Aktualisiert 26.08.2012 11:26

Nach ZukaufJulius Bär baut hunderte Stellen ab

Nach der Übernahme der Vermögensverwaltung von Merrill Lynch sollen bei der Zürcher Bank Julius Bär die «Kapazitäten angepasst werden». Soll heissen: Mehrere hundert Arbeitsplätze werden gestrichen.

Boris Collardi, CEO der Züricher Traditionsbank Julius Bär, sieht vor allem im Backoffice-Bereich Einsparmöglichkeiten.

Boris Collardi, CEO der Züricher Traditionsbank Julius Bär, sieht vor allem im Backoffice-Bereich Einsparmöglichkeiten.

Nach dem Grosseinkauf bei der US-Bank Merrill Lynch will Julius Bär weltweit mehrere hundert Stellen streichen. «Wo die Kapazitäten angepasst werden, werden wir erst in einigen Monaten sagen können», sagte Julius-Bär-Chef Boris Collardi in einem Interview mit der «SonntagsZeitung».

Die Züricher Traditionsbank hatte vor zwei Wochen die Übernahme des ausseramerikanischen Privatkundengeschäfts von Merrill Lynch angekündigt. Damit will Julius Bär bis zu 72 Mrd. Fr. Kundenvermögen dazukaufen. Dafür legt Bär bis zu 860 Mio. Fr. auf den Tisch. Daneben fallen Integrationskosten von 312 Mio. Fr. an.

Die Auslands-Vermögensverwaltung von Merrill Lynch beschäftigt circa 2000 Mitarbeiter. Mit der Übernahme steigt die Zahl der Standorte von Julius Bär um 8 auf 50.

Bei den Kundenberatern sehe man kaum Überschneidungen, sagte Collardi im Interview: «Im Backoffices allerdings, also etwa bei der Informatik, der Buchhaltung oder Rechtsabteilung, ist noch nicht klar, wie viele Leute wir künftig brauchen.»

Das hänge stark davon ab, wie viele Kundengelder letzten Endes bei Julius Bär ankämen und ob sich der Standort in einem Wachstumsmarkt wie Asien befinde oder nicht.

Verlagerung aus Genf

«Sobald uns die Kartellbehörden grünes Licht geben, werden wir Merrill Lynch Schweiz übernehmen, als ersten von allen Standorten weltweit. Wann wir mit der Integration beginnen, ist aber noch offen», sagte Collardi.

Zunächst werde man sich mit den Wachstumsmärkten beschäftigen, denn dort falle deutlich mehr Transferarbeit an. «In den nächsten zwölf Monaten wird sich in Genf noch nicht viel ändern», sagte Collardi.

Allerdings habe er den Angestellten dort keine falschen Hoffnungen gemacht. Denn die Schweiz sei kein Wachstumsmarkt. «Viele Funktionen werden von Genf nach Zürich verlegt beziehungsweise zusammengelegt», sagte Collardi.

Das übernommene Geschäft von Merrill Lynch ist derzeit nicht profitabel. Die Kosten-Ertragsspanne von 100 sei inakzeptabel, sagte Collardi. Diese wolle Julius Bär auf 70 Prozent senken. Es gebe viel Sparpotential: In Singapur könne man beispielsweise beide Standorte zusammenlegen. Zudem werde Julius Bär alle Verträge mit den Geschäftspartnern neu aushandeln.

(sda)

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