Projekt Rastplatz: Junge Basler kochen auf dem Balkan für Flüchtlinge
Aktualisiert

Projekt RastplatzJunge Basler kochen auf dem Balkan für Flüchtlinge

Eigentlich wollten sie nur Ferien machen und entspannen. Doch nun brechen vier Basler an die kroatisch-serbische Grenze auf, um Flüchtlingen Essen zuzubereiten.

von
Matthias Kempf
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Joel Sames und Simon Krieger einen Tag vor der Abfahrt an die serbisch-kroatische Grenze. Für zwei Wochen werden sie Flüchtlingen vor Ort helfen.

Joel Sames und Simon Krieger einen Tag vor der Abfahrt an die serbisch-kroatische Grenze. Für zwei Wochen werden sie Flüchtlingen vor Ort helfen.

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Insgesamt vier Personen des Projekts Rastplatz fahren nach Kroatien, weitere kommen später nach. An der Grenze wollen sie die Flüchtlinge mit Nahrung versorgen.

Insgesamt vier Personen des Projekts Rastplatz fahren nach Kroatien, weitere kommen später nach. An der Grenze wollen sie die Flüchtlinge mit Nahrung versorgen.

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Gekocht werden soll vor allem das syrische Gericht Maklube. Jedoch nur vegetarisch, da es schwierig sein wird, Halal-Fleisch aufzutreiben.

Gekocht werden soll vor allem das syrische Gericht Maklube. Jedoch nur vegetarisch, da es schwierig sein wird, Halal-Fleisch aufzutreiben.

wikipedia

Am Freitagmorgen geht es los: Mit einem VW-Bus machen sich Joel Sames, Simon Krieger und zwei weitere Basler auf die 1200 Kilometer lange Reise an die kroatisch-serbische Grenze, um die dort ausharrenden Flüchtlinge mit dem Nötigsten zu versorgen. Sames war schon tief in der Ferienplanung mit der Freundin, als ihn das bedrückende Gefühl überkam, «dass momentan nicht der Zeitpunkt sei, um gemütlich am Strand zu liegen.»

«In dieser Flüchtlingskrise sind alle gefragt. Vor allem seit die Staaten nicht mehr in der Lage sind, die Probleme allein zu bewältigen», so Sames. Vor drei Wochen hat er seine Idee mit dem Projekt Rastplatz konkretisiert. Voraussichtlich zwei Wochen werden die freiwilligen Helfer vor Ort bleiben. «Wir haben aber offiziell keine Hilfsgüter dabei», sagt Sames. Der Van ist voll mit Zelten, Kochgeschirr und Verbandsmaterial, aber auch Kleidern, speziell für den Winter. «Alles, was wir mitnehmen, müssen wir auch wieder zurückbringen.»

Eines der wichtigsten Mitbringsel ist laut Sames aber das Akkuladegerät, das mit einem Generator betrieben wird und den Flüchtlingen das kostenlose Aufladen ihrer Handys ermöglicht. Das Essen hingegen wird direkt vor Ort eingekauft.

Flüchtlinge sollen selber kochen

Ziel sei es, mit den Flüchtlingen in Kontakt zu kommen und durch das Essen eine Vertrauensbasis aufzubauen, so Sames. Der 40-jährige Filmschaffende hofft, dass sie durch ihre Hilfe auch Hilfe zurückerhalten. «Es wäre schön, wenn sich die Flüchtlinge am Kochtopf beteiligen würden.» Gekocht werden soll vegetarisch, da Halal-Fleisch schwierig aufzutreiben sei und auch seinen Preis habe. «Wir werden Maklube zubereiten, ein nahrhaftes syrisches Gericht mit Reis und Kartoffeln.»

Finanziert wird das Projekt Rastplatz durch Spenden, die die Helfer durch Crowdfunding zusammentragen. «Bis jetzt haben wir schon 12'000 Franken zusammen.» Das Geld soll hauptsächlich in den Kauf von Nahrungsmitteln investiert werden.

Nicht in kulturelle Fettnäpfchen treten

Die Gruppe hat sich vor ihrer Abfahrt umfassend über die Gegebenheiten vor Ort informiert. «Wir wissen ein bisschen über die Tabus Bescheid», sagt Sames, der schon in Afghanistan, Sri Lanka oder Uganda gearbeitet hat. «Keine Tampons verteilen, sondern nur Binden. Kondome sind tabu, genauso wie Gummibärchen, da diese Knochenmark von Schweinen enthalten», weiss er.

Da keiner der vier arabisch spricht, müssen sie gute Beziehungen zu syrischen Flüchtlingen knüpfen, die als Übersetzer fungieren. Denn geplant ist neben der Hilfs- auch eine Aufklärungsaktion. «Wir wollen in unserem Van Video-Interviews mit Flüchtlingen durchführen, die ihre Geschichte erzählen», sagt Sames. Dadurch soll vermittelt werden, dass Flüchtlinge vor der Flucht normale Menschen waren mit einem geregelten Leben, wie wir es auch kennen.

Fahrt ins Ungewisse

Simon Krieger hat Erfahrungen mit Flüchtlingen. Zurzeit stellt er eine multimediale Flüchtlingsreportage fertig, die ihn von Griechenland bis in den Iran geführt hat. Trotzdem weiss der 26-Jährige nicht, was ihn und seine Freunde in Kroatien und Serbien erwarten wird. «Es ist möglich, dass wir Probleme mit den Behörden bekommen.»

Je nach Situation bleiben sie länger vor Ort. «Wir sind freischaffend. Wenn es gut läuft und wir Kontakte knüpfen können, bleiben wir ein bisschen länger.»

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