Jung und brutal
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Jung und brutal

Innerhalb von drei Monaten hat ein 18-jähriger Rädelsführer einer Jugendbande in Zürich über 20, zum Teil äusserst brutale Raubüberfälle verübt. Nun kassierte der gefährliche Täter eine hohe Freiheitsstrafe von sieben Jahren.

«Der Angeklagte ist geplant, hinterhältig und äusserst brutal vorgegangen», erklärte der zuständige Staatsanwalt am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich. Der Ankläger verlangte eine Freiheitsstrafe von acht Jahren für eine Raubserie, die in Zürich ihresgleichen suche. Sie setzte Anfang Februar 2006 ein, als der Angeklagte mit einigen Komplizen beim Bahnhof Altstetten einen Passanten überfiel und ihm ein Portemonnaie mit rund 300 Franken abnahm.

Sinnlose Gewalt

In den nächsten Wochen folgten 20 weitere Raubüberfälle, wobei sich der damals erst 18-jährige Angeklagte als führender Kopf immer brutaler gebärdete und sich wiederholt auf sinnlose Gewalt verlegte. So am 6. März 2006, als er an der Dienerstrasse einem 45-jährigen Lehrer zunächst ohne Vorwarnung einen Faustschlag ins Gesicht versetzte und danach von hinten eine Bierflasche über den Kopf zog. Zwei Tage später schlug der arbeitslose Jungräuber einen heute 33-jährigen Architekten an der Limmatstrasse bewusstlos und nahm ihm das Portemonnaie ab. Als das Opfer wieder zu sich kam, schnappte sich der Schläger noch sein Mobiltelefon und versetzte ihm nochmals einen Faustschlag ins Gesicht.

Im April kam ein 25-jähriger Student nur knapp mit dem Leben davon. Als der Geschädigte bereits wehrlos am Boden lag, trat ihm der Kickboxer mit Metallkappen-Schuhen ins Gesicht und prügelte ihn spitalreif.

Rückfallgefahr von 100 Prozent

Die Serie fand mit der Verhaftung des Angeklagten am 25. April 2006 ein abruptes Ende. Am Mittwoch stand der heute 20-jährige Hilfsarbeiter vor dem Bezirksgericht Zürich und legte ein weitgehendes Geständnis ab. Allerdings zeigte er weder Reue noch Einsicht. Der in Kolumbien geborene Mann wurde im Alter von drei Jahren von Schweizer Eltern adoptiert und wuchs im Kanton Solothurn auf. Allerdings wurde das auffällige Kind bereits in der zweiten Klasse in ein Kinderheim eingewiesen. Ersten kriminellen Taten folgten erste Jugendmassnahmen. Jedes Mal ohne Erfolg. Ein kürzlich erstelltes psychiatrisches Gutachten malte ein düsteres Bild über die Zukunft des Angeschuldigten. Es rückte ihn als gestörte Persönlichkeit in die Nähe der Hochrisikogruppe von Psychopathen. Der Gutachter sprach von einer Rückfallgefahr von 100 Prozent.

Verwahrung angedroht

So war es kein Wunder, dass der Gerichtsvorsitzende Sebastian Aeppli dem Angeklagten während der Verhandlung bei einem Rückfall die Verwahrung androhte. Der Staatsanwalt verwies darauf, dass der Täter ohne Verminderung der Schuldfähigkeit gehandelt habe und selbst dessen Komplizen von den brutalen Taten geschockt gewesen seien.

Der Verteidiger forderte in einem Hauptantrag die Überweisung des Falles an das Jugendgericht, da das genaue Alter seines Klienten bis heute nicht klar sei. Im schlimmsten Fall sei eine Freiheitsstrafe von drei Jahren zugunsten einer Einweisung in ein Massnahmezentrum für Jugendliche aufzuschieben.

Sieben Jahre unbedingt

Das Gericht wandte die Gesetze für Erwachsene an und setzte aufgrund des schweren Verschuldens eine unbedingte Freiheitsstrafe von sieben Jahren fest. Während des Strafvollzugs ordnete es trotz geringer Erfolgsaussichten eine ambulante Massnahme an. Das Gericht mass den finanziellen Motiven für die Raubserie eine untergeordnete Bedeutung zu. Dem Angeklagten sei es vielmehr darum gegangen, Macht auszuüben und sich Respekt bei den KollegeN zu verschaffen, sagte Aeppli.

Attila Szenogrady, 20minuten.ch

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