Expansionspläne: Jugendsender Joiz wagt den Sprung ins Ausland
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ExpansionspläneJugendsender Joiz wagt den Sprung ins Ausland

Die Macher von Joiz wollen den deutschen Fernsehmarkt erobern. Ab Sommer 2013 soll mit demselben Konzept auch aus Berlin gesendet werden.

von
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Alexandra Maurer moderiert die Sendung «Livingroom».

Alexandra Maurer moderiert die Sendung «Livingroom».

Seit knapp zwei Jahren ist Joiz in der Schweiz auf Sendung. Zeit, es mit dem benachbarten Fernseh-Riesen Deutschland aufzunehmen, findet Geschäftsführer Alexander Mazzara.

Ein mutiger Schritt: Der deutsche Fernsehmarkt ist viel grösser als das heimische Terrain, die Senderzahl um ein Vielfaches höher. «Alles Neue trägt ein gewisses Risiko», sagt Mazzara. In den letzten zwei Jahren habe man mit dem Aufbau des Senders in der Schweiz viel gelernt – davon werde die Expansion nach Berlin profitieren.

Holpriger Anfang

Der Start hierzulande war holprig: Zu Beginn 2011 gab es einige technische Probleme. Das transmediale Sendekonzept mit Web, Mobile, Social Media und TV musste erst mal zum Laufen gebracht werden.

Die Kabelbetreiberin UPC Cablecom weigerte sich, auf Verlangen des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) den Sender ins analoge Programm aufzunehmen. Erst seit dem Bundesgerichtsentscheid im März 2012 wird Joiz bei Cablecom auch analog ausgestrahlt.

Eine Anfangszeit, aus der man gelernt hat: «Die Technik haben wir jetzt im Griff, die Formate sind weiter entwickelt und mit unserer Webseite stehen wir heute auch an einem ganz anderen Punkt als noch vor zwei Jahren.»

Ein teures Projekt

Die Chancen auf einen analogen Sendeplatz in Deutschland sind klein, die Kanäle voll besetzt. «Kein Killer-Kriterium für uns», findet Mazzara. Junge konsumieren TV-Programme auf Zattoo oder Wilmaa, die analogen Sender würden dadurch an Bedeutung verlieren. Mit den grossen Satelliten- und Kabelnetzanbietern sei man in Verhandlungen.

Die Reise ins Ausland kostet Geld: Das Studio in Berlin soll gleich aussehen, wie die Joiz-Lokalitäten in Zürich-Oerlikon. «Wir werden eine riesige Infrastruktur aus dem Boden stampfen», sagt Mazzara. Ein teures Projekt, das einem siebenstelligen Investitionsbetrag bedarf. Die Summe wird durch die Aktionäre der Joiz AG finanziert.

Ein hartes Umfeld

Die Expansion bedeutet aber auch mehr Konkurrenz: «Das Umfeld ist härter, aber dafür auch um Welten grösser.» Mazzara sieht auch in Deutschland Potenzial für seinen Sender. Das Werbegeschäft in der Schweiz laufe gut - auch deutsche Werber dürften interessiert sein.

Die Konkurrenz unter den Anbietern sei zwar da, aber nur wenig bedrohlich: «Einzelnen Formate mit interaktiven Elementen, wie The Voice of Germany oder Germany's Next Top Model sind ähnlich wie unser Konzept.» Sender wie MTV oder Viva sieht Mazzara nicht als direkte Konkurrenten. MTV sei in Deutschland ein Pay-TV-Kanal und werde daher nicht von der breiten Masse beachtet. Viva setze mehr auf Reality-TV-Shows als auf Musik.

Auf Casting-Tour

Nächsten Sommer soll es mit einer fünfzig-köpfigen Crew bei Joiz in Berlin losgehen: «Dazu gehen wir bald in Deutschland auf Casting-Tour.»

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