Schwimm-Teenies: Jung, ledig – und sehr schnell unterwegs
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Schwimm-TeeniesJung, ledig – und sehr schnell unterwegs

Erst die 16-jährige Chinesin Shiwen, dann die 15-jährige Litauerin Meilutyte: In London sorgen schwimmende Teenager-Mädchen für Wirbel. Doping-Gemurmel ist da nicht weit.

von
fbu

Nur zwei Tage nach dem fabelhaften Weltrekord der 16-Jährigen Ye Shiwen über 400 m Lagen ist es wieder eine blutjunge Schwimmerin, die aufhorchen lässt. Ruta Meilutyte heisst die 15-Jährige, die am Montagabend über 100 m Brust allen davon schwamm und Gold gewann.

Die beiden Teeanger liegen deutlich unter dem Altersdurchschnitt der Olympiasiegerinnen in ihren Disziplinen. Gleich vier Jahre unter dem Durchschnitt steht die litauische Überraschungs-Olympiasieger über 100 m Brust. Seit 1968 war der Schnitt bei 19,5 Jahren – keine der Goldmedaillengewinner bis 2008 war jünger als 16. Immerhin auch gut zwei Jahre unter dem Durchschnitt der letzten elf Olympischen Spiele liegt Ye Shiwen. 18,5 Jahre alt sind die Goldmedaillengewinnerinnen über 400 m Lagen durchschnittlich, ein Jahr jünger also als die Brust-Goldfrauen.

Von den Emotionen überwältigt

Meilutyte ist nicht nur die jüngste 100-m-Brust-Olympiasiegerin der letzten Jahre, sie ist auch die erste Schwimm-Goldmedaillengewinner Litauens. Sie konnte kaum fassen, was am Montagabend passierte. «Für mich war es ein Schock – aber ein guter Schock», äusserte sich die als Wunderkind bezeichnete Schwimmerin. Das war ihr bei der Medaillenfeier anzusehen: Die Emotionen überwältigten den Teenager. Sie hielt sich die Hand vor dem Mund, um wenigstens die grössten Schluchzer abzufangen. Tief durchatmend schaffte sie es, die Fassung auf dem Podest einigermassen zu wahren. «Ich war so furchtbar nervös», erzählte Meilutyte später, «oben auf dem Podium waren meine Knie so wacklig, dass ich Angst hatte, herunterzufallen».

Kein Wunder, wer hätte schon damit gerechnet, dass die junge Litauerin zum Olympiasieg schwimmt. Ihr Coach John Rudd sagte vor den Olympischen Spielen noch: «Wenn sie die schnellste Zeit schwimmt, die sie je geschwommen ist, dann ist sie nicht weit weg vom Final.» Das hat sein Schützling getan – und sogar mehr. In den letzten zwei Monaten hat sich Meilutyte um unglaubliche zwei Sekunden verbessert. Zwar ist sie noch deutlich über dem Weltrekord der Amerikanerin Jessica Hardy, doch diese stellt die Bestmarke auch in der Ära der Hightech-Schwimmanzüge auf.

Hartes Training seit Kindesalter

Wie bereits bei Ye Shiwen kommen da auch kritische Stimmen auf. Die Chinesin führt ihren Erfolg auf ihr intensives und wissenschaftliche Training zurück. Auch das litauische Wunderkind trainiert bereits seit Jahren hart für seinen Erfolg. Vor zwei Jahren – als damals 13-Jährige – zog Meilutyte ihrer Karriere zuliebe nach Grossbritannien. Dort schloss sie sich in Plymouth dem «Leander Swimming Programm» an. Dass schon bald ein Olympiasieg auf sie wartet, wagte sie nicht zu träumen.

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