Tempo 140 km/h: Jung-SVP bandelt mit Balkan-Secondos an

Aktualisiert

Tempo 140 km/hJung-SVP bandelt mit Balkan-Secondos an

Nicht lange ist es her, da kämpfte die SVP gegen Balkan-Raser. Nun sammelt die Jung-SVP Unterschriften für Tempo 140 km/h auf der Autobahn – und freut sich über Hilfe der Secondos.

von
D. Pomper

Die Jung-SVP demonstriert Solidarität mit dem Balkan: Am Samstag rief sie bei einer Standaktion in Luzern zu Spenden für die Flutopfer in der Region aus. «Wir wollen auf die notleidenden Menschen in Bosnien, Kroatien und Serbien aufmerksam machen», sagte Präsident Anian Liebrand, der von Kollegen aus dem Balkan um Unterstützung gebeten wurde. Auch die rechten Jungpolitiker wollen 1000 Franken spenden.

Ist es nicht aussergewöhnlich, dass ausgerechnet die JSVP die Flutopfer aus dem Balken unterstützt? «Oft werden wir zu Unrecht in eine Schublade gesteckt», sagt Liebrand. Wenn Menschen in echter Not seien, dann solle man sich unabhängig von der Partei solidarisch zeigen.

Den grössten Zulauf bescherte dem JSVP-Stand aber nicht die Spendenaktion, sondern die Volksinitiative «Tempo 140 km/h auf der Autobahn», für die die Partei Unterschriften sammelte. «Gerade Leute aus dem Balkan waren extrem interessiert», erzählt Liebrand. Sie hätten ihre Freunde und Familienangehörige zusammengetrommelt und sogar auf eigene Faust Unterschriften gesammelt. «Wir haben mit 720 Unterschriften an einem Tag so viele Unterschriften gesammelt wie nie zuvor», sagt Liebrand. Als die Leute schliesslich noch die Aktion für Flutopfer entdeckt hätten, seien sie ganz begeistert gewesen: «Das haben sie von der SVP nicht erwartet.»

Kampf gegen Balkan-Raser

Die neue Beliebtheit der JSVP bei den Balkan-Secondos irritiert Tvrtko Brzovic, Vorstandsmitglied von Secondos Plus: Schliesslich sei es nicht lange her, da habe Anian Liebrand mit einem ausländerfeindlichen Plakat provoziert. 2009 lancierte dieser mit dem Plakat «Raser köpfen statt Bürger schröpfen» den «Kampf gegen die Balkan-Raser».

«Erst gerade hat die JSVP gegen Balkan-Raser gewettert. Jetzt wollen sie die Höchstgeschwindigkeit hochsetzen. Dass passt doch nicht zusammen», sagt Brzovic. Die Secondas und Secondos sollten sich fragen, was die SVP sonst für Werte vertrete und welche Steine die Partei ihnen in den Weg lege: «Schliesslich ist es die SVP, welche die vereinfachte Einbürgerung von Secondos verhinderte und regelmässig mit Plakaten Stimmung gegen Ausländer macht.»

«Auf Kosten der Flutopfer Profit schlagen»

Ivica Petrusic, Jugendbeauftragter des Kanton Zürichs und Mitbegründer von Secondos Plus, stösst sich vor allem daran, dass die JSVP «auf dem Rücken der Flutopfer politisch Profit schlägt»: «Ich begrüsse, dass die JSVP Spenden sammelt. Aber wenn sie diese Aktion dafür missbraucht, Unterschriften für ihre Volksinitiative zu sammeln, dann ist das heikel.»

Liebrand wehrt sich gegen diese Vorwürfe. «Ich habe die Spendenaktion gestartet, weil mich Personen, deren Verwandte von der Flutkatastrophe betroffen sind, darum gebeten haben –

und nicht um zu mehr Unterschriften zu kommen.» Gewisse Funktionäre nörgelten sogar herum, wenn er einfach etwas Gutes für Menschen in Not machen wolle. «Ich finde das einfach unglaublich!» Die JSVP habe die beiden Aktionen aus praktischen Gründen gleichzeitig durchgeführt.

Zu seinem früheren Engagement gegen «Balkan-Raser» sieht er keinen Widerspruch: «Die Tempo-140-Initiative fördert keine Raser. Solche sollen weiterhin bestraft werden. Das sehen auch gut integrierte balkanstämmige Ausländer so.»

Eine Lanze brechen für Liebrand

Igor Pavlovic, Mitglied des Vereins Direkthilfe für Naturkatastrophenopfer, wehrt sich gegen die Vorwürfe, die seine Landsleute Brzovic und Petrusic gegen JSVP-Chef Anian Liebrand richten. «Ich bin mit Anian in die Schule gegangen und kenne ihn nun fast acht Jahre lang. Er ist bestimmt nicht fremdenfeindlich.» Liebrand habe sich schon in der Schule für seine Heimat interessiert und verfüge über ein gutes Netzwerk, sagt Pavlovic – deshalb habe er ihn gebeten, bei der Spendensuche für die Opfer der Flutkatastrophe zu helfen. «Anian hat uns als mein Freund geholfen und nicht als Präsident der JSVP. Wir waren es, die ihn gebeten haben, am Samstag auch Spenden zu sammeln. Deshalb ist es eine Frechheit, Anian vorzuwerfen, die Flutkatastrophe als Stimmfanginstrument zu missbrauchen.»

Direkthilfe für Naturkatastrophenopfer

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