Max Verstappen: Jung, wild, aggressiv, schnell – und gefährlich?
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Max VerstappenJung, wild, aggressiv, schnell – und gefährlich?

Zuerst wurde Max Verstappen nur bewundert. Nun formiert sich Widerstand gegen den jüngsten GP-Sieger der Formel-1-Geschichte.

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Der Sensationssieger des GP von Spanien hatte im Mai von einer teaminternen Karambolage des Mercedes-Duos Hamilton/Rosberg auf eindrückliche Art und Weise profitieren können und sich in seinem ersten Rennen im Red Bull-Renault als jüngster Sieger der Geschichte feiern lassen können.

Der 18-jährige niederländisch-belgische Doppelbürger polarisiert nicht erst seither wegen seiner Fahrweise und erinnert an die früheren Genies wie Ayrton Senna und Michael Schumacher. Verstappen attackiert bedenkenlos und riskiert sehr viel. Doch die Bewunderung für seinen aggressiven Stil schlägt je länger, desto mehr in Ärger um.

Kritik der Legende

Niki Lauda, dreifacher Weltmeister und Mercedes-Aufsichtsrat, sagt es so: «Der Junge ist ein Jahrhundert-Talent. Aber wenn er so weitermacht, gehört er in die Psychiatrie. Schlimm ist, dass er überhaupt keine Einsicht zeigt, Fehler gemacht zu haben. Das kann sehr gefährlich werden.»

Die schützende Hand hält Red-Bull-Teamchef Christian Horner über seinen Fahrer: «Sind wir doch froh, dass endlich wieder einmal einer da ist, über den sich die Zuschauer freuen oder halt auch aufregen können. Seine Aktionen wurden von den Kommissären, und das sind ja auch keine Idioten, als legal beurteilt. Also war alles in Ordnung.»

Kleinkrieg mit Räikkönen

Einer sieht das ganz anders: Kimi Räikkönen hatte sich schon in Ungarn masslos über den 18-jährigen Teenager aufgeregt. Am vergangenen Sonntag in Belgien wurde der Kleinkrieg weitergeführt, als Verstappen, der erstmals in seiner Karriere aus der Frontreihe losfahren durfte, einen schlechten Start erwischte, trotzdem aber noch auf der Innenseite am Ferrari-Duo Räikkönen und Sebastian Vettel vorbeischiessen wollte. Platz hatte es nur für zwei Autos, so kam es unweigerlich zu Feindberührungen.

Klar, dass nun Verstappen im Ferrari-Land ein steifer Wind entgegenweht und er unter besonderer Beobachtung bei Konkurrenten und Kommissären steht. Teamchef Horner hat ihm gar empfohlen, ja keinem zu verraten, wo er in Monza wohnt, da die heissblütigen Fans sehr feindselig sein können.

Verstappens berühmte Vorgänger

Die Mischung aus herausragendem Talent und äusserst aggressiver Fahrweise verbindet Verstappen mit früheren Formel-1-Grössen. Zum Beispiel mit Michael Schumacher. Der Rekordweltmeister war im Kampf um Punkte und Titel unerbittlich und streute hin und wieder Manöver ein, die für Kopfschütteln sorgten. 1994 im letzten Rennen in Australien verursachte er eine Kollision mit Damon Hill, worauf beide ausfielen und sich der Deutsche erstmals die WM-Krone sicherte.

Schumacher kollidiert 1994 in Adelaide mit Damon Hill. (Video: Youtube)

2006 parkierte Schumacher seinen Ferrari im Qualifying von Monaco in der Rascasse-Kurve, um Rivale Fernando Alonso an einer schnellen Runde zu hindern.

Schumacher parkiert in der Rascasse. (Video: Youtube)

Obwohl er gern als eine Art Rennsport-Heiliger dargestellt wird, nahm auch Ayrton Senna keine Rücksicht auf Verluste. Niemand bekam das härter zu spüren als sein McLaren-Teamkollege und grosser Rivale Alain Prost. Der von unbändigem Ehrgeiz getriebene Brasilianer und der Franzose bekämpften sich mit allen Mitteln.

Senna und Prost schiessen sich in 1989 in Suzuka ab. (Video: Youtube)

Auch der legendäre James Hunt, der britische Lebemann und Weltmeister von 1976, gehörte zu den risikobereiten bis rücksichtslosen Piloten. Wenn er nach einem Crash die Schuld beim Gegner sah, tat er seine Meinung gern lautstark kund.

Hunt liefert sich 1977 beim GP von Holland einen folgenschweren Zweikampf mit Mario Andretti. (Video: Youtube)

Hunt geigt 1975 einem Konkurrenten in Monaco die Meinung. (Video: Youtube) (kai/sda)

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