder ältere Menschen sowie Menschen mit Handicap. Auch gibt es Freiwilligenarbeit in Vereinen oder in der Politik. Personen, die einer solchen freiwilligen Tätigkeit nachgehen, sollen künftig einen Steuerabzug machen dürfen. – Eingereicht von Valentin aus dem Kanton Bern, ausgewählt von Nationalrätin Tamara Funiciello (SP)

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