Aktualisiert 22.12.2010 10:21

Science-Fiction-FanJulian Assange überlässt nichts dem Zufall

Der Wikileaks-Gründer wählte vor vier Jahren auf einer Dating-Plattform einen Decknamen, der es in sich hat. Damals ahnte aber niemand etwas davon.

von
Karin Leuthold

Der 39-jährige Julian Assange suchte vor der Gründung von Wikileaks auf der Website «OkCupid.com» eine Partnerin fürs Leben. Unter dem Pseudonym «Harry Harrison» stellte er sich als «grosser Mann mit nordischer Erscheinung» vor. Unter der Rubrik «Aktivitäten» liess er damals bereits durchsickern, was ihn beschäftigt: «Ich leite ein zeitaufwendiges und gefährliches Menschenrechtsprojekt. Ich habe mit Auslandsjournalismus, Geheimdiensten, Politik und Wirtschaftkriminalität zu tun.»

Dabei ist der unscheinbare Deckname «Harry Harrison» offenbar nicht zufällig gewählt - ist 20-Minuten-Online-Leserreporter «Shea» überzeugt. Denn Harry Harrison sei ein US-Schriftsteller, der vor allem für seine Science-Fiction-Romane bekannt wurde. In fast allen Büchern thematisiere Harrison politische und gesellschaftliche Probleme. Tatsächlich sind die Hauptdarsteller meistens Helden wider Willen, die aus der Situation heraus in diese Rolle gerutscht sind.

Assange ist wie die «Stahlratte»

Autor Harrisons bekannteste Serie besteht aus einem zehnbändigen Zyklus um die gesellschaftskritische Figur der «Stahlratte» James Bolivar diGriz. Die «Stahlratte» sei in Harrisons Literatur «ein berühmter Dieb, der von allen gejagt, aber niemals erwischt wird - es sei denn, es passt gerade zu seinen Plänen», erklärt Leserreporter Shea.

Im ersten Buch von Harrisons Serie stellt sich der unfreiwillige Held wie folgt vor: «Schon sehr früh im Leben (...) beschäftigte ich mich ernsthaft mit der Möglichkeit, die Verbrecherlaufbahn einzuschlagen. Dies hatte viele Gründe - nicht zuletzt hatte ich Spass daran, ein Verbrecher zu sein.» In den nächsten neun Bänden beschäftigt sich diGriz mit waffenlosem Kampf, Computertechnik und diversen Methoden zur Anfertigung von Fälschungen. Dabei gerät die «Stahlratte» immer wieder in politische Konflikte, die sie löst, indem sie teilweise brisante Geheiminformationen stiehlt und veröffentlicht. Die Parallelen zu Julian Assange sind heute – vier Jahre, nachdem er als Harry Harrison eine Partnerin gesucht hatte – klar und deutlich. Und ganz sicher kein Zufall.

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